Randal Kolo Muani: Eintracht-Frankfurt-Rekordstürmer in der Krise


Um Randal Kolo Muani ist es in den vergangenen Wochen ziemlich ruhig geworden. Seit seinem von ihm forcierten Weggang aus Frankfurt im August 2023 hat er selten positiv auf sich aufmerksam gemacht, eigentlich nur bei einigen Auftritten mit Juventus Turin in der Rückrunde der vergangenen Saison sowie ab und an im Trikot der französischen Nationalmannschaft.

Im vergangenen Sommer kehrte er nach seiner erfolgreichen halbjährigen Leihe bei Juventus Turin (8 Treffer in 16 Ligaspielen) ohne Kaufoption zu Paris Saint-Germain zurück. Nach wenigen Tagen musste RKM, wie Muani in Frankreich genannt wird, einen herben Rückschlag verkraften: Paris-Trainer Luis Enrique teilte ihm in einem Vieraugengespräch mit, dass Muani keine Rolle in seinen Planungen spiele und er sich dementsprechend einen neuen Verein suchen solle. Kurz darauf wurde er in die Jugendabteilung versetzt und von der Profi-Mannschaft ignoriert.

„Randal macht eine schwere Zeit durch“

Angebote von Chelsea und Newcastle erreichten die PSG-Bosse für Muani. Doch wenige Stunden vor der Schließung des Transfermarktes lieh ein anderer englischer Verein ihn aus: Tottenham Hotspur. Abermals ohne Kaufoption. Seitdem kommt Muani in London allerdings kaum zum Zuge.

„Randal macht eine schwere Zeit durch“, fasste Frankreichs ehemaliger Stürmerstar Jean-Pierre Papin gegenüber der F.A.Z. zusammen. „Er wurde bei PSG von den Bossen verpflichtet, und zwar ein paar Tage bevor Luis Enrique dort unterschrieb. Rein spielerisch passt seine Spielweise keineswegs zur Philosophie des Spaniers. Deswegen war es von Anfang an klar, dass es für ihn in Paris nicht passen würde.“

Muani unterschrieb in Paris, weil damals der Name Julian Nagelsmann an der Seine kursierte und der heutige Bundestrainer gar mit dem Stürmer telefoniert haben soll. Nagelsmann soll dem ehemaligen Eintracht-Angreifer die wichtige Rolle erklärt haben, in der der Trainer ihn sähe. Am Ende konnten sich PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi und Nagelsmann nicht einigen. Es kam Luis Enrique. Für Kolo Muani bedeutete diese Nachricht das Ende, bevor seine Zeit in der Hauptstadt überhaupt begann.

Bei PSG läuft Kolo Muanis Vertrag noch bis Juli 2028. Bei den Spurs hat er mit dem Engländer Dominic Solanke, seinem Landsmann Mathys Tel sowie Richarlison starke Konkurrenz an der vordersten Spitze. Trotz der Oberschenkelverletzung des brasilianischen Nationalstürmers Richarlison, der noch mindestens einen Monat ausfällt, spielt der Franzose momentan keine bedeutende Rolle bei Trainer Thomas Frank.

Kolo Muani steckt vor Rückkehr nach Frankfurt in Krise

Auf der Anreise nach Frankfurt erlebte Kolo Muani allerdings einen Schreck, als er in einen Autounfall verwickelt war. Dazu kam es noch in England auf dem Weg zum Flughafen wegen eines Reifenplatzers. Kolo Muani und sein ebenfalls betroffener Teamkollege Wilson Odobert seien aber „wohlauf“, sagte Teammanager Thomas Frank am Dienstag. Alle Beteiligten blieben unverletzt, berichtete er. „Ich gehe fest davon aus, dass beide morgen verfügbar sein werden.“

Kolo Muani muss um WM-Platz bei Frankreich bangen

Durch Kolo Muanis schwache Ausbeute in den letzten Monaten und trotz des großen Vertrauens, das ihm Nationaltrainer Didier Deschamps immer wieder schenkt – er wurde sogar im November berufen, obwohl er bei Tottenham kaum überzeugen konnte –, muss er mehr denn je um sein WM-Ticket bangen.

Schließlich ist die Konkurrenz in der Équipe tricolore auf seiner Position mit Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé sowie dem früheren Mainzer Jean-Philippe Mateta so groß wie nie. Auch die starke Entwicklung seines Frankfurter Nachfolgers Hugo Ekitiké könnte sich für ihn als fatal erweisen im Hinblick auf den großen Showdown im kommenden Sommer.

Dass Kolo Muani gern gegen seine ehemaligen Mannschaften trifft, zeigen seine zwei Tore am 26. November mit den Spurs bei der 3:5-Niederlage im Pariser Prinzenpark. Das waren bisher seine einzigen Tore wettbewerbsübergreifend und seine einzige außergewöhnliche Leistung im Tottenham-Dress. „Im Grunde genommen ist es für einen Angreifer seines Kalibers zu wenig“, fügte Papin hinzu, der von 1994 bis 1996 beim FC Bayern München spielte.

„Randal steckt in einer Sackgasse, aus der er auch eine Chance sehen kann und stärker zurückkommen könnte. Vielleicht kommt diese Partie ausgerechnet in Frankfurt zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Papin. „Sollte er von Beginn an dabei sein – was mich nicht unbedingt überraschen würde –, dann würde er besonders motiviert ins Spiel gehen und alles geben, um zu beweisen, dass er ein ausgezeichneter Stürmer bleibt. Immerhin geht es für Tottenham ja noch um den direkten Einzug ins Achtelfinale.“

Es ist auch nicht auszuschließen, dass Frank seinen Stürmer am Wochenende komplett schonen wollte, weil er weiß, dass der im Pariser Vorort Bondy geborene Torjäger auf diesen Termin im Waldstadion brennt. Es wird ein besonderes Wiedersehen. Kolo Muani weiß ganz genau, dass sein ehemaliger Verein seit etlichen Wochen – sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League – eine der schwächsten Abwehrreihen stellt.

Womöglich hätte er nichts dagegen, seinen Beitrag zum nächsten Frankfurter Abwehrchaos zu leisten.