Pandas in Japan: Xiao Xiao und Lei Lei müssen gehen – Panorama

Es ist nicht so, dass Chinesinnen und Chinesen in Japan generell unbeliebt wären. Xiao Xiao und Lei Lei beispielsweise werden so heiß geliebt, dass man sich in Ueno, im Nordosten Tokios, bereits Sorgen wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen macht, die ihr Abschied nach China nach sich ziehen könnte. Xiao Xiao und Lei Lei sind die Panda-Zwillinge, die in Ueno überall zu sehen sind, als Statuen, auf Tassen, auf Keksen und als Plüschtiere.

In diesen Tagen stellen sich die Panda-Fans an, um einen letzten Blick auf die Tiere zu werfen. Denn die werden inmitten der diplomatischen Verwerfungen zwischen Tokio und Peking in ihre Heimat zurückbeordert. Japans Premierministerin Sanae Takaichi hatte im November gesagt, dass ein chinesischer Angriff auf Taiwan „eine lebensbedrohliche Situation“ für Japan darstellen und einen Verteidigungsfall auslösen könnte. In Peking empfand man die Aussagen als „äußerst niederträchtig“ und als „Gefährdung der regionalen Sicherheit“.

Das Politbüro riet chinesischen Bürgern daraufhin „aus Sicherheitsgründen“ von Reisen nach Japan ab, Studierende wurden gewarnt, nicht weiter an japanische Universitäten zu gehen. Ein weiterer Kulturaustausch wurde abgesagt und die Veröffentlichung japanischer Filme in China auf unbestimmte Zeit verschoben. Und nun werden auch die geliebten Bären zurückgeholt, die in Zeiten, als Peking noch auf Panda-Diplomatie und Soft Power setzte, als Dauerleihgabe nach Tokio gingen.

In Ueno sind die Pandas allgegenwärtig.
In Ueno sind die Pandas allgegenwärtig. (Foto: Issei Kato/REUTERS)

Seit 1972 hatte Japan immer einen oder mehrere der Riesenpandas beherbergt, die normalerweise in China beheimatet sind. Damals wurde nach einer Phase der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden ehemaligen Kriegsparteien das Pärchen Kang Kang und Lan Lan nach Ueno geschickt. Es war schnell eine nationale Sensation. Xiao Xiao und Lei Lei wiederum kamen am 23. Juni 2021 im Zoo von Ueno auf die Welt, und wenn sie Ende der Woche abreisen, ist Japan zum ersten Mal seit Jahrzehnten ohne Pandas.

Sie sind nicht die einzigen Besucher, die sich abwenden. Japanische Medien berichten von einem Rückgang an Touristen aus China von 45 Prozent im Dezember im Vergleich zum Dezember 2024. Auch wenn das japanische Verkehrsministerium gleichzeitig bekannt gab, dass Japan mit 42,7 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr einen neuen Rekord verzeichne. Chinesinnen und Chinesen waren mit etwa acht Millionen die größte Gruppe unter den Besuchenden, aufgrund des schwachen Yen und des wachsenden Interesses an japanischer Küche und Popkultur.

„Viele Tourismusunternehmen befürchten, dass sich die Situation bis zum bevorstehenden chinesischen Neujahrsfest im Februar verlängern könnte“, schrieb Japan News. Was die Tourismusbranche hart trifft, wird hingegen nicht von allen Japanern beklagt. Denn Overtourism ist zu einem Problem geworden. In der Skiregion Hokkaido beispielsweise wurde es den Einheimischen in der jüngeren Vergangenheit bereits zu viel mit chinesischen Touristen und den dazu passenden Restaurants und Hotels. Gerade weil sie einen harten Kurs gegenüber Peking angeschlagen hat, sind die Umfragewerte von Premierministerin Takaichi besonders hoch. Nur um die Pandas, um die trauern die allermeisten Menschen in Japan.