
Rechts neben ihr: Calvin Cordozar Broadus Jr., aus Long Beach, L.A. County, besser bekannt als Snoop Dogg, einst bekanntester Gangsterrapper der West Coast, im Hier und Heute der Winterspiele kommentierendes Maskottchen des wichtigsten Players unter den Rechteinhabern, von NBCUniversal.
Es ist die Krönung, gerade für die Amerikaner
Und so wies schon das Aufgebot, das NBC für das Kurzprogramm der Eiskunstläuferinnen am Dienstagabend gestellt hatte, eindeutig den Weg: Der letzte olympische Wettbewerb im Forum ist die Krönung, gerade für die Amerikaner.
Alyssa Liu, Amber Glenn, Isabeau Levito – ihre Skripte waren geschrieben, ihre Storylines, die Stars sollten zu den Stripes kommen. Es ist wie jedes Mal bei den Eiskunstläuferinnen: Amerika möchte zittern, weinen, jubeln. Amerika möchte Entertainment. Und Amerika möchte möglichst gewinnen.
Am Dienstagabend bekam Amerika Entertainment, verdammt gutes Entertainment, aber ob Amerika gewinnt, darf nach dem Kurzprogramm zumindest bezweifelt werden.

Amber Glenn, die amerikanische Meisterin, hatte kurz vor ihrem Auftritt noch eine Nachricht von Madonna Louise Ciccone erhalten. Amber Glenn, zu deren Storyline ihre Pansexualität gehört, würde zu Madonnas Achtziger-Jahre-Blockbuster „Like A Prayer“ laufen.
Ein Auftritt, der, Kurzprogramm hin, Kurzprogramm her, schon ein Maxi-Menü an Botschaften auf dem Eis versprach, man erinnere sich nur an das Musikvideo, in dem die knapp bekleidete Sängerin 1989 Kreuze brennen ließ und die Reaktionen darauf aus der Kirche und von konservativen Elternverbänden.

Zweieinhalb Minuten brachte eine Zeile aus Madonnas Songtext die Lage auf den Punkt: „Oh God, I think I’m fallin’“. Platz dreizehn, Amber Glenn muss beten, wenn es mit dem Olympiasieg noch etwas werden soll. Viel zu hören davon war anschließend nicht, sie stürmte wortlos an den wartenden Journalisten vorbei.
Alyssa Liu hingegen, deren Vater einst als politischer Flüchtling aus China gekommen war, wurde gefragt, ob sie überhaupt nervös wird. Antwort: „Werde ich nicht, weil ich wirklich hier sein will. Es ist okay, wenn ich mein Programm verpatze. Es ist absolut okay, wenn es super läuft. Egal, was rauskommt, das ist und bleibt meine Geschichte hier.“

Zwei Läuferinnen waren noch besser als Liu am Mittwoch, und beide kommen aus Japan. Ami Nakai geht als Führende in die Kür an diesem Donnerstagabend (19.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, in der ARD und bei Eurosport).
Von den Sitzen aber riss das Publikum Kaori Sakamoto. Dreimal in den vergangenen vier Jahren war sie Weltmeisterin, jetzt, mit 25 Jahren, will sie nach den Spielen ihre Karriere beenden. „Time to say Goodbye“, Sarah Brightman und Andrea Bocelli. Was Henry Maske recht war, ist Kaori Sakamoto nur billig. Ob Snoop Dogg und Martha Stewart den sporthistorischen Kontext der Musikauswahl richtig bewerteten, ist der F.A.Z. nicht bekannt.

Die Punktabstände unter den Top Drei sind minimal, Nakai trägt 2,12 Punkte mehr als Liu in die Kür, auch Mone Chiba, ebenfalls aus Japan, auf Platz vier kommt noch für den Sieg infrage – und dann ist da noch Adelija Petrossjan aus dem Eislaufverein Sambo-70 in Moskau.
Petrossjan, Fünfte nach dem Kurzprogramm, erhält Unterstützung vom kurzfristig akkreditierten Daniil Glaichengaus, Tutberidses Chefchoreograph, in Mailand als Trainer ausgewiesen. Adelija Petrossjan ist Fünfte nach dem Kurzprogramm, ihr fehlen 5,82 Punkte auf Nakai. Sie lief übrigens zu Michael Jackson: „They don’t care about us“. Tatsächlich?
