Rätselhafte Übernahmepläne: Commerzbank-Chefin weiß nicht, „was Unicredit eigentlich will“

Rätselhafte ÜbernahmepläneCommerzbank-Chefin weiß nicht, „was Unicredit eigentlich will“

22.03.2026, 18:38 Uhr

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Bettina Orlopp ist überzeugt: Ihre Strategie für den Umgang mit Unicredit hat sich ausgezahlt. (Foto: picture alliance/dpa)

Im Herbst 2024 steigt die Unicredit bei der Commerzbank ein. Das Ziel der italienischen Großbank ist bekannt: Sie möchte das deutsche Geldhaus final übernehmen. Wie genau soll das geschehen? Was ist der Plan für die Zeit danach? Commerzbank-Chefin Orlopp sagt: „Bis heute sind wir im Unklaren.“

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat das Übernahmeangebot der italienischen Großbank Unicredit kritisiert und zugleich die Eigenständigkeit der Commerzbank bekräftigt. Die Bank habe „in den vergangenen 18 Monaten nicht verloren, sondern gewonnen“ und großen Wert für Aktionäre, Kunden und Mitarbeitende geschaffen, sagte Orlopp im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Zugleich warf sie Unicredit-Chef Andrea Orcel mangelnde Transparenz und wechselnde Begründungen für das Vorhaben vor. „Bis heute sind wir im Unklaren, was Unicredit eigentlich will.“

Orlopp zufolge ist die Commerzbank gesprächsbereit, sie verlangt aber ein klares Konzept: „Wenn jemand anklopft und sagt, ich habe eine Idee, dann darf man doch erwarten, dass er auch sagt, wie die Idee aussieht.“

Zudem warnt die Commerzbank-Chefin vor den Folgen der von Unicredit angestrebten Kosten-Ertragsquote von 35 Prozent. Das sei nur möglich mit einem Personalabbau von zwei Dritteln, sagt Orlopp. „Anders kommt man nicht auf eine Kostenquote von 35 Prozent. Da kann man nicht behaupten, ein Personalabbau sei aus der Luft gegriffen. Das funktioniert nicht“.

Die Kosten-Ertragsquote besagt, wie viel Prozent der Erträge einer Bank durch ihre Kosten aufgezehrt werden: Je niedriger der Wert ist, desto effizienter arbeitet das Institut.

Strategie hat sich ausgezahlt

Das aktuelle Angebot enthält Orlopp zufolge außerdem keine Prämie für die Aktionäre. Trotz des Übernahmedrucks äußerte sie sich generell zuversichtlich: Die Commerzbank sei „stark und auf Kurs“. Die Bank werde ihre laufenden Finanzziele „demnächst noch einmal überarbeiten“ – mit dem Ziel, die bisherigen Planwerte zu übertreffen. Ihre eigenen Aktionäre seien „sehr zufrieden“ mit der Commerzbank. Gleichzeitig würden sie erwarten, dass sich die Commerzbank ein Angebot anschaue, wenn es vorgelegt werde. Dazu habe man sich auch seit jeher verpflichtet.

Die bisherige Strategie hat sich ihr zufolge ausgezahlt: „Wenn die Unicredit uns im Herbst 2024 übernommen hätte, hätten die Aktionäre einen Wert von mehr als 15 Milliarden Euro auf dem Tisch liegengelassen.“

Die italienische Großbank Unicredit ist im Herbst 2024 bei der Commerzbank eingestiegen. Inzwischen hat sie ihren Anteil auf fast dreißig Prozent ausgebaut und verfolgt offen das Ziel, Deutschlands zweitgrößte Privatbank zu übernehmen.

Der Vorstand der Commerzbank wehrt sich gegen den Vorstoß aus Mailand. Vor einer Woche legte Unicredit-Chef Andrea Orcel nun ein freiwilliges Übernahmeangebot für die restlichen Aktien vor, allerdings ohne angemessene Prämie für die Aktionäre. Damit will er die Commerzbank nach eigenen Worten an den Verhandlungstisch zwingen.

Quelle: ntv.de, chr