
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat sich gegen eine deutsche Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele positioniert. Die vier Landesverbände aus Bayern, Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen, die für eine deutsche Olympiabewerbung in den Jahren 2036, 2040 und 2044 infrage kämen, lehnen das Sportevent jeweils strikt ab, wie die Verbände in einer gemeinsamen Stellungnahme mitteilten.
„Egal, wo Olympische oder Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder auch 2044 stattfinden würden, falls sich eine deutsche Bewerbung international durchsetzt: Die Folgen für Mensch und Natur, für Klima, Stadtentwicklung, Wohnungsmarkt, Verkehr und andere Bereiche wären größtenteils negativ“, teilten die vier Verbände mit. Zudem befürchtet der BUND eine Verschärfung der angespannten kommunalen Finanzsituation. Olympische Spiele würden ihre Budgets in der Regel um 200 bis 300 Prozent überschreiten, hieß es in der Mitteilung. Die Folge wären demnach Sparmaßnahmen, etwa beim Klimaschutz.
Die Städte Berlin, München und Hamburg sowie die Region Rhein-Ruhr haben beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) Bewerbungskonzepte eingereicht. Die Konzepte, welche die Anforderungen erfüllen, will der DOSB dann auf der Mitgliederversammlung im Dezember vorstellen. Mit welchem Konzept sich dann Deutschland beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für 2036, 2040 oder 2044 bewirbt, soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 entschieden werden.
Man werde sich „zu gegebener Zeit mit dem BUND auseinandersetzen“, teilte der DOSB mit und versicherte, dass das Thema Nachhaltigkeit im Bewerbungsprozess berücksichtigt werde. Zudem seien die Konzepte der Städte „noch nicht final“ und würden weiterentwickelt.
Zweifel an der Nachhaltigkeit und Bedenken bei der Finanzierung
Die vier BUND-Landesverbände führen ähnliche Gründe für ihre ablehnende Haltung an. Der Verband in Bayern befürchtet, „durch die Spiele würde München noch voller, teurer, asphaltierter“, teilte der Landesbeauftragte Martin Geilhufe mit. Selbst für die Sportförderung sei „ein solches Großereignis nicht nur nicht nötig, sondern sogar schädlich“.
Die Hamburger Landesvorsitzende Sabine Sommer teilte mit, das Konzept der Hansestadt präsentiere sich besonders nachhaltig, weise jedoch „erhebliche ökologische und soziale Risiken auf“. Die Pläne stünden insgesamt „im Widerspruch zu den Zielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung“.
Die für Berlin zuständige Landesgeschäftsführerin Gabi Jung sieht in dem Bewerbungskonzept der Hauptstadt hauptsächlich Probleme im Zustand der Infrastruktur: „Berlin ist seit Langem überfordert, seine Infrastruktur in einen ordentlichen Zustand zu versetzen. Es fehlt das Geld, es fehlen die Verwaltungsressourcen und Strukturen dafür.“ Sich in dieser Lage „Olympische Spiele ans Bein zu binden, ist das Letzte, was die Stadt braucht“.
Der BUND in NRW zweifelt ebenfalls stark an der Nachhaltigkeit: „Bislang haben alle Olympiamacher ihr jeweiliges Konzept als besonders umweltfreundlich und wirtschaftlich tragfähig beworben – die Realität war meist sehr ernüchternd“, teilte der zuständige BUND-Geschäftsleiter in NRW, Dirk Jansen mit. Er fordert eine „Strategische Umweltprüfung“, in der die Auswirkungen „systematisch und transparent ermittelt, beschrieben und bewertet werden“.
