Rath around the worldDieses Hotel am Comer See definiert den Ultraluxus neu
Von Carsten K. Rath Artikel anhören(10:24 min)

Für unseren Autor ist es ein magischer Moment: Im Mosaikgarten der „Villa d’Este“, zwischen hohen Mauern aus farbigem Kieselmosaik, öffnet sich das Nymphäum, eine kühl schimmernde Grotte. Hier spielen Wasser, Stein und Licht in fast theatralischer Weise zusammen.
Auf mich wirkt dieser Ort wie eine Renaissance-Version einer antiken Grotte – überraschend intim, trotz der Weite der zehn Hektar großen Gartenanlage. Hier wacht eine 500 Jahre alte Platane über Blumenbeete, Statuen und Wasserbecken, die Mosaikverzierungen der Anlage zählen zu den meistfotografierten Bauwerken jenseits des Colosseums von Rom. Die „Villa d’Este“ ist ein Grand Hotel, aber mehr noch ein historisches Monument, das Architektur, Natur und Kultur eindrucksvoll verbindet – ein traumhaftes Setting für Hochzeiten inmitten einer magischen Kulisse. Spätestens jetzt verstehe ich, warum die „Villa d’Este“ zu den „Leading Hotels of The World“ zählt.
Von Kardinal Gallio zum Playboy aus Mailand
1568 ließ Kardinal Tolomeo Gallio die Villa am Comer See errichten. Ihm schwebte ein Treffpunkt für Künstler, Musiker und zeitgenössische Literaten vor. Über die Jahrhunderte wechselten die Eigentümer: Zunächst war es die Gallio-Familie, die die Villa mehr als 200 Jahre besaß. Dann vererbte ein Playboy aus Mailand die Villa seiner Witwe, später gab Caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel, Englands ungekrönte Königin, dem Haus den Namen „Villa D’Este“. 1873 kauften Mailänder Geschäftsleute das Haus und wandelten es in ein Luxushotel um, das es heute noch ist. Es liegt nur rund 40 Autominuten von Mailand entfernt, am Ufer des Comer Sees, einer der begehrtesten Lagen der Welt, abgeschieden und malerisch schön.
Neue Führung und die Marke „Villa d’Este La Collezione“
Seit März 2025 leitet Mirko Marchi das Grand Hotel. Vor seinem Wechsel zur Villa d’Este war er General Manager in führenden italienischen Fünf-Sterne-Hotels und sammelte internationale Erfahrung in renommierten Resorts. Sein Fokus liegt auf Gästeführung, Servicequalität und der Stärkung der Marke im Premiumsegment.
Unter seiner Ägide wurde auch die neue Marke „Villa d’Este La Collezione“ ins Leben gerufen, die neben dem Haus am Comer See auch die „Villa La Massa“ in Florenz sowie künftig Palazzo Venezia in Como und die Miralago Luxury Apartments in Cernobbio vereint. Die neue Marke will das Erbe außergewöhnlicher Häuser bewahren und dabei italienische Exzellenz mit Verantwortung für Umwelt und Gemeinschaft vereinen.
Die neoklassizistische Villa d’Este beherbergt 152 Zimmer und Luxussuiten und vier Privatvillen. Als ich am Morgen in meinem Zimmer die schweren Brokatvorhänge zur Seite ziehe, blicke ich auf den schimmernden Comer See, das Wasser ist greifbar nah.
Zimmer und Suiten: Historischer Charme mit modernem Komfort
Das Interieur der Zimmer und Suiten kommt mir vor wie eine Hommage an die glanzvollen Grandhotel-Zeiten – klassisch elegant mit historisch-architektonischen Elementen. Schon die Eingangshalle mit ihren hohen Säulen aus weißem Marmor, den mächtigen Kristalllüstern, den Werken alter Meister an der Wand begeistert mich.
Die Innenräume sind geprägt von Marmorbädern, antiken Möbeln, Ölgemälden, Samt- oder Seidenstoffen und hohen Decken. Gleichzeitig bieten sie Komfort und modernen Luxus: Klimaanlage, WLAN, Minibar und Safe fügen sich harmonisch in den historischen Charakter der Villa ein.
Ihr Reiz liegt auch in der Vielfalt: Keines der 152 Zimmer gleicht den anderen. Egal, ob florentinisch klassisch, romantisch-intim oder mit See oder Gartenblick: Jedes Zimmer erzählt hier seine eigene Geschichte. Ich komme mir vor wie in einem lebendigen Museum – mit allen Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts.
Heraus sticht aus allem die „Villa Cima“ unweit des Eingangstores am Ufer des Sees. Das Haus wurde 1814 von Caroline von Braunschweig erbaut, sie beherbergte dort frühere Besitzer. Die Räume in dieser 650 Quadratmeter großen Residenz sind über drei Etagen verteilt. Auch hier gleicht kein Zimmer dem anderen. Jedes bietet ein Sammelsurium exzellenter Antiquitäten und Kunstwerke. Der Blick von den Balkonen auf den Comer See ist atemberaubend.
Kulinarik und Wein – so geht Degustation am Comer See
Beim Abendessen im Greenhouse gesellt sich Küchenchef Michele Zambanini zu mir. Der kulinarische Kopf der Villa d’Este legt Wert auf regionale Zutaten, Frische und Saisonalität – oft mit Kräutern und Produkten aus dem hoteleigenen Garten. Jedes seiner Gerichte entfalte seinen eigenen Charakter, erzählt er mir. Was er damit meint, erfahre ich bei einem exquisiten Degustationsmenü: Langustinen mit knusprigen Zucchinistreifen, Mezzi Paccheri mit saurer Butter, Zitrone, Bottarga und Brotkrumen, eine Seezunge mit geröstetem Blumenkohl, Mandeln und schwarzem Trüffel – auch jedes Gericht scheint seine ganz eigene Geschichte des Comer Sees zu erzählen.
Als Weinliebhaber fällt mir gleich auf: Hier spielt Wein eine herausragende Rolle als Begleiter zum Essen, bietet aber auch besondere Erlebnisse: Im Tasting-Raum hat Wine Director Alex Bartoli fünf sorgfältig kuratierte Weine für mich zusammengestellt. Während ich die ersten Schlucke nehme, erzählt Bartoli von der Herkunft, den Rebsorten und dem Charakter der Jahrgänge. Ich schmecke die feinen Unterschiede, vergleiche, ordne ein, entdecke neue Facetten in einer entspannten und persönlichen Atmosphäre. Ein Hochgenuss.
Wellness am Ufer: Schweben über dem Comer See
Ich war schon in vielen Hotels der Welt unterwegs, doch selbst hier gab es für mich wieder Neues zu entdecken: Ein beheizter Floating Pool schwebt auf dem Comer See – getragen von einer stabilen Pontonkonstruktion, eingefasst in ein breites Holzdeck und nur über einen schmalen Steg erreichbar. Als ich im Pool liege, das sanfte Schaukeln des Wassers spüre und den freien Blick auf See, Berge und das Ufer von Cernobbio genieße, habe ich tatsächlich einen Moment das Gefühl, über allem zu schweben.
Dieses Hochgefühl zieht sich durch den gesamten Aufenthalt in der „Villa d’Este“. Das historische Monument mit seinem kulturellen Wert ist ein beliebter Ort für hochrangige Kongresse und exklusive Veranstaltungen. Der weitläufige Gartenpark mit Grotten, Pavillons, Skulpturen und dem Nymphäum bietet Gästen zudem ein eindrucksvolles Erlebnis, in dem Natur und Architektur harmonisch ineinanderfließen.
Raths Reise-Rating (aktuelle Wertung gefettet):
1. Ganz großes Kino
2. Wenn’s nur immer so wäre
3. Hohes Niveau, mit ein paar wenigen Schwächen
4. So lala, nicht oh, là, là
5. Besser als im Hostel
6. Ausdrückliche Reisewarnung
Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotel-Rankings im deutschsprachigen Raum die-101-besten.com ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für ntv schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.
Rath ist zudem Autor der Bücher „Die 101 besten Hotels Deutschlands“. Mit seinem Ranking kam er im Jahr 2024 erstmals in die Schweiz. Bestellen Sie das Buch gerne per E-Mail an board@i-sle.ch oder online unter:
https://die-101-besten.de/interesse-am-buchband-die-101-besten-hotels-deutschlands-2026/
Jetzt neu: PODCAST – „Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101″ von Carsten K. Rath, der bei den besten Hoteliers hinter die Kulissen blickt.
Apple: https://podcasts.apple.com/us/podcast/minibar-gest%C3%A4ndnisse-aus-zimmer-101/id1850713158
Spotify: https://open.spotify.com/show/1YZPbe3KSGNfE62xE2f4NQ
