Polizeikontrolle auf Sylt: Sie fahren zu langsam! – Panorama

Mitten auf … Sylt

Die Warnfunktion des Autos ist so nervig wie hilfreich. Es piept laut und anhaltend, wenn man nur wenige Kilometer pro Stunde schneller fährt als erlaubt. Der Abend in einem Strandrestaurant auf Sylt war wunderbar, die Stimmung im Auto kurz vor Mitternacht unter den vier Freundinnen ist bestens. Das Auto piept schon wieder, zeigt 30 an. Also 30, die Fahrerin bremst ab. Die Straßen in Westerland sind kurz vor Mitternacht nahezu leer. Bis im Rückspiegel ein Polizeiauto auftaucht, bitte anhalten. Eine Polizistin tritt ans Auto heran, fragt nach Papieren, nach Drogen und Alkohol: „Wissen Sie, warum wir Sie angehalten haben?“ Im Auto herrscht Ratlosigkeit. „Sie fahren viel zu langsam, hier ist 50.“ Die Fahrerin sagt: „Das Auto zeigt 30 an.“ Die Polizistin wirkt jetzt fast empört: „Das hier ist die Hauptverkehrsader von Sylt, da können Sie nicht so langsam fahren.“  Jana Stegemann

Illustration: Marc Herold

Mitten in … München

Für welches Lebensgefühl die Gegend rund um den Stiglmaierplatz steht, ist keine Frage, die sich täglich stellt. Außer man hat sich dorthin verirrt, gegen Mitternacht. Und stellt fest: Der Ort bietet – in krasser Verkennung seiner zentralen Lage – wenig. Keine Bars, kein Nachtleben, generell kaum Leben. Es bleibt ungewiss, ob in den Prachtvillen an der Nymphenburger Straße wirklich Menschen wohnen oder nur Anwaltskanzleien. Vielleicht möchte das Viertel auch lieber Industriegebiet und Brauereistandort sein, es ist da unentschieden. Dann passiert es: Auf der Rolltreppe zur U-Bahn fliegt einem etwas gegen das Ohr, prallt ab und zerplatzt auf den Stufen. Oben rennen zwei Gestalten weg. Wasserbomben! Unzureichend gefüllte – und ja, nicht die feinfühligste Art, Besuchende zu verabschieden, dennoch, ganz klar: ein Lebenszeichen! Joshua Beer

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Kigali

Warum sind an einem Samstagmorgen in der Hauptstadt Ruandas alle Geschäfte zu? Zugleich treffen sich überall Menschen, singen, quatschen, reinigen Parks, sammeln Müll ein, renovieren Schulen. „Umuganda“, lautet die Antwort. Umu was? Man erfährt, dass dies eine Art kollektiver Kehrtag ist, alle von 18 bis 65 müssen sich an jedem letzten Samstag im Monat zu Arbeitseinsätzen versammeln, bei Nichterscheinen drohen Geldbußen. Umuganda wurde nach dem Genozid von 1994 als Maßnahme eingeführt, um den Zusammenhalt zwischen Hutu und Tutsi zu stärken. Es kommt einem die Vermüllung Berlins in den Sinn, aber das wäre dort nie durchsetzbar. Dabei kann so was nicht nur die Straßen, sondern auch das Image einer Stadt aufpolieren: In Kigali offerieren Tourismus-Anbieter die Teilnahme an einem Umuganda-Einsatz. Georg Ismar

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