Pascal Kaiser: Queerer Schiedsrichter wohl mehrmals angegriffen

Ende Januar ging das Video von seinem Heiratsantrag im Kölner Stadion viral, nun wurde der Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser offenbar Opfer mehrerer Angriffe. Auf seinem privaten Instagram-Kanal postete er ein Bild von sich mit geschwollenem Gesicht und blauem Auge. Laut seinem Anwalt wurde der queere Aktivist Kaiser in der Nacht von Samstag auf Sonntag an seinem Wohnort in der Nähe von Köln angegriffen.

Kaiser soll zuvor Drohungen erhalten haben, auch seine Adresse soll darin genannt worden sein. Die Polizei habe ihm jedoch versichert, dass keine unmittelbare Gefahr bestehe. Auch eine Streife sei vor Ort gewesen. Als die Polizei weg war, sei es seinem Anwalt zufolge dann am Samstagabend zu einem Angriff gekommen. Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte der F.A.Z.: „Gegen 22:15 Uhr sollen drei unbekannte Männer einen Mann angegriffen haben.“ Der Staatsschutz ermittle, ob ein homophobes Motiv der Hintergrund für die Tat sein könnte. Bislang lasse sich das nicht bestätigen, man ermittle in alle Richtungen.

Der F.A.Z. sagte Kaisers Rechtsanwalt Moritz Lange, dass es am Montagabend zu einem weiteren Angriff gekommen sei. Das Haus Kaisers sei mit Steinen beworfen worden. Als Kaiser etwas später vor die Tür gegangen sei, um sich zu vergewissern, dass niemand mehr auf der Straße ist, sei er von zwei Unbekannten abermals angegriffen worden. Daraufhin habe er notärztlich behandelt werden müssen. Kaiser und sein Anwalt hätten auch den zweiten Vorfall zur Anzeige gebracht. Die Polizei ermittle. Warum Kaiser jeweils angegriffen wurde, ist bislang unklar.

Welche Rolle spielt die Kölner Bar?

In den Tagen nach dem öffentlichen Heiratsantrag Ende Januar berichteten mehrere Medien über zivilrechtliche Vorwürfe gegen Kaiser: Die Betreiber einer Kölner Bar, früherer Arbeitgeber Kaisers, beschuldigten ihn, Geld und Material im Wert von mehreren Tausend Euro unterschlagen zu haben. Kaisers Anwalt soll die Anschuldigungen zurückgewiesen haben. Gegenüber der F.A.Z. sagte er, er könne die vermeintlichen Ermittlungen weder bestätigen noch anderweitig dazu Auskunft geben.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte der F.A.Z. lediglich, dass Verantwortliche einer Kölner Bar im Herbst 2024 Strafanzeige gegen einen ehemaligen Angestellten wegen Diebstahls und weiterer Vorwürfe erstattet hatten. Die Ermittlungen in dem Fall dauerten an.

Kaisers Anwalt sagt, ihm lägen verlässliche Anhaltspunkte vor, dass die Kölner Bar die Wohnadresse seines Mandanten öffentlich verbreitet und dazu aufgerufen habe, Kaiser einen Besuch abzustatten. Auf eine Anfrage der F.A.Z. äußerten sich die Betreiber der Bar zunächst nicht.

Nach dem ersten Angriff auf Kaiser meldeten sich die Betreiber der Bar am Montag mit einem Post auf Instagram zu Wort. Sie schrieben, Gewalt sei keine Lösung. „Wir haben alles der Justiz übermittelt, die nun ihrer Arbeit nachgehen. Hier wünschen wir uns eine baldige Aufklärung und Rückzahlung unserer Forderungen.“

Die Queerbeauftragte des Bundes, Sophie Koch, schrieb am Montag in den sozialen Medien: „Pascal wurde Opfer feiger und menschenverachtender Gewalt. Ich hoffe sehr, dass die Behörden die Täter schnell ermitteln und zur Verantwortung ziehen.“ Auch viele queere Gruppen und einige Influencer, darunter TV-Moderator Riccardo Simonetti, veröffentlichten Solidaritätsbekundungen.