

Das deutsche Konsumklima ist derzeit auf niedrigem Niveau. Im Juli, August und September sank es gemessen am GfK-Konsumklimaindex jeweils. Auch in den Unternehmen ist die Stimmung alles andere als gut, wie am Mittwoch der neueste Ifo-Geschäftsklimaindex mit seinem für die Börsen überraschend deutlichen Rückgang zeigte. Die aktuelle Lage wird in den Umfragen so schlecht beschrieben wie in der Finanzkrise und der Corona-Pandemie.
Zum Wesen der Börsen gehört es, den Versuch zu machen, durch die Lage hindurchzuschauen und den Blick in die Zukunft zu wagen. Möglichst verlässliche Frühindikatoren werden gesucht. Als ein Signalgeber fungiert der Butterpreis. Er wird von Fachleuten als Eckpreis bezeichnet. Ein Preis, den sich viele merken können. Der Radiosender HR 1 fragt in seinem Sonntagstalk nach dem Preis für ein Päckchen Butter, um die Bodenhaftung der prominenten Gesprächsgäste zu testen. Ganz leicht ist die Antwort nicht, weil Butter zu den besonders stark im Preis schwankenden Produkten gehört. Zudem gibt es diverse Ausprägungen: von Eigenmarken, über Deutsche Markenbutter bis hin zu Biobutter und veganen Sorten.
Die Eigenschaft als Eckpreis führt dazu, dass Butter gerne von den Supermärkten genutzt wird, um ein Signal an die Verbraucher zu senden. Und so ist es gerade geschehen. Der Discounter Lidl fing an und senkte vergangene Woche den Preis für seine Markenbutter-Eigenmarke von 1,99 Euro auf 1,79 Euro. Viele andere Händler wie Aldi , Edeka , Norma oder Penny zogen nach. Der Preis für Biobutter wurde sogar um 50 Cent auf 2,99 Euro gesenkt und damit unter die wichtige Drei-Euro-Marke.
Keiner zahlt mehr als drei Euro für Butter
Die Beobachtung der vergangenen Monate war: Mehr als drei Euro ist fast kein Kunde bereit, für ein Päckchen Butter auszugeben. Die Nachfrage für die Biobutter, aber auch für Butter von Markenherstellern mit einem Richtpreis von zuletzt 3,49 Euro je Päckchen, sackte erheblich ab. Das Marktforschungsinstitut Circana berichtete, dass im Handel im ersten Halbjahr drei Prozent weniger Butter verkauft wurde angesichts der hohen Preise. Die günstigeren Eigenmarken gewannen dabei deutlich an Marktanteil, denn ihr Absatz legte um fünf Prozent zu, während die Herstellermarken „dramatische Rückgänge“ erlebten, soweit sie nicht mit großen Abschlägen als Sonderangebot verkauft wurden.
Das Hoch erreichten die Butterpreise nach Angaben der Amtlichen Notierungskommission für Butter und Käse in Hannover rund um Weihnachten 2024 mit im Schnitt 2,16 Euro je geformter 250-Gramm-Packung Deutscher Markenbutter. Nun liegen wir wieder 37 Cent darunter, ein Rückgang um immerhin 17 Prozent, der spürbar ist. Schon im August gehörte Butter nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit einem Rückgang zum Juli von fünf Prozent zu den am deutlichsten günstiger gewordenen Produkten.
Dem allgemeinen Gefühl, alles werde teurer, kann in Gesprächen nun entgegnet werden: Nein, Butter wurde billiger. Konsumforscher messen dem erhebliche Wirkung bei. Butter macht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwar nur 1,8 Promille am Warenkorb aus, der für die Inflationsberechnung zugrunde gelegt wird. Für die gefühlte Inflation ist sein Wert aber deutlich höher.
BNP Paribas sieht Effekt für Aktienkurse
Die französische Großbank BNP Paribas hat die Leser ihrer wöchentlichen Marktanalyse wissen lassen, dass sinkende Butterpreise Aktienkurse steigen lassen können. Denn wenn dadurch die Inflationserwartungen sinken und die Konsumstimmung steigt, dann sind das beides Wirkmechanismen, die Konjunktur, Unternehmen und damit auch den Aktienmärkten helfen können.
Und da die Börsen gerne nach vorne schauen, hilft auch der Blick auf die Butter-Terminkontrakte, also die Abschlüsse, die sich auf Lieferung der Ware in der Zukunft beziehen. An der Leipziger Börse EEX ist der Preis für die Metrische Tonne Butter von mehr als 8000 Euro vor einem Jahr auf zuletzt 6163 Euro gefallen, ein Minus von 23 Prozent und damit mehr als die 17 Prozent, die der Preis an die Endverbraucher bisher seit dem Rekordhoch gesunken ist.
Die Butterlager seien voll, die Milchmengen groß und die Fettgehalte hoch, zitiert die „Lebensmittelzeitung“ den Chef einer großen Molkerei. Er rechne mit weiteren Preissenkungen vor Weihnachten. Buttereien beschreiben ihre Lage indes als ziemlich bescheiden. Der Preisdruck des Handels sei enorm hoch, die Kehrseite des Daseins als Eckpreis-Produktanbieter. Schon die Senkung auf 1,99 Euro habe im Frühjahr erhebliche Belastungen mit sich gebracht. Von Markenherstellern wird berichtet, dass sie 80 Prozent ihrer Verkäufe nur noch über Aktionen tätigen.
Immer noch 51 Prozent teurer als vor Corona
Aus Verbrauchersicht sind die Preissenkungen erfreulich. Aber auch Preise von 1,79 Euro für das Päckchen Markenbutter sind weit oberhalb dessen, was noch vor wenigen Jahren üblich war. Das Statistische Bundesamt bezifferte den Butterpreis für den August um 51 Prozent höher als Anfang 2020. Schnittkäse sei sogar um 54 Prozent teurer geworden, die Milch als wichtigster Grundstoff für Käse und Butter um 40 Prozent, frische Brötchen seien 38 Prozent teurer.
Die erste Schätzung zur September-Inflation in Deutschland kommt nächsten Dienstag. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuletzt ihre Leitzinsen nicht weiter gesenkt, da die Inflation sich mit Werten oberhalb von zwei Prozent doch recht hartnäckig zeigt und trotz konjunktureller Schwäche in Deutschland nicht weiter gesunken ist. Die Butter wird die Inflation auch nicht wirklich drücken können, dafür sind andere Waren wie Heizöl, Diesel, Gas und Benzin viel wichtiger. Aber auf der Konjunkturseite kann sie ein Lichtblick sein und die Stimmung des ein oder anderen Verbrauchers vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft aufzuhellen helfen. Der am Donnerstag veröffentlichte Konsumklima-Wert für den anstehenden Oktober ergab ein kleines Plus – schon ein Buttereffekt?
