Olympia 2026: Lena-Dürr-Aus im Slalom am ersten Tor – Shiffrin siegt

Es gibt verschiedene Arten, eine Medaille in einem olympischen Slalom zu verpassen: zu langsam fahren und deshalb jenseits der besten drei landen, stürzen oder einfädeln. Lena Dürr unterlief am Mittwoch zum Abschluss der alpinen Wettbewerbe in Cortina d’Ampezzo vielleicht nicht das bitterste Aus, aber das kurioseste. Wie im Riesenslalom drei Tage zuvor war sie als Zweite aussichtsreich in den finalen Durchgang gestartet – und fädelte ein. Nicht irgendwo auf der Strecke, sondern am ersten Tor.

Dürr verharrte anschließend sekundenlang am Pistenrand. Vermutlich hätte sie sich wie Atle Lie McGrath nach seinem Slalom-Aus am Montag in Bormio auch gern irgendwo im Wald in den Schnee fallen lassen. Aber da waren ihr die Sicherheitsnetze im Weg. „Katastrophe“, sagte sie später. „Man kann es noch gar nicht realisieren im Ziel. Man denkt, man bekommt noch einen Re-Run, und es geht noch mal von vorne los.“

„Wahrscheinlich passiert das jedem Slalomfahrer irgendwann“

Die wohl letzte Chance für die Vierunddreißigjährige, bei Olympischen Spielen eine Einzelmedaille zu gewinnen, endete nach nicht einmal einer Sekunde. Das ist schon ärgerlich genug, aber sie erlebte so ein sportliches Drama ja nicht zum ersten Mal. Wobei: So etwas ist ihr noch nicht passiert, jedenfalls nicht, seit sie im Weltcup fährt. „Ich glaube, mal bei einem Fis-Rennen“, erinnerte sie sich. „Wahrscheinlich passiert das jedem Slalomfahrer irgendwann in seiner Karriere.“ Aber nicht vielen in einem olympischen Rennen mit einer Medaille vor Augen.

Für Lena Dürr setzte sich ein kleines Olympia-Trauma fort. Vor vier Jahren in Peking war sie als Führende nach dem ersten Durchgang im Finale einfach ein paar Hundertstelsekunden zu langsam, und am Sonntag im Riesenslalom patzte sie an der letzten Welle.

DSGVO Platzhalter

An solchen Ereignissen können Athleten zerbrechen oder zumindest in ein Loch fallen, aus dem sie so schnell nicht wieder herauskommen. Dürr hat sich bisher von ihren Olympia-Pannen aber stets ganz gut erholt. Nach dem Pekinger Slalom gewann sie mit dem Team noch Silber, mit einer phantastischen Laufzeit.

Auch den Riesenslalom in Cortina hatte sie schnell abgehakt und das Gute am Schlechten gesehen: dass sie nämlich ihr Gefühl, ihre Leichtigkeit fürs Skifahren nach schwierigen Wochen wiedergefunden hat. Auch dieses Mal wirkte sie nicht mal eine halbe Stunde nach ihrem Malheur schon wieder sehr aufgeräumt. „Ich habe das Gefühl gehabt, es ist die beste Skiversion von mir.“ Sie sei stolz darauf, dass sie sich aus der Delle im Januar wieder „rausgeholt“ habe und um die Medaillen mitfahren konnte. Jedenfalls einen Durchgang lang.

DSGVO Platzhalter

Eine andere hat länger gebraucht, um ihr Olympia-Trauma zu verarbeiten, aber dafür gelang ihr das sehr eindrucksvoll. Mikaela Shiffrin aus den Vereinigten Staaten gewann mit 1,05 Sekunden Vorsprung vor der Schweizerin Camille Rast. Dritte wurde Anna Swenn-Larsson aus Schweden.

Shiffrin wollte in Cortina Frieden schließen mit den Olympischen Winterspielen. In Peking war sie sechsmal als Medaillenkandidatin angetreten und ging sechsmal leer aus. Auch diesmal begannen die Spiele nicht gut für sie.

In der Teamkombination war sie es, die die Medaille durch eine Slalomfahrt vergab, die nichts mit jenen Leistungen zu tun hatte, die Shiffrin zuvor im Weltcup gezeigt hatte. Sie habe viel zu tun auf diesem für sie ungewohnten Schnee und der eher flachen Piste, sagte sie danach. Im Riesenslalom wurde sie Elfte, hatte aber trotz ihres dritten Platzes von Spindlermühle nicht zu den Medaillenfavoritinnen gehört. Der Slalom war nun die letzte Chance.

Medaillen für AIN werden im Medaillenspiegel nicht aufgeführt. Aufgrund der Dopingmanipulationen, eines in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystems und der teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.

Vor vier Jahren war das Teamevent am Ende des olympischen Alpin-Programms terminiert gewesen. Da war sie auch abhängig von den Leistungen der Mannschaftskollegen und -kolleginnen. Allerdings fuhren in diesem Parallelrennen auch eine Reihe von Läuferinnen, die sie damals in jedem Slalom oder Riesenslalom locker geschlagen hätte, schneller als sie.

Dieses Mal hatte es Shiffrin allein in ihrer Hand. Der Slalom ist ihre Paradedisziplin. Nach ihrer schweren Verletzung zu Beginn der vergangenen Saison, als sie sich beim Riesenslalom von Killington den Skistock in den Bauch gerammt hatte und erst kurz vor den Weltmeisterschaften in Saalbach zurückgekehrt war, konzentrierte sie sich auf die technischen Disziplinen. In diesem Winter bestritt sie nur einen Super-G.

Während ihr der Riesenslalom nach der Verletzung noch immer nicht so leicht fällt wie früher und sie sich erst langsam wieder an die alte Form herankämpft, ist sie im Slalom wie schon ein paar Mal in ihrer Karriere die überragende Athletin. Rund zwei Drittel ihrer 108 Weltcupsiege errang sie im Slalom, nämlich 71. In diesem Winter gewann Shiffrin sieben Weltcup-Slaloms, den achten beendete sie als Zweite. Ähnlich dominant war sie 2018, da verpasste sie trotzdem bei den Winterspielen eine Medaille, wurde nur Vierte. Dieses Mal lief es ähnlich wie zuvor im Weltcup.

Sie hatte schon zweimal Olympia-Gold gewonnen, 2014 als Achtzehnjährige gewann sie den Slalom. Damals, erzählte sie in ihrem Podcast, „war ich schon etwas naiv, was die Größe von Olympia betrifft“. Vier Jahre später wusste sie es besser, holte trotzdem wieder Gold, dieses Mal im Riesenslalom. Vor Cortina sagte sie, Druck zu haben, „ist auch ein Privileg“. Damit umgehen zu können, aber auch eine große Aufgabe. Sie hat sie gemeistert, die erfolgreichste Skirennläuferin der Welt.