Olympia 2026: Julia Taubitz gewinnt Gold im Rodeln in Cortina d’Ampezzo

Der schönste Platz im Eiskanal ist der Zielauslauf – dort, wo die Rodlerinnen nach vollendeter Fahrt auf ihre Entourage treffen. Trainer, Kollegen, Teammitglieder, die voller Emotionen ihre Fahrerinnen in Empfang nehmen. Und je länger der Wettkampf dauert, je weniger Starterinnen noch folgen, desto ausgelassener und emotionaler wird die Stimmung.

Jubel, Trubel, Rodelbahn – in diesem Dreiklang ließ sich die Szenerie am Dienstagabend zusammenfassen, als Julia Taubitz ihre finale Fahrt im Einsitzer-Wettbewerb bei den Olympischen Spielen absolviert hatte und abermals fehlerfrei das Ziel erreichte.

Die Uhr blieb für sie bei der Gesamtzeit von 3:30,625 Minuten stehen. Aber viel wichtiger: Die Distanzzeit leuchtete strahlend grün, das Signal für den Sieg. Gold für Taubitz, Gold für Deutschland. Überlegen herausgefahren mit einem Vorsprung von fast einer Sekunde auf die zweitplatzierte Lettin Elina Bota (+0,918) und die Amerikanerin Ashley Farquharson (+0,957).

Merle Malou Fräbel krachte in die Bande

Nicht eingreifen in den Medaillenkampf konnte überraschend Merle Malou Fräbel, die nach dem ersten Lauf noch geführt hatte und bei Halbzeit nur die Winzigkeit von sechs Hundertstel zurücklag. Die 22-Jährige aus Suhl leistete sich dann aber im dritten Durchgang einen krassen Fahrfehler kurz nach dem Start, krachte in die Bande und fiel in der Gesamtwertung weit zurück. Am Ende belegte sie Rang 8 (+1,547), noch hinter der zweitbesten Deutschen Anna Berreiter. Die Olympiazweite von Peking wurde diesmal Sechste (+1,385).

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Allen voran war Julia Taubitz der Konkurrenz auf und davon gefahren. Im Ziel lachte und weinte die 29-Jährige gleichzeitig – und musste aufpassen, nicht erdrückt zu werden. Das komplette deutsche Rodel-Team mitsamt Männer-Olympiasieger Max Langenhan begrub die neue Olympiasiegerin unter sich, die nicht nur ihren Olympiatraum vollendet, sondern auch ihr Olympiatrauma besiegt hatte.

Tränen des Glücks bei der Siegerehrung
Tränen des Glücks bei der SiegerehrungReuters

Schon vor vier Jahren in Peking war die Sportlerin aus Annaberg-Buchholz als Favoritin gestartet, dann aber im zweiten Lauf gestürzt und am Ende nur Siebte geworden. „Ich habe lange gebraucht, um diesen Rückschlag zu verarbeiten“, bekannte Taubitz vor den Spielen von Cortina.

Rodeln ist, wenn Deutschland gewinnt

Julia Taubitz war schon achtmal Weltmeisterin und hat fünfmal den Gesamtweltcup gewonnen, doch eine olympische Medaille fehlte ihr noch in ihrer Erfolgsbilanz. So emotional, wie dieser Sieg für sie persönlich war, so gewöhnlich erschien er im großen Bild des Rodelsports. Seit 1998 wurden ausschließlich deutsche Frauen Olympiasiegerinnen im Einsitzer. Die Ahnengalerie rückwärts reicht von Natalie Geisenberger (2022, 2018, 2014) über Tatjana Hüfner (2010) und Sylke Otto (2006, 2002) bis zu Silke Kraushaar (1998).

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Kein Wunder angesichts dieser schier erdrückenden Dominanz, dass die Gewinnerinnen von Silber und Bronze am Dienstagabend mindestens genauso euphorisch von ihren Begleitern gefeiert wurden. Zunächst stürmte Team USA den Zielbereich, als der Medaillenrang für Ashley Farquharson feststand.

Eine Lettin nutzt die Gunst der Stunde

Dann wurden sie wenige Minuten später in Sachen Emotionalität noch von einem Trupp in Rot-Weiß-Rot übertroffen. Es waren allerdings keine Österreicher, die feierten, denn die als Mitfavoritinnen gestarteten Lisa Schulte und Hannah Prock belegten im Endklassement nur die Ränge sieben und zehn.

Es waren Letten, die ihrer Freude in Karmesinrot und Weiß Ausdruck verliehen. Elina Bota nutzte die Gunst des Moments, erwischte selbst eine Sternstunde und gewann Silber – die erste Olympiamedaille einer lettischen Rodlerin überhaupt.

Zu Jubel, Trubel, Eiskanal gehören freilich auch Tränen. „Vielleicht war es zu viel Druck, ich kann es nicht sagen“, sagte die todunglückliche Merle Fräbel über ihren Fahrfehler. „Ich habe lange nicht mehr so viel geweint“, sagte auch Julia Taubitz. Aber bei ihr waren es ausschließlich Freudentränen. Auch bei der Nationalhymne schluchzte sie, sang trotzdem mit und küsste ihre ersehnte Medaille. „Das war mein Kindheitstraum von klein auf.“