Rabea Rogge: Erste deutsche Frau ins All gestartet – mit welcher Mission? – Wissen

Die erste Frau im All war Valentina Tereschkowa – 1963 flog sie für die Sowjetunion in den Erdorbit. Das ist nun schon eine Weile her, aber unter allen Menschen, die bis heute ins All geflogen sind, machen Frauen nur rund elf Prozent aus. Und Deutschland ist in dieser Hinsicht besonders weit hintan: Seit 1978 flogen insgesamt zwölf deutsche Männer ins All, aber keine Frau. Schon 2016 wollte das Programm „Die Astronautin“ diesen Missstand beheben, es harrt jedoch noch immer einer Finanzierung des Flugs. Und so hat es bis 2025 gedauert, bis mit Rabea Rogge die erste Frau aus Deutschland ins All starten soll.

Am Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ist sie am Montagabend (Ortszeit) abgehoben, wie auf Livebildern zu sehen war. Rogges Raumflug steht in einer ganz anderen Tradition als der ihrer Landsmänner im All: Dass die Umlaufbahn ihrer Mission senkrecht zu der der Internationalen Raumstation ISS steht, ist fast schon symbolisch. Denn Rabea Rogges Raumflug ist nicht nur ein Meilenstein, auf den Deutschland sehr lange warten musste. Sondern er vereint vieles, was die Raumfahrt heute ausmacht. Eine Falcon-9-Rakete bringt Rogge und ihre drei Mitreisenden in einer Crew-Dragon-Kapsel in den Orbit. Beides sind Produkte der Elon-Musk-Firma Space-X.

Die „Falcon-9“-Rakete nach dem Start in Florida. (Foto: GREGG NEWTON/AFP)

Und bezahlt wird die Reise nicht etwa von einer der großen Raumfahrtagenturen, sondern von Kryptomilliardär Chun Wang, der sich einen Traum erfüllt und gleich selbst mitfliegt. Entsprechend steht der Pionier-Gedanke im Vordergrund. Das verrät schon der Missionsname „Fram 2“, nach dem historischen Schiff Fram, mit dem Entdecker wie Fridtjof Nansen und Roald Amundsen einst Arktis und Antarktis erkundeten. Die vier Crew-Mitglieder werden die ersten Menschen sein, die in polarer Umlaufbahn um die Erde kreisen. Anders als die ISS, die aus Erdsicht in einer Wellenlinie über dem Äquator fliegt, schwebt die „Fram 2“-Mission in einer Linie immer wieder über den Nordpol und den Südpol. Drei bis fünf Tage soll sie so um die Erde kreisen.

Der wissenschaftliche Nutzen der Mission ist überschaubar

Die Dragon-Kapsel ist voll automatisiert, sodass tatsächlich niemand an Bord ausgebildeter Pilot sein muss. Und so übernimmt die Pilotenposition Rabea Rogge – im Vergleich zu Wang, der Naturfilmerin Jannicke Mikkelsen und „Polarabenteurer“ Eric Philips – wahrscheinlich die technik-affinste Raumfahrerin in der Kapsel. Sie ist 29 Jahre alt, hat an der ETH Zürich Elektrotechnik studiert und promoviert an der Universität in Trondheim über autonome Boote im arktischen Meer. Schon im Studium war sie in der Akademischen Raumfahrt-Initiative Schweiz an einem Satellitenprojekt beteiligt. Nun hat sie sich in ein paar Monaten draufgeschafft, was sie wissen muss, falls etwas auf dem Flug schiefgeht. Jahrelange Astronautentrainings der Raumfahrtagenturen wirken dagegen so veraltet wie die Helme der ersten Kosmonauten.

Was auf diesem Polarflug an Wissenschaft betrieben werden soll, kann jedoch höchstens als Alibiforschung durchgehen. Das erste Röntgenbild im All sowie Messung der Hormonspiegel von Rabea Rogge zählen unter anderem dazu. Am ehesten dürften die Aufnahmen der Pole Forscherinnen und Forscher interessieren. Um die zu bekommen, bräuchte es freilich keine Crew.

Die polare Umlaufbahn wird für Satelliten immer beliebter, weil sie einen entscheidenden Vorteil bietet: Die Erde dreht sich unter der Bahn weg und ein Satellit deckt so die gesamte Erdoberfläche ab. Das ist für Erdbeobachtungsmissionen hilfreich, die aus dem Orbit unseren Planeten vermessen, etwa für die Klimaforschung.

Was die Crew der „Fram 2“-Mission dort plant, ist jedoch vor allem: ein Abenteuer erleben. Die Reise mit vier Nichtpiloten soll den Weg in die Raumfahrt für jedermann ebnen. Wozu so eine angebliche Demokratisierung gut sein soll – die nur Menschen mit genügend Vermögen und deren Bekannte einschließt –, das kann dieser Flug allerdings nicht beantworten.