Paralympische Spiele: Deutsche Parasportler wollen an Medaillenerfolg anknüpfen

Nach den Spielen ist vor den Spielen: Bei den Winterparalympics kämpfen Athleten mit Behinderungen um die paralympischen Medaillen. Das deutsche Team hat große Ziele.




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Paralympics 2026 FAQ Anna-Lena Forster
Die deutsche Athletin im Para-Ski-Alpin, Anna-Lena Forster, auf der Strecke bei den Paralympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang in Südkorea
© Joel Marklund/​ OIC/​ IOC/​AP/​dpa

Vom 6. bis 15. März finden die Paralympischen Winterspiele in Italien statt. Mehr als 650 Athleten aus etwa
50 Nationen kämpfen in sechs Sportarten und 79 Wettbewerben um die Medaillen. Wie wird bei den Wettkämpfen Chancengleichheit hergestellt? Welche Änderungen gibt es bei den diesjährigen Spielen, und welche
deutschen Sportler haben Medaillenchancen
? Die wichtigsten Antworten im Überblick

Wann und wo finden die Paralympischen Winterspiele statt?

Die 14. Paralympischen
Winterspiele
finden vom 6. März bis 15. März 2026 statt. Die Wettbewerbe
werden in den italienischen Orten Cortina d’Ampezzo, Mailand, Tesero und Verona
ausgetragen.

Die Spielstätten überschneiden sich zum Teil mit denen der
Olympischen Spiele. Para-Eishockey, Para-Ski-Alpin sowie Para-Curling finden in
denselben Hallen oder Skigebieten statt. Die Para-Snowboard-, Para-Biathlon-
und Para-Ski-Nordisch-Wettbewerbe werden an anderen Orten ausgetragen. Das hat
hauptsächlich logistische und funktionale Gründe, da die Sportstätten beispielsweise
ein anderes Level an Barrierefreiheit aufweisen müssen. Zum ersten Mal werden die Paralympischen
Winterspiele diesmal auch von Eurosport übertragen. Auch die ARD und das ZDF
übertragen die Paralympics.

Was ist der Unterschied zu den Olympischen Winterspielen?

Bei den Paralympischen Spielen treten Wintersportler mit Behinderungen an. Dass die Olympischen und
Paralympischen Spiele getrennt voneinander stattfinden, hat dem Sportdirektor
des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Marc Möllmann, zufolge vor allem
historische, organisatorisch-logistische und rechtlich-finanzielle Gründe. Der
Vorläufer der Paralympics entstand nämlich erst 1948 in England bei den sogenannten Stoke Mandeville
Games. Damals wollte der Neurologe Sir Ludwig Guttmann den Kampfgeist versehrter
Soldaten wiedererwecken. Diese Wettkämpfe entwickelten sich dann immer weiter und wurden 1960
in Rom dann offiziell zu den Paralympics.

Die ersten Spiele fanden 1976 im schwedischen Örnsköldsvik statt. Damals traten 250
Skirennläufer aus 14 Nationen gegeneinander an. 1992, in Albertville-Tignes in
Frankreich, fanden die Paralympischen und Olympischen Winterspiele dann zum
ersten Mal am gleichen Austragungsort im gleichen Jahr statt.

Mittlerweile sind die Paralympics die größten Sportspiele
für Menschen mit Behinderung. Die Differenzierung der Spiele liegt auch daran,
dass zwei unterschiedliche Träger die Veranstaltungen organisieren –
mit unterschiedlichen Finanzierungsgrundlagen. Zwar sind das Internationale Olympische
Komitee (IOC)
und das Internationale Paralympische Komitee (IPC) durch
Kooperationsverträge eng miteinander verbunden. Das IOC kann aber auf weitaus
höhere Einnahmen zurückgreifen. Diese kommen etwa aus Fernsehrechten
und Sponsorenprogrammen. Das IPC greift auch auf solche Einnahmen zurück, diese
sind aber durch die deutlich niedrigere Markt- und Medienpräsenz im Vergleich
viel geringer.

Welche Sportarten sind vertreten?

Zu den Standorten der diesjährigen
Paralympischen Winterspiele zählen Mailand, Cortina d’Ampezzo, Tesero und
Verona, wo auch die Eröffnungsfeier in der Verona Olympic Arena stattfindet. In Cortina d’Ampezzo werden die Wettbewerbe im Para-Snowboard im Para Snowboard Park und im Para-Ski-Alpin im Tofane Alpine Skiing Centre ausgetragen. Rollstuhl-Curling findet dort im Olympiastadion statt. In Tesero geht es im Para-Biathlon und Para-Ski-Nordisch im Cross-Country Skiing Stadium um die Medaillen. Para-Eishockey wird in Mailand in der Milano Santagiulia Eishockey Arena ausgetragen.

Insgesamt gibt es sechs Sportarten und 79 Wettbewerbe im Rollstuhl-Curling, Para-Snowboard, Para-Ski-Alpin, Para-Biathlon,
Para-Langlauf und Para-Eishockey. In diesem Jahr wird das Rollstuhl-Curling um eine Kategorie
erweitert. Neben den Wettbewerben im Mixed-Team treten die Athleten erstmals
auch im Mixed-Double an. Dabei besteht ein Team aus einem Mann und
einer Frau, das acht Ends mit je fünf Steinen spielt. Die Person, die zuerst
wirft, muss auch den letzten Stein werfen.

Im Para-Ski-Alpin und im Para-Ski-Nordisch
gibt es außerdem eine neue Klassifizierungssystematik. So gibt es im Para-Ski-Alpin im Bereich der Sehbehinderungen vier Startklassen. Im Para-Wintersport
gibt es immer wieder die Diskussion um weitere Disziplinen,
wie zum Beispiel Para-Bob. Der DBS verhält sich in der Debatte eigenen Angaben
zufolge neutral. „Die Aufnahme einer Sportart geht meist zulasten einer anderen
Sportart, zur Reduzierung des Teilnehmerfeldes oder der Startklassen“, sagte
Sportdirektor Möllmann der ZEIT.

Wie wird der Parasport vergleichbar gemacht?

Ein Klassifizierungssystem soll die Wettkämpfe im
Parasport
möglichst fair und vergleichbar machen. Je nach Art und Schwere der
Behinderungen
(körperlich, geistig oder Sehbehinderung) werden die Athletinnen
und Athleten in Startklassen eingeteilt. Grundlage für die Klassifizierung sind sportliche und psychologische Tests sowie medizinische Untersuchungen. Die
Startklassen bestehen aus einer Buchstaben-Zahlen-Kombination, bei der gilt: je
niedriger die Klassennummer, desto höher die Schwere der Behinderung.

Zusätzliche Regeln sollen die Fairness erhöhen. So tragen
zum Beispiel sehbehinderte Sportler der Klasse B1 im Para-Ski-Alpin zusätzlich lichtundurchlässige
Brillen. In anderen Disziplinen gibt es Zeit- oder Punktevorteile für stärker
behinderte Personen.

Am Klassifizierungssystem gibt es aber auch immer wieder
Kritik wegen möglicher Betrugsversuche. Einzelnen Athletinnen oder Athleten
wird vorgeworfen, Tests zu manipulieren, um so in einer Klasse eingestuft zu
werden, in der sie bessere Chancen hätten. Auch wurde in der Vergangenheit den
Klassifizierenden mangelnde Unabhängigkeit vorgeworfen. Mittlerweile wurde laut
Marc Möllmann vom DBS die Transparenz bei den Klassifizierungen verbessert und
das System professionalisiert. Fehler könne man aber natürlich nie ganz
ausschließen.

Wer tritt für Deutschland an?

Das deutsche Aufgebot aus zehn
Athletinnen und 28 Athleten tritt in fünf Sportarten an. Im Para-Ski-Alpin, Para-Biathlon, Para-Skilanglauf, Para-Eishockey und Para-Snowboard
will das drittgrößte deutsche Team in der Geschichte der Paralympischen
Winterspiele Medaillen sammeln. „Wir wollen, was die gesamte Medaillenanzahl
angeht, an die Erfolge von Peking anknüpfen“, sagte Marc Möllmann. Platz sechs im Medaillenspiegel
sei das Ziel und der DBS sei zuversichtlich, „dass wir mit dem nominierten Team für die Erfolge sorgen können“. In Peking 2022 gewannen die
Deutschen 19 Medaillen bei den Winterparalympics, genauso viele wie bei den
Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang.

Im Para-Biathlon könnte Johanna
Recktenwald mit ihrem Guide Emily Weiss als aktuelle Weltmeisterin im Einzel um Medaillen
laufen. Die Vizeweltmeisterin im Sprint, der Sprintverfolgung und in der
Langlauf-Mixedstaffel wurde Vierte bei den letzten Winterparalympics 2022 auf
der Biathlon-Mitteldistanz und im Einzel.

Im Para-Ski-Alpin ist Anna-Lena
Forster eine der Topfavoritinnen. Bei den Spielen 2022 gewann sie zwei Gold-
und zwei Silbermedaillen. Zudem ist Forster mehrfache Weltmeisterin im Slalom,
Super-G und in der Super-Kombination.

Wie viele Nationen nehmen teil?