

Am Ende lachte Laura Nolte doch noch, nachdem ihr jemand die deutsche Fahne gereicht hatte. Aber die beiden Amerikanerinnen neben ihr waren fröhlicher, ausgelassener. Allerdings hatten die ja im Gegensatz zu der Deutschen im Finale dieser olympischen Monobob-Entscheidung am Montag auch nichts verloren.
Die für den BSC Winterberg startende Wahl-Frankfurterin führte drei Läufe lang, es sah nach Gold aus, und dann wurde es doch nur Silber. Lisa Buckwitz aus Berlin verbesserte sich nach schwächeren ersten Läufen noch vom sechsten auf den vierten Platz.
„Kein Wettkampf für Herzensschwache“
„Jeder macht hier Fehler“, hatte Nolte nach dem ersten Tag gesagt. „Man muss halt die wenigsten machen.“ Am Montag hat sie dann ein paar mehr gemacht als die beiden großen Damen des Bobsports und verpasste den Sieg denkbar knapp. Es waren gerade einmal 0,04 Sekunden, vier Hundertstel, die Laura Nolte am Ende zum Sieg fehlten. Ein menschlicher Wimpernschlag dauert länger. Elana Meyers Taylor, bereits mehrfache Weltmeisterin, gewann mit 41 Jahren ihre erste olympische Goldmedaille.
Dritte wurde die nur um ein Jahr jüngere Kaillie Armbruster Humphries. „Monobob ist kein Wettkampf für Herzschwache“, hatte Bundestrainer René Spies zur Halbzeit dieses Wettbewerbs gesagt. Er durfte sich angesichts der knappen Abstände auf den Medaillenrängen bestätigt sehen.
„Es ist natürlich riesig, mit einer Medaille nach Hause zu fahren. Aber wenn man nach drei Läufen am Führen ist, dann will man auch Gold gewinnen. Das hat leider nicht geklappt“, sagte Nolte nach dem Wettkampf im ZDF. Die Medaille hing ihr um den Hals, sie hatte Tränen in den Augen. „Ich bin eigentlich mental stark und war auch bereit, aber die oberen Kurven haben dann nicht gepasst. Ich wusste auch, wenn ich unten alle treffe, dass ich noch eine Chance hab, aber dann war der Abstand wohl auch zu groß.“
Das erste kleine Olympia-Trauma
Womöglich fühlte sich Nolte ein wenig an Peking erinnert, an die Winterspiele von 2022. Damals war Monobob zum ersten Mal im olympischen Programm. Und da erlebte sie ihr erstes kleines Olympia-Trauma.
In Peking hatte Nolte nach zwei Läufen auf Bronze-Kurs gelegen, der dritte war ihr dann jedoch komplett misslungen. Sie rutschte noch aus den Medaillenrängen. Dass die Siebenundzwanzigjährige negative Erlegnisse schnell verarbeiten kann, zeigte sie in China dann aber ein paar Tage später, als sie mit Deborah Levi Gold im Zweierbob gewann.
In Peking war die größte Klippe die Kurve 13, in Cortina ist es der obere Teil. Der ist „tricky“, sagte Nolte. „Wenn man da oben schon rutscht und wegfliegt, ist es ganz schwierig, unten die Zeit wieder rauszufahren.“ Wegen des fehlenden Gewichts auf der Hinterachse ist der Monobob nicht ganz so stabil ist wie die größeren Schlitten. In der ersten und zweiten Kurve, sagte Nolte, müsse man viel lenken – und das birgt Gefahren.
Medaillen für AIN werden im Medaillenspiegel nicht aufgeführt. Aufgrund der Dopingmanipulationen, eines in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystems und der teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.
Es sei sehr schwierig, die richtige Mischung zu finden. Wenn man zu wenig lenke, kollidiere man mit der Bande, erklärte die ehemalige Leichtathletin, die vor gut zehn Jahren in den Bob wechselte, bei Eurosport. Und wer zu viel lenkt, bringt womöglich den Bob aus der Balance. „Dann kommt das Heck hinten“, es bricht also aus.
Vor vier Jahren hatte es noch zum Teil harsche Kritik am Monobob-Wettbewerb gegeben, weil der Schlitten, von Mariama Jamanka, Zweier-Olympiasiegerin von 2018, damals als „Anfängergerät“ bezeichnet, viel schlingerte und driftete im Eiskanal. Das mag auch an der fehlenden Erfahrung mit dem leichten Bob gelegen haben.
Erst im Winter vor den Olympischen Spielen fand erstmals eine internationale Wettkampfserie für den Monobob statt. In den Weltcup war Monobob erst nach Peking integriert worden. Die Frauen hätten als zweite Disziplin lieber den Viererbob gehabt. Aber es hieß damals: Zu gefährlich, zu schwer für Frauen und zu wenige Athletinnen. Das IOC entschied sich deshalb für den Monobob, für einen Einheitsschlitten noch dazu, damit auch Nationen mit kleinerem Budget mitmachen können.
Der Monobob büxt noch immer aus, aber längst nicht mehr so häufig. Die Frauen haben viel Erfahrung gesammelt in den vergangenen vier Jahren, ihn besser in den Griff bekommen. Solche Schlingerfahrten, wie der Wiesbadenerin Kim Kalicki (15.) im dritten Lauf passiert ist, sieht man bei den top Mono-Pilotinnen nur noch selten. Für Nolte ist der kleine Schlitten trotzdem immer noch „eine größere Herausforderung“ als der Zweierbob, in dem es ab Freitag um die nächste Medaille für Nolte geht. Und da startet sie mit Anschieberin Deborah Levi als Top-Favoritin auf Gold.
