Payback und Co.: Dafür zahlen Sie mit Ihren Daten


Haben Sie unsere App? Payback? Sammeln Sie Treuepunkte? Kaum ein Einkauf endet ohne diese Fragen. Wer mit Nein antwortet, erlebt einen kurzen Moment der Irritation, einen prüfenden Blick der Kassiererin, als wäre man aus der Zeit gefallen. Man zahlt, steckt den Bon ein und nimmt sich fest vor, auch diese Woche dem x-ten Bonusprogramm zu widerstehen.

Supermärkte, Drogerien, Baumärkte, inzwischen bieten fast alle eine einkaufsbegleitende App mit augenscheinlich vielen Vorteilen. Versprochen werden Rabatte, Punkte, Boni und das Gefühl, clever zu sparen. Kaufe eins, kriege zwei, 20 Prozent auf Limonaden oder Extrapunkte für Tiernahrung. Nicht selten verrät die Werbung, genannte Tiefpreise gelten nur für dort regis­trierte Kunden.

Kondome oder Schnapsflasche gefällig?

Wer sich anmaßt, in mehreren Märkten einzukaufen, gibt womöglich mehr private Informationen frei, als er Schnäppchen sammeln kann. Wer keine App hat, zahlt eben mehr. Wer eine oder gleich alle hat, zahlt mit Lebenszeit, Speicherplatz und Daten. Eine wichtige Währung für Unternehmen. Es geht um Kundenbindung, Gewohnheiten, Profile.

Für ein paar Cent Rabatt wissen sie sofort, wann etwa zur Kondompackung oder zur Schnapsflasche gegriffen wird. Das muss ja nicht jeder wissen. Nun ja, wie ernüchternd die App-Ersparnis ist, zeigt eine Auswertung des Preisvergleichsportals Smhaggle, das Anfang letzten Jahres 1,26 Millionen Kassenbons analysierte. Im Schnitt waren es gerade mal ein bis zwei Prozent.

Wohingegen die Daten für den Handel weitaus wertvoller sind. Personalisierte Angebote lauten die Zauberwörter. Verbraucher blicken derweil kaum mehr durch, ältere Menschen ohne Smartphone werden ohnehin ausgeschlossen. Da fragt man sich, ob es nicht vielleicht doch schlauer wäre, Nein zu sagen. Nein zur 237. App, Nein zu Treuepunkten, Nein zum Rabatt. Aber Ja zur Freiheit, einfach einzukaufen. Ohne Überwachung, aber mit einem Rest an Selbstbestimmung.