„Wegen dieser bescheuerten zehn Minuten“ und „nicht professionell gearbeitet“ – nicht nur der deutsche Sportdirektor Horst Hüttel fand nach dem Abbruch im Skisprung-Super-Team deutliche Worte. Auch die Springer waren sauer.
Als Andreas Wellinger und Philipp Raimund frustriert und enttäuscht Interviews gaben, hatte der Schneefall fast aufgehört. „Das ist extrem bitter“, versuchte Wellinger seinen Ärger in Worte zu fassen. „Die Wut ist auf jeden Fall da“, sagte Raimund. „Es wäre mehr möglich gewesen.“
Nur rund zehn Minuten vorher war klar, dass die Deutschen auch im zweiten olympischen Team-Wettbewerb 2026 als Vierte denkbar knapp an der Medaille scheitern werden. Im Mixed-Team fehlten 1,2 Punkte, im Super Team nun 0,3 Punkte. 0,3 Punkte – oder knapp 17 Zentimeter.
Abbruch wegen starken Schneefalls
Rund zehn Minuten vorher brach die Jury wegen starken Schneefalls den Wettkampf ab. Nach nur zwei statt drei Durchgängen. Und nachdem Wellinger mit 130 Metern und Raimund mit 136 Metern noch einmal richtig in den Medaillenkampf hätten eingreifen können. Hätten können – ja, im Konjunktiv. Denn die Jury entschied sich, bei Führung der Deutschen und drei Springer vor Ende des gesamten Wettkampfes das Springen abzubrechen und nur zwei Sprünge zu werten.
Horngacher: „Jury kann mit dem Zeug nicht umgehen“
„Philipp hat echte Bomben gezündet bei jedem Sprung. Der Andi hat sich auch verbessert. Und dann kommt so eine Schneefront rein und ein bisschen Wind. Und die Jury kann mit dem Zeug nicht umgehen“, schimpfte Bundestrainer Stefan Horngacher am Sportschau-Mikrofon. „Es war nicht sehr glücklich, was die Jury da gemacht hat.“ Horst Hüttel, fand noch deutlichere Worte: „Es ärgert mich, dass man nicht professionell gearbeitet hat und die bescheuerten zehn Minuten gewartet hat“, sagte der deutsche Skisprung-Sportdirektor in der Sportschau. „Das ganze Einsatzmanagement verstehe ich nicht.“
Hüttel: „Wir haben drei Wetter-Apps“
Die Kritik des deutschen Teams an der Jury um Renndirektor Sandro Pertile zielt auf einen schlechten Umgang mit einem rund 20 Minuten andauernden starken Schneefall ab. „Wir haben drei Wetter-Apps, alle drei haben gezeigt, dass es nach zehn bis zwölf Minuten Schneefall wieder aufhört“, verweist Hüttel auf ein absehbares Ende des Schneefalls zum Zeitpunkt des Abbruchs. „Oder man hätte schneller durchfahren können“, so Horngachers Kritik an langen Pausen zwischen den Durchgängen und zwischen den Springern.
Pertile: „Kein fairer dritter Druchgang“
Der kritisierte Sandro Pertile verteidigte die Abbruch-Entscheidung im ZDF: „Der Anlauf wurde immer langsamer, wir haben zwei, drei Kilometer pro Stunde verloren“, sagte der Italiener, und ergänzte: „Der Wind war komplett anders, wir hatten keine Möglichkeit, einen fairen dritten Durchgang zu haben.“
Hüttel: „Brauchen keine Gespräche mehr“
Horngacher und Hüttel, die bereits vor den Olympischen Spielen die Aufnahme des Super Teams kritisiert und sich einen traditionellen Mannschaftswettbewerb mit vier Springern gewünscht hätten, überzeugten die Argumente von Pertile nicht. Mit Vorspringern und Geduld hätte man die Situation bewältigen können, so Hüttel. „Wir brauchen jetzt keine Gespräche mehr mit Sandro Pertile“ reagierte Hüttel verärgert: „Wir warten jetzt auf die Materialkontrolle teilweise eine halbe Stunde. Bei jedem Weltcup wartet man und bei Olympischen Spielen, die nur alle vier Jahre sind, wartet man nicht.“
Raimund: „Der letzte Moment bleibt im Kopf“
Wellinger, der bereits vier Olympia-Medaillen gewann, wurde so die Chance auf seine fünfte Medaille und die erste von 2026 genommen. „Es ist bitter, wenn man zweimal in den Teamwettbewerben Vierter wird. Vierter werden ist scheiße“. Raimund konnte den Spielen in seinem Ärger über die verpasste Medaillenchance dennoch auch etwas Gutes abgewinnen: „Für mich waren die Olympischen Spiele trotzdem geil“ sagte der 25-Jährige mit Verweis auf seine Goldmedaille auf der Normalschanze. Aber, so ergänzte er: „Man sagte ja, der letzte Moment bleibt im Kopf. Es wäre schön gewesen, wenn ich heute belohnt worden wäre.“ Zum Beispiel durch etwas Geduld der Jury.
