Raus aus der Kostenfalle: Wie privat Krankenversicherte durch einen Tarifwechsel sparen können

Raus aus der KostenfalleWie privat Krankenversicherte durch einen Tarifwechsel sparen können

18.02.2026, 14:42 Uhr

imageEin Gastbeitrag von Roland Klaus

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Gesetzlich garantiertes Recht: Versicherte können jederzeit innerhalb ihrer privaten Krankenversicherung in einen anderen Tarif wechseln und dabei ihre Altersrückstellungen behalten. (Foto: imago stock&people)

Um 13 Prozent sind die durchschnittlichen Beiträge für privat Krankenversicherte allein Anfang 2026 gestiegen. Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse ist oft nicht möglich. Doch es kann einen Ausweg geben – ganz ohne Wechsel der Versicherung.

Viele privat Krankenversicherte klagen über die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Beiträge. Auf der Suche nach günstigeren Alternativen ergeben sich gleich mehrere Probleme: Beim Wechsel in eine andere private Krankenversicherung gehen die angesparten Altersrückstellungen zum großen Teil verloren. Diese Rückstellungen sollen eigentlich helfen, den Anstieg der Beiträge im Alter abzufedern. Zudem wird für langjährige Versicherte eine neue Gesundheitsprüfung fällig. Das führt in der Regel zu deutlich höheren Beiträgen.

Der Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse ist ebenfalls für die meisten keine Alternative. Für Versicherte ab 55 Jahren ist er ohnehin nahezu unmöglich. Für Jüngere sind die oft schlechteren Leistungen abschreckend. Für gut verdienende Selbständige bringt der Wechsel in die Krankenkasse meist ohnehin keinen finanziellen Vorteil.

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Roland Klaus ist Gründer der Interessengemeinschaft Widerruf. Sie hilft bei der Durchsetzung von Verbraucherrecht in Finanzfragen und wird dabei von spezialisierten Anwälten unterstützt.

Wechsel des Tarifs als Ausweg

Was also tun? Ein Ausweg kann der Tarifwechsel innerhalb der eigenen Krankenversicherung sein. Der Gesetzgeber hat dafür in 2009 mit Paragraf 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) die Voraussetzungen geschaffen. Was viele nicht wissen: Bei einer Krankenversicherung bilden nicht alle Kunden eine Solidargemeinschaft, sondern die Prämien- und Risikokalkulation erfolgt nur innerhalb eines Tarifs. Die Beitragshöhe von Tarifen kann daher sehr unterschiedlich sein, auch wenn die Leistungen durchaus vergleichbar sind. Oftmals können sich dadurch massive Einsparungen für einen Versicherten ergeben, der den Tarif wechselt.

Denn die Versicherungen vermarkten einen Tarif häufig nur für einen gewissen Zeitraum. Die Folge: Sobald er nicht mehr aktiv angeboten wird, bekommt ein Tarif kaum noch neue Mitglieder – er „veraltet“. Steigt das Durchschnittsalter der Versicherten, so steigen auch die Kosten, die von allen Mitgliedern des Tarifs getragen werden müssen. Es fehlen schlicht die guten Risiken, sprich: jüngere Kunden mit besserem Gesundheitszustand. In einem Tarif, dessen Mitglieder immer älter werden, steigen die Beiträge für die Verbleibenden massiv.

Neue Tarife sind preiswerter

Die meisten Versicherungen legen deshalb regelmäßig neue Tarife auf, die sie dann besser vermarkten können. Dorthin strömen dann die jüngeren Kunden. Deswegen sind die Beiträge dort oft deutlich geringer als in den nicht mehr aktiv beworbenen Tarifen – bei gleicher oder sogar besserer Leistung. Diese neuen Tarife stehen allen offen, also auch langjährigen Kunden der Versicherung.

Das Potenzial eines Tarifwechsels zeigt ein Beispiel aus der Praxis. Ein Kunde der DKV erhielt vor wenigen Wochen die Nachricht, dass der monatliche Beitrag für seine Krankenversicherung zum 1. April 2026 auf 1013 Euro steigen wird. Die Optimierung des Tarifs hat zur Folge, dass der Versicherte bei der DKV nun satte 45 Prozent weniger bezahlt – bei vergleichbarer Leistung.

Hier lohnt ein Wechsel besonders

Zugegeben: Nicht immer sind die Ersparnisse so drastisch wie in diesem Beispiel. Doch gerade bei der DKV, die in diesen Tagen die Beitragsanpassungen für das neue Geschäftsjahr verschickt, sind die Kostensteigerungen in vielen älteren Tarifen massiv: Sie reichen bis zu 200 Euro monatlich. Neben der DKV sind uns vor allem folgende Krankenversicherungen aufgefallen, bei denen sich durch einen Tarifwechsel erhebliches Einsparpotenzial bieten kann:

  • Allianz

  • AXA

  • Barmenia

  • Continentale

  • Generali

  • Hallesche

  • Signal Iduna

Gerade bei diesen Gesellschaften kann es sich für Versicherte lohnen, einen Wechsel in einen neueren Tarif zu prüfen. Denn dabei behalten sie ihre kompletten Altersrückstellungen. Zudem ist ein solcher Wechsel jederzeit möglich. Anders als beim Wechsel einer Versicherung gelten keine Kündigungsfristen.

Spezialisierte Dienstleister helfen

Das Problem dabei: Ein fairer Vergleich der einzelnen Tarife ist nicht einfach. Es gibt wenig Transparenz in Bezug auf Kosten und Leistungen, insbesondere dann, wenn man bereits Kunde einer privaten Krankenversicherung ist und nach einer günstigeren Alternative bei der gleichen Gesellschaft sucht. Für klassische Versicherungsmakler sind solche Fälle uninteressant, denn sie kassieren keine Vermittlungsprovision. Auch die Versicherungen selbst sind keine richtige Hilfe. Denn sie haben keinen Anreiz, einem langjährigen Kunden den Wechsel aus einem teuren Tarif in einen attraktiveren zu erleichtern.

Bleiben spezialisierte Dienstleister, die sich genau einer solchen Aufgabe verschrieben haben. Sie finden heraus, ob es für einen privat Krankenversicherten bei seiner Gesellschaft einen oder sogar mehrere preiswertere Tarife gibt und unterstützen beim Wechsel. In der Regel stellen sie dem Kunden einen Teil der Ersparnis in Rechnung. Wer als privat Krankenversicherter prüfen möchte, ob und wie viel er mit einem Tarifwechsel bei seiner Versicherung sparen kann, sollte sich an einen solchen Dienstleister wenden, beispielsweise über die Interessengemeinschaft Widerruf.

Über den Autor: Roland Klaus ist Gründer der Interessengemeinschaft Widerruf. Sie hilft bei der Durchsetzung von Verbraucherrecht in Finanzfragen und wird dabei von spezialisierten Anwälten unterstützt.

Quelle: ntv.de