Proteste in Iran: Abermals Demonstrationen in Teheran


In den iranischen Millionenmetropolen Teheran und Maschhad kommt es den zweiten Tag in Folge zu Straßenprotesten. Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen war zunächst unklar. Wegen der landesweiten Internetsperre drangen nur noch wenige Aufnahmen nach außen.

Studenten in der Hauptstadt Teheran berichteten von einer angespannten Sicherheitslage. Auf einer Hauptverkehrsstraße seien alle zehn Meter Spezialeinheiten der Sicherheitskräfte mit Kalaschnikow-Sturmgewehren postiert, hieß es im studentischen Newsletter „Amirkabir“. Die Sorge vor einer Eskalation der Gewalt war demnach groß.

Unterdessen berichtete der Bürgermeister von Teheran, Aliresa Sakani, vom Ausmaß der Unruhen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Seiner Darstellung nach wurden bei den Unruhen mehr als 50 Banken und mehrere staatliche Einrichtungen angezündet. „Mehr als 30 Moscheen gingen in Flammen auf“, sagte er in einem von der Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten Video.

NGO berichtet von mehr als 50 toten Demonstranten

Bei den landesweiten Protesten wurden Aktivisten zufolge 51 Demonstranten getötet. Hunderte weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften verletzt worden sein, berichtete die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo.

Zudem prüfe die Organisation Berichte über die Tötung von Dutzenden Demonstranten in den Großstädten Teheran, Maschhad und Hamadan, die noch nicht in den aktuellen Zahlen enthalten sind. „Die Gefahr einer Eskalation der Gewalt und eines massenhaften Tötens von Demonstranten nach der Internetabschaltung ist sehr ernst“, warnte Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam.

Khamenei: Werden nicht vor „Saboteuren“ kapitulieren

Trotz der aktuellen Protestwelle in Iran wollen die Machthaber in Teheran nicht zurückweichen. Die islamische Republik werde nicht vor „Saboteuren“ kapitulieren, sagte das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei am Freitag. Außenminister Abbas Araghtschi warf den USA und Israel eine direkte Einflussnahme auf die seit Tagen wachsende Protestbewegung vor.

Der Leiter der Justizbehörden in Iran, Gholamhossein Mohseni Edschei, kündigte am Freitag im Staatsfernsehen an, gegen „Randalierer“ ohne „jegliche rechtliche Nachsicht“ vorzugehen.

Die Proteste in Iran dauern seit mittlerweile fast zwei Wochen an. Sie hatten sich am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Seit Beginn der Protestwelle am 28. Dezember gab es Demonstrationen in mindestens 50 Ortschaften und Städten vor allem im Westen des Landes.

Trump bekräftigt Drohungen gegen Führung in Teheran

Ayatollah Khamenei sagte in einer am Freitag vom Staatsfernsehen übertragenen Rede vor Anhängern an US-Präsident Donald Trump gerichtet, dessen Hände seien „mit dem Blut von mehr als tausend Iranern befleckt“. Wie die bis 1979 in Iran herrschende Schah-Dynastie sei Trump „arrogant“ und werde „gestürzt“.

Trump hatte zuvor seine Drohungen gegen die Führung in Teheran bekräftigt. „Ich habe ihnen klargemacht, dass wir hart durchgreifen werden, wenn sie anfangen, Menschen zu töten, was sie bei ihren Unruhen – und sie haben viele Unruhen – häufig tun“, sagte er in einem Radiointerview.

Merz, Macron und Starmer verurteilen Gewalt gegen Demonstranten

Angesichts der Proteste in Iran haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer „die Tötung von Demonstranten auf das Schärfste“ verurteilt. „Wir fordern die iranischen Behörden nachdrücklich dazu auf, Zurückhaltung zu üben, von Gewalt abzusehen und die Grundrechte der iranischen Bürgerinnen und Bürger zu wahren“, hieß es in einer am Freitagabend veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der drei Politiker.