Olympia 2026: Skeleton-Silber für Susanne Kreher, Bronze für Jacqueline Pfeifer

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Unbeteiligte reagieren, wenn sie den Begriff „Skeleton“ hören: Entweder halten sie die Sportlerinnen und Sportler für völlig verrückt, weil sie sich mit einer Geschwindigkeit von mehr als 130 Kilometern pro Stunde kopfüber in einen Eiskanal stürzen, oder sie fragen: Was soll das eigentlich sein, Skeleton?

An den Erfolgen des deutschen Teams bei den Olympischen Spielen kann es nicht liegen, dass die rasante Sportart hierzulande immer noch so ein Nischendasein führt. So rasten Susanne Kreher und Jacqueline Pfeifer am Samstagabend zu den nächsten beiden Medaillen im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo.

Janine Flock vor Susanne Kreher und Jacqueline Pfeifer

Die 27 Jahre alte Susanne Kreher, Weltmeisterin schon 2023, musste sich nach vier Läufen nur um drei Zehntelsekunden der neuen Olympiasiegerin Janine Flock aus Österreich geschlagen geben und gewann Silber. Bronze sicherte sich Jacqueline Pfeifer (+0,44).

Für die 31-Jährige war es acht Jahre nach Platz zwei von Pyeongchang ihr zweites olympisches Edelmetall. Knapp verpasste diesmal Hannah Neise, Olympiasiegerin in Peking, das Podium. Die 25-Jährige aus dem Sauerland wies im Ziel einen Rückstand von 1,15 Sekunden zur Siegerin auf.

Aufgrund der Doping-Manipulationen, einem in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystem und teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.

„Dass wir hier im Skeleton bei den Männern und Frauen mit vier Medaillen rausgehen, ist unfassbar“, freute sich Thomas Schwab, Vorstandschef beim Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD). Bei den Olympischen Spielen 2022 waren sie allerdings noch erfolgreicher gewesen: Dort gewann neben Neise auch Grotheer Gold, Jungk ebenfalls Silber.

„Ein cooles Event“ wartet noch am Sonntag

Diesmal bietet sich gar eine weitere Doppelchance auf Beute, denn erstmals bei Olympischen Spielen wird zum Abschluss der Skeleton-Wettbewerbe noch eine Mixed-Staffel ausgetragen an diesem Sonntag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, im ZDF und bei Eurosport).

„Ein cooles Event“, wie es Jungk ausdrückt, bei dem sie als Einzelsportler „endlich auch mal Teamspirit“ genießen können. Die beiden Einzel-Silbermedaillengewinner Kreher und Jungk werden das Duo Deutschland I bilden. Pfeifer und Grotheer gehen als Deutschland II in die Eisrinne.

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Für Grotheer und Jungk, 33 und 34 Jahre alt, wird es der Bonustrack ihrer olympischen Skeleton-Karrieren sein. Die beiden Männer schlossen am Samstag in Cortina d’Ampezzo aus, noch einmal einen kompletten Olympiazyklus anzugehen – zu groß seien die Strapazen, zu gering der Ertrag, sieht man von der ideellen Befriedigung einmal ab.

Beide waren ursprünglich als Skispringer in den Wintersport gestartet, ehe sie als Heranwachsende merkten, dass ihr Körperbau dafür „nicht mehr passend“ war, wie es Jungk ausdrückte: zu groß und zu schwer. Beide wurden dann an der Sportschule für Skeleton ausgewählt – und beide fremdelten zunächst mit ihrer künftigen Sportart. Grotheer stellte sich Curling darunter vor. Jungk dachte, er sei für Shorttrack angeworben worden.

Axel Jungk: „Dann müssen uns nicht wundern“

„Schon crazy, dass ich als Sportler im Sportinternat die Sportart nicht kannte“, lachte Jungk über sich selbst, um dann aber ernst zu werden: Angesichts der schwachen Vermarktung durch den internationalen Bob- und Skeleton-Weltverband (IBSF) sei es wenig überraschend, dass sich unter Skeleton kein Mensch etwas vorstellen könne.

Und das sei heute nicht besser als zu seinen Anfangszeiten. „Im Weltcup-Zirkus haben wir jede Woche Freitag früh um neun Uhr unsere Rennen“, sagte er. „Dann müssen wir uns nicht wundern, dass die Sportart nicht populärer wird.“

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Die Bob-Wettbewerbe dagegen, die Verwandtschaft mit den großen Schlitten, werden am Samstagabend und Sonntag zur Primetime gefahren. An Innovationen glaubt der Sachse mit dem markanten Schnauzer nicht mehr: Er hoffe es, gehe aber nicht davon aus, „denn es ist in den letzten zehn Jahren auch nicht besser geworden“.

Im Zielauslauf von Cortina zählte am Samstagabend erst mal nicht die vage Zukunft, sondern der pure Genuss der Gegenwart. Susanne Kreher und Jacqueline Pfeifer weinten gemeinsam vor Freude. „Es ist unfassbar“, jubelte Kreher über den für sie unerwarteten Erfolg bei ihrem Olympia-Debüt. „Das hätte ich mir nie erträumen lassen.“ Ihr habe es gutgetan, dass sie keinen Erfolgsdruck verspürte. „Das bringt mir die Lockerheit, die ich brauche.“ Pfeifer sprach von einem „Wechselbad der Gefühle“, die Medaille bedeute ihr sehr viel.

Kreher war übrigens von der Leichtathletik zum Skeleton gekommen. Sie war früher 400-Meter-Läuferin. Pfeifer nahm auf Empfehlung ihres Sportlehrers als Zwölfjährige an einem Schnuppertraining teil. Und Neise meldete sich bei der Skeleton-Sichtung vor allem deshalb an, weil sie dadurch dem Englischunterricht entgehen konnte.

Die Wege zum Erfolg im Skeleton sind also vielfältig und auch ein bisschen zufällig. Wirklich verrückt müsse man übrigens nicht sein, erklärte Grotheer noch. Er räumte aber ein, man müsse „positiv gestört sein“, um dem permanenten Geschwindigkeitsrausch etwas abgewinnen zu können. Lohn der permanenten Adrenalinausschüttung: wenn es gut geht, Medaillen.