Paralympics: Russland ist zurück auf der großen Bühne

Der russische Sportminister gratulierte sofort. Via Telegramm schrieb Michail Degtjarow, er sei stolz darauf, „dass wieder die russische Hymne gespielt wird.“ Die war für die alpine Skirennfahrerin Warwara Worontschichina erklungen. Die 23-Jährige aus Ostsibirien holte sich bei den Paralympics in Cortina den Sieg im Super-G, am Samstag schon war sie in der Abfahrt Dritte geworden. Zum ersten Mal seit 2014 erklang bei den Paralympics wieder die russische Hymne, auch die russische Fahne wurde gehisst. Worontschichina weinte. Und Russland ist damit für alle sichtbar zurück im Weltsport.

Zehn Jahre lang war Russland sportlich suspendiert. Erst wegen des Staatsdopings, dann wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine. Einige russische Sportler durften zwar als neutrale Athleten an Olympischen und Paralympischen Spielen teilnehmen, nationale Symbolik war allerdings untersagt. Auch wenn sich Beobachter fragten, wie wenig national zum Beispiel der Auftritt des nicht für Russland, sondern für das landeseigene Olympische Komitee startenden Olympiateams 2021 war. Das hatte sich hinter einer Flagge in russischen Farben versammelt und als Hymne das Klavierkonzert Nr. 1 von Peter Tschaikowsky gehört.

Event für Event, Sportart für Sportart

Seit einigen Tagen aber ist Russland offiziell wieder auf der großen Weltbühne des Sports zu sehen. Mit echter Hymne und echter Flagge. Bei den Paralympics – und die sind wohl nur der Anfang. Die Sportwelt wird sich wieder an Russland gewöhnen müssen. Es kehrt schleichend zurück: Event für Event, Sportart für Sportart. „Die Spiele 2026 werden die letzten für Russen in einem neutralen Status“, sagte Russlands Sportminister Degtjarjow kürzlich.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) ließ im September vergangenen Jahres seine Generalversammlung abstimmen. Mit überwältigender Mehrheit sprachen sich die nationalen Verbände dagegen aus, die Suspendierung Russlands und Belarus’ aufrechtzuerhalten. Die Teilnahme an den Paralympischen Spielen sei „ein großer Sieg für uns alle“, sagte Wladimir Putin, als die Entscheidung des IPC feststand.

Einige Wintersportverbände aber ließen russische Sportler dennoch nicht an ihren Wettbewerben teilnehmen, was bedeutete, dass die sich nicht für die Paralympics hätten qualifizieren können. Gegen den Internationalen Skiverband klagten Russland und Belarus vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas. Die Richter gaben den beiden Ländern recht, der Skiverband würde seine eigenen Statuten verletzen. Russische und belarussische Athleten nicht antreten zu lassen, sei diskriminierend. Sechs russische Sportler durften mittels einer Wildcard zu den Paralympics.

Anderswo sind sie schon länger aktiv. Im Judo zum Beispiel stehen Russen schon seit Ende 2025 wieder in Nationalfarben auf der Matte. Der Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte im vergangenen Jahr seine Hoffnung auf eine Rückkehr Russlands in den internationalen Fußballbetrieb geäußert. Auch der Präsident der Internationalen Eishockey-Föderation möchte Russland und Belarus „so schnell wie möglich“ zurückhaben. Und der IOC-Gipfel in Lausanne hat im vergangenen Dezember empfohlen, russische und belarussische Athleten für internationale Jugendwettbewerbe mit Hymnen und Teamkleidung zuzulassen. Der Gipfel erkennt an, „dass Athleten, insbesondere junge Athleten, nicht für das Handeln ihrer Regierungen verantwortlich gemacht werden sollten“, hieß es. Die nächsten Olympischen Jugendspiele finden ab Oktober in Dakar statt.