Eigentlich sollte Diallo am kommenden Wochenende unter Jessica von Bredow-Werndl in Basel um Weltcup-Punkte kämpfen. Doch der zehnjährige Hannoveraner Wallach starb vor wenigen Tagen plötzlich an einer rätselhaften Krankheit, wahrscheinlich am tückischen Borna-Virus, gegen das es keine Impfung und kein Heilmittel gibt. Wegen des Dreikönigs-Feiertags in Bayern liegen noch keine endgültigen Laborergebnisse vor, aber erste Blutproben deuten auf die Borna-Krankheit hin.
Mit herzzerreißenden Worten beschreibt die vierfache Olympiasiegerin in den sozialen Medien den Schmerz über den Verlust ihres Pferdes: „Noch am Wochenende haben wir getanzt, es hat sich alles so leicht angefühlt. Und dann kam diese Krankheit wie ein Sturm, lautlos, gnadenlos und unaufhaltsam, hat sich in Stunden durch deinen Körper gefressen und mir das Herz aus der Brust gerissen.“ Der Tod eines geliebten Pferdes, mit dem man durch viele Stunden Training zusammengewachsen ist, wirft nicht nur eine Olympiasiegerin vorübergehend aus der Bahn; und er ist gewiss nicht geringer, wenn der Vierbeiner seinen Freizeitreiter nur entspannt durch Feld und Wald trägt.

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Aber mit Diallo starb auch die Hoffnung für Jessica von Bredow-Werndl, nach dem Ausscheiden ihrer in die Jahre gekommenen Goldmedaillenstute Dalera schon sehr bald wieder zum deutschen Championatsteam zu gehören. Vielleicht sogar schon bei der Weltmeisterschaft in Aachen im Juli oder bei den Olympischen Spielen in Los Angeles in zwei Jahren. Denn die Kurve von Diallo zeigte nach oben. Von den neun Prüfungen, die er im Jahr 2025 bestritten hat, gewann er sieben, unter anderem beim Weltcupturnier in Stuttgart im Herbst 2025 den Grand Prix und die Kür, letztere mit 83,085 Prozent. In diesen Sphären bewegt sich bereits die Weltklasse.
Von der Nummer eins der Weltrangliste war Jessica von Bredow-Werndl, 39, nach Daleras Abschied zunächst weit abgeschlagen, inzwischen rangierte sie dank Diallo bereits wieder auf Platz zehn. „Das Pferd hat sich im vergangenen Jahr enorm entwickelt“, sagte auch Bundestrainerin Monica Theodorescu: „Diallo hatte viel Potenzial und wenige Schwächen.“ Da war noch Luft nach oben, mit seinen zehn Jahren blickte Diallo einer verheißungsvollen Zukunft entgegen.
Als Überträger der Borna-Krankheit gilt die Spitzmaus
Der Wallach gehörte wie Dalera der Schweizerin Beatrice Bürchler-Keller, die von Bredow-Werndl seit Jahren großzügig unterstützt. Aber auch in diesem finanzstarken Umfeld sind wirkliche Spitzenpferde rar. Kaum ein Top-Reiter hat mehr als einen, vielleicht zwei solche Diamanten im Stall. Um sportlich oben dabei zu bleiben, muss konstant neuer Nachwuchs ausgebildet werden, und längst nicht jedes junge Talent erfüllt am Ende die Erwartungen.
Einsatzbereite Grand-Prix-Pferde sind selten auf dem Markt, und wenn, dann nur für sechs- bis siebenstellige Summen zu haben. Manchmal spielt der Zufall mit, wie bei der elfjährigen niederländischen Stute Kismet, die Bredow-Werndl von der für ein Jahr gesperrten dreifachen Olympiasiegerin Charlotte Dujardin übernahm. Unter der Britin gewann sie 2023 in Aachen vier Nachwuchsprüfungen, unter Jessica von Bredow-Werndl trat Kismet erfolgreich in Intermediaire II-Prüfungen an, der Vorstufe zum Grand Prix. Sie habe viel Qualität, sei sehr sensibel, sagt Theodorescu, und sie habe ihre anfängliche Schüchternheit vor großem Publikum inzwischen abgelegt. Aber vor den beiden liegt noch ein langer Weg.
Die Borna-Krankheit, der Diallo vermutlich zum Opfer fiel, ist bislang nicht vollständig erforscht. Es handelt sich um eine Virus-Erkrankung, die eine Gehirnhautentzündung verursacht. Überträger ist vermutlich die Feldspitzmaus, genauer gesagt deren Ausscheidungen. Die Feldspitzmaus selbst erkrankt nicht. Pferde nehmen das Virus über kontaminiertes Heu auf, durch kleinste Verletzungen im Maulbereich oder über die Nase. Es ist keine Seuche, Pferde können sich nicht gegenseitig anstecken. Das Virus tritt insbesondere in Süddeutschland, also Bayern und Baden-Württemberg auf. Auch Menschen können befallen werden, es soll auch schon Todesfälle gegeben haben.
