Panzer: Deutscher Einstieg bei KNDS soll kurz bevorstehen

Umstrittenes VorhabenDeutschlands Einstieg beim Leopard-Hersteller KNDS soll kurz bevorstehen

17.02.2026, 17:12 Uhr

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Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius spricht sich für das Vorhaben aus. (Foto: picture alliance/dpa)

Um „deutsche Interessen“ beim Panzerbauer KNDS zu wahren, sprechen sich Teile der Bundesregierung für einen Einstieg aus. Insidern zufolge soll dieser nun trotz Unstimmigkeiten näher rücken. Möglich wäre, dass Anteile noch vor dem Börsengang gekauft werden. Aber es gibt auch andere Alternativen.

Der Einstieg des Bundes beim französisch-deutschen Panzerbauer KNDS rückt laut Insidern in greifbare Nähe. Die Bundesregierung bereite den Kauf von mindestens 25,1 Prozent der Anteile vor, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen. Mit diesem Paket käme der deutsche Staat auf eine Sperrminorität und könnte – wie Frankreich schon bisher – wichtige Entscheidungen bei dem „Leopard 2“-Hersteller beeinflussen.

Ob der Bund die Anteile noch vor dem Börsengang direkt von den deutschen Mitgesellschaftern kauft, bei der für den Sommer geplanten Emission als Ankerinvestor auftritt oder erst danach zuschlägt, sei dabei noch unklar. Die Bewertung von KNDS wird derzeit auf rund 20 Milliarden Euro veranschlagt. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums sagte, die Gespräche liefen: „Es ist wichtig, dass die deutschen Interessen gewahrt bleiben.“ KNDS und das französische Finanzministerium wollten sich nicht dazu äußern.

Es geht darum, auch nach dem Börsengang ein Gleichgewicht zwischen deutschen und französischen Aktionären zu erhalten, ähnlich wie bei der Fusion von Aerospatiale und Dasa zu EADS (heute Airbus) vor 25 Jahren. KNDS ist aus dem Münchner Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und dem französischen Konkurrenten Nexter entstanden. Der Name steht für KMW + Nexter Defense Systems. Jeweils 50 Prozent der Anteile liegen beim französischen Staat und der Unternehmer-Dynastie um die Familien Bode/Braunbehrens, denen KMW gehörte. Letztere hat signalisiert, aus KNDS aussteigen zu wollen. Die Gesellschafter scheuen den wachsenden Kapitalbedarf bei KNDS im Zuge der Expansion und den Staatseinfluss bei einer Konsolidierung der Branche in Europa.

Nicht nur Befürworter in der Bundesregierung

Eine Grundsatzentscheidung aus Berlin muss Insidern zufolge noch im Februar fallen, damit der Zeitplan für den Börsengang nicht ins Wanken gerät. In der Bundesregierung ist der Einstieg bei KNDS aber nicht unumstritten, wie einer der Insider sagte. Verteidigungsminister Boris Pistorius, der bereits im Sommer ein Interesse öffentlich signalisiert hatte, kämpfe stark darum, andere Mitglieder der Koalition bremsten. KNDS-Chef Jean-Paul Alary hatte im September Gespräche mit der deutschen Regierung über eine Sperrminorität bestätigt.

Es wäre nicht die erste Beteiligung des Bundes an einem Rüstungskonzern: Auch bei dem Radar- und Sensor-Spezialisten Hensoldt hatte sich der Staat kurz nach dem Börsengang 2020 über die Förderbank KfW mit 25,1 Prozent beteiligt. Er hatte sich bereits vorher eine Kaufoption vom damaligen Hensoldt-Großaktionär KKR gesichert.

Wenn KNDS beim Börsengang wie erwartet rund 25 Prozent der Aktien an den Markt bringt, könnte sich das Gleichgewicht zwischen Frankreich und den deutschen Eigentümern bei 37,5 Prozent einpendeln. Das Unternehmen fasst ein Doppel-Listing in Frankfurt und Paris ins Auge. Insidern zufolge soll die Emission noch vor der Sommerpause über die Bühne gehen – wenn die erwarteten Signale aus der Bundesregierung rechtzeitig kommen.

Organisiert wird der Börsengang von den Investmentbanken Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Societe Generale, als Berater hatte KNDS vorher Lazard eingeschaltet.

Der tschechische Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) hatte im Januar ein fulminantes Börsendebüt in Amsterdam gefeiert. Der Kurs der CSG-Aktie schnellte am ersten Handelstag um bis zu 32 Prozent nach oben, inzwischen liegt er immer noch vier Euro über dem Ausgabepreis von 25 Euro.

Quelle: ntv.de, rog/rts