Stand: 07.04.2026 21:33 Uhr
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Die Parkinson-Krankheit verursacht Symptome wie Steifheit und Zittern. Welche Therapien helfen? Wie verläuft Morbus Parkinson? Wie hoch ist die Lebenserwartung? Ist die Krankheit vererbbar?
Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Typische Symptome bei Parkinson sind Zittern, auch Tremor genannt, sowie verlangsamte, verminderte Bewegungen und eine Haltungsinstabilität. Diese Symptome treten vor allem im späteren Verlauf der Erkrankung auf.
In der Frühphase sind die ersten Anzeichen von Parkinson Schlafstörungen, Verstopfungen und Geruchsstörungen. Auch ein fehlendes Mitschwingen des Armes beim Gehen oder eine leisere und monotonere Stimme können erste Symptome von Parkinson sein.
Bei der Behandlung stehen mehrere Bausteine im Mittelpunkt: medikamentöse Behandlung, Physio- beziehungsweise Bewegungstherapie, Ergotherapie und Logopädie. Medikamente gleichen den Dopaminmangel aus und lindern vor allem die motorischen Symptome. Bewegung und Sport können den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen, während Ergotherapie und Logopädie helfen, Selbstständigkeit, Sprache und Schlucken möglichst lange zu erhalten.
Zunehmend rücken auch Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Schlaf und geistige Aktivität in den Fokus, weil sie den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen können. Mit der UKSH-Studie „Prevention-in-PD“ wollen Forschende in Kiel in einem mehrmonatigen Programm mit körperlichem und kognitivem Training, Ernährungsberatung sowie Schlafcoaching diese Faktoren überprüfen.
Parkinson: Symptome der Krankheit
Die deutlichsten Symptome im Verlauf der Erkrankung betreffen das Bewegungssystem, die Motorik. Doch auch andere Beschwerden gehören zu den Folgen der Parkinson-Erkrankung:
- Verringerte, langsame Körperbewegung
- Muskelsteifheit
- Zittern
- schlurfender Gang
- leise Sprache
- Schrumpfen der Handschrift
- ein starrer Gesichtsausdruck
- glänzende Gesichtshaut
- Schluckstörungen
- Vermehrter Speichelfluss
- Kreislaufprobleme und Kreislaufschwäche, vor allem beim Aufstehen
- Inkontinenz
- Verstopfung
- Depression
Ursachen der Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit betrifft bestimmte Nervenzellen im Gehirn, vor allem in der sogenannten Schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Hirnstamm. Dort kommt zur Störung der Energiesysteme der Mitochondrien, zu oxidativem Stress und nachfolgend zu Ablagerungen von fehlgefalteten Proteinen (alpha-Synuklein) in den Nervenzellen. Die Folge: Die Nervenzellen verlieren zunehmend ihre Funktion und sterben ab. Dadurch fehlt es auch immer mehr an Botenstoffen wie Dopamin. Die Substanz spielt eine wichtige Rolle für die Bewegung. Bei Dopamin-Mangel entstehen die sichtbaren Symptome der Parkinson-Krankheit.
Verlauf von Morbus Parkinson: Erkrankung beginnt schleichend
Die Parkinson-Krankheit bleibt häufig über Jahrzehnte unbemerkt, während im Gehirn immer mehr Zellen untergehen. Das liegt auch daran, dass die Frühsymptome der Erkrankung eher unspezifisch sind: Zum Beispiel leiden Parkinson-Erkrankte im frühen Stadium häufig an Verstopfung und Schlafstörungen. Auch ein schlechter Geruchssinn bis hin zum Geruchsverlust und Depressionen treten häufig auf und können Hinweise sein – lange bevor es zu den typischen motorischen Symptomen kommt. Wenn das typische Zittern zu sehen ist, ist bereits der größte Teil der entsprechenden Nervenzellen im Mittelhirn zerstört.
Spezielle Schlafstörung als erstes Anzeichen von Parkinson
Als erstes spezifisches Symptom der Parkinson-Krankheit gilt eine REM-Schlafverhaltensstörung. Bei dieser Schlafstörung sprechen beziehungsweise schreien Betroffene oder bewegen sich ruckartig im Traum. Sie können sich oder andere sogar verletzen. Die Symptome der Schlafstörung lassen sich mit Medikamenten lindern. Ein großer Teil der Menschen, die im Traum zum Beispiel um sich schlagen, entwickeln in den folgenden zehn bis 15 Jahren eine Parkinson-Krankheit.
Ist Parkinson vererbbar?
Es gibt verschiedene Formen der Parkinson-Erkrankung. Nur bei etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle liegen einzelne schädliche Genmutationen vor, die vererbt werden können. Dann spricht man von familiären Parkinson-Formen. Dabei führen einige – aber nicht alle – vererbten monogenen Mutationen zwingend zu einer Parkinson-Erkrankung. Ob darüber hinaus polygenetische Varianten (mehrere Gene betreffend) im Genom auch das allgemeine Risiko für Parkinson erhöhen können, ist Gegenstand der Forschung. Männer haben insgesamt ein höheres Risiko an Parkinson zu erkranken als Frauen.
Ursachen: Umweltgifte und das Darm-Mikrobiom
Pestizide, Schwermetalle, Lösungsmittel und Feinstaub können sowohl direkt als auch indirekt giftig auf Nervenzellen wirken. Bei der Entstehung von Parkinson wird angenommen, dass es zumindest bei einem Teil der Betroffenen zuerst zu einer Veränderung im Darm-Mikrobiom kommt: Die Zusammensetzung der Mikroorganismen aus Bakterien, Viren und Pilzen wird ungünstig verändert. Dadurch könnte das Immunsystem in Aufruhr geraten und entzündliche Prozesse an Nervenzellen auslösen.
Am Ende gehen die Nervenzellen durch Ablagerung von falsch gefaltetem alpha-Synuklein, einem Protein, zugrunde. Bei einigen Betroffenen sind zuerst die Nervenzellen im Verdauungstrakt betroffen – von dort aus könnten die Ablagerungen über den Vagusnerv und seine Verästelungen bis ins Gehirn gelangen.
Früherkennung von Parkinson
Das falsch gefaltete alpha-Synuklein lässt sich sowohl in der Haut als auch im Nervenwasser bereits im frühen Stadium der Erkrankung nachweisen. Zu einem sicheren Nachweis für Parkinson im Blut wird aktuell geforscht: Studien legen nahe, dass die Früherkennung mit einem Bluttest bereits sieben beziehungsweise zehn Jahre vor sichtbaren Symptomen möglich ist.
Therapie mit Medikamenten
Zur Therapie der Parkinson-Krankheit stehen mehrere Gruppen von Medikamenten zur Verfügung. Ihnen gemeinsam ist, dass sie über unterschiedliche Mechanismen den Spiegel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn wieder erhöhen und so vor allem die motorischen Symptome der Erkrankung – allen voran das Zittern – reduzieren sollen. Die medikamentöse Therapie kann die Bewegung verbessern, die Erkrankung aber nicht heilen. Zudem lässt die Wirksamkeit der Medikamente mit der Dauer der Einnahme oft nach, sodass es zu Schwankungen im Tagesverlauf kommt. Auswahl und Dosierung der Präparate erfolgen individuell. Folgende drei Wirkstoffgruppen gelten als Mittel der ersten Wahl:
- Das am stärksten wirksame Medikament bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen ist Levodopa, auch L-Dopa genannt. Dabei handelt es sich um eine Dopaminvorstufe. Sie überwindet die Blut-Hirn-Schranke und wird im zentralen Nervensystem in wirksames Dopamin umgewandelt.
- Eine andere wichtige Wirkstoffgruppe sind die sogenannten Dopaminagonisten. Sie wirken wie das körpereigene Dopamin, können aber Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Halluzinationen bis hin zur Psychose verursachen.
- Auch eingesetzt werden können sogenannte MAO-Hemmer. Sie hemmen den Abbau des körpereigenen Dopamins und sorgen so für einen höheren Spiegel des Neurotransmitters. Zu beachten ist bei ihrem Einsatz, dass sie nicht mit einigen Antidepressiva kombiniert werden sollten.
Hirnschrittmacher: OP soll Zittern lindern
Bei der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden in bestimmte Hirnareale eingesetzt, um Zittern mit elektrischen Impulsen zu lindern. Das Verfahren wird meist erst angewendet, wenn Medikamente nicht mehr ausreichend helfen. Während der OP sind Betroffene zeitweise wach, damit Ärztinnen und Ärzte die Wirkung direkt prüfen können. Die Elektroden werden mit einem unter dem Schlüsselbein eingesetzten Hirnschrittmacher verbunden, der einige Tage nach der Operation aktiviert und bei Bedarf nachjustiert wird.
Mit Ultraschall gegen Parkinson
Bei der Magnetresonanz-gestützten fokussierten Ultraschallbehandlung (MRgFUS) werden fokussierte Ultraschallwellen über einen Spezialhelm gezielt ins Tremornetzwerk des Gehirns gelenkt, um es zu erhitzen und Zittern bei Parkinson zu lindern. Patienten bleiben während der nicht-invasiven Prozedur voll bewusst im MRT, damit Ärzte die Erwärmung exakt überwachen können. Dadurch entstehen winzige Narben in den Faserbahnen, die das Zittern dauerhaft verringern sollen. Patienten werden durch Übungen zum maximalen Zittern gebracht, während in mehreren Erwärmungsphasen die Temperatur schrittweise erhöht wird. Danach prüfen Ärzte den Effekt sowie Nebenwirkungen wie Sprachstörungen, Schwäche oder Taubheit. Ziel ist eine starke Reduktion des Zitterns ohne schwerwiegende Risiken.
Trotz nicht-invasiver Methode ohne Skalpell ist die irreversible Gehirnzellenzerstörung riskant. Aktuell empfiehlt die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie dieses Verfahren nur im Rahmen von Studien oder Registern durchzuführen.
Bewegung beeinflusst Krankheitsverlauf positiv
Zahlreiche Studien belegen, dass Sport sehr wirkungsvoll gegen Parkinson ist: Mit ihm ist der Verlauf der Erkrankung oft günstiger zu beeinflussen als mit Medikamenten allein. Bereits im Anfangsstadium lassen sich die Symptome der Parkinson-Erkrankung durch intensives Training verbessern und im weiteren Verlauf der Krankheit können Betroffene durch gezieltes Training sogar bereits verlorene Fähigkeiten wiedererlangen. Fließende Bewegungen wie Tanzen, Tai Chi, Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Tischtennis sind ideal. Wichtig ist, dass Parkinson-Erkrankte jede Gelegenheit zur Bewegung nutzen, denn das Gehirn verlernt die neu erworbenen Fähigkeiten schnell wieder. Sport kann auch vorbeugend wirksam sein: Wer im mittleren Lebensalter regelmäßig Sport treibt, senkt sein Risiko, später an Parkinson zu erkranken.
BIG-Therapie für Parkinson-Erkrankte
Bei der BIG-Therapie trainieren Parkinson-Patienten in frühen Stadien mit großen, fließenden Bewegungen ungenutzte Hirnbereiche. Durch intensives Wiederholen und Erfolgskontrolle werden Bewegungen schneller, präziser, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung gefördert. Die Effekte halten Wochen bis Monate an.
Schutzfaktoren gegen Parkinson: Kaffee und richtige Ernährung
Körperliche Aktivität, regelmäßiger Kaffeekonsum und eine gesunde mediterrane Ernährung mit vielen Ballaststoffen und Polyphenolen können das Risiko für die Entstehung und das Fortschreiten von Parkinson senken. Denn diese Faktoren wirken positiv auf das Darm-Mikrobiom und gegen Entzündungsprozesse im Körper.
Parkinson als Berufskrankheit: Pestizide als Risikofaktor
Dass Umweltgifte wie Pestizide und organische Lösungsmittel schädlich für die Nerven sein können, ist mittlerweile nicht nur wissenschaftlich, sondern auch behördlich anerkannt: Seit dem Frühjahr 2024 ist Parkinson in Deutschland für Personen, die Pestizide einsetzen, auch als Berufserkrankung anerkannt. Besonders gefährdet sind Landwirte, Winzer und andere Anwender. Zu den Pestiziden gehören:
- Pilzschutzmittel (Fungizide),
- Unkrautbekämpfungsmittel (Herbizide)
- Insektenschutzmittel (Insektizide).
Wer unzureichend geschützt mindestens 100 Anwendungstage mit einem dieser Pestizide im Berufsleben hatte, kann die Parkinson-Erkrankung als Berufskrankheit anerkennen lassen. Gegebenenfalls ist eine finanzielle Entschädigung möglich, wenn eine Minderung der Erwerbsfähigkeit vorliegt.
Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Parkinson?
Parkinson ist keine akut lebensbedrohliche Erkrankung. Unter guter medikamentöser Therapie haben Betroffene eine in etwa normale Lebenserwartung. Viele werden allerdings innerhalb von 20 Jahren pflegebedürftig. Im Einzelfall können Schluckstörungen oder Stürze auch zu lebensverkürzenden Komplikationen führen. Manchmal kommt es zu einem kognitiven Abbau bis hin zur Demenz. Die Prognosen für den Verlauf unterscheiden sich je nach Unterform der Parkinson-Erkrankung. Insgesamt können die Symptome von Parkinson durch frühe Diagnose und individuelle Behandlung oft für lange Zeit gut in Schach gehalten werden.




