Ohne Musiala! Nagelsmann verkündet letzten DFB-Kader vor der WM 2026

Nagelsmanns Kader-Nominierung

Stand: 19.03.2026 • 14:00 Uhr

Bundestrainer Julian Nagelsmann hat mit seinem ersten Aufgebot im WM-Jahr für die Testspiele am 27. März in der Schweiz (ab 20.45 Uhr im Audiostream) und drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana (ab 20.45 Uhr im Livestream) nur für kleinere Überraschungen gesorgt. Anton Stach und Lennart Karl sind Teil des 26-köpfigen Kaders, dafür fehlen einige Profis, die bei der WM-Qualifikation im November 2025 noch dabei waren.

Nagelsmann hatte in seinem Interview mit dem Kicker Anfang März Überraschungen bei der Kadernominierung angekündigt: Es werde „Entscheidungen geben, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen. Nicht beim Spieler, aber auch nicht in der breiten Öffentlichkeit.“ Dazu ist es nicht gekommen. Der formstarke Stuttgarter Deniz Undav ist zurück, der beliebte, bei Newcastle aktuell aber schwächelnde Nick Woltemade weiterhin dabei und zwei junge Bayern-Stars werden langsam an die DFB-Elf herangeführt.

Der 22-jährige Jonas Urbig wurde für seine starken Leistungen als Ersatz für Neuer mit seiner ersten DFB-Nominierung belohnt. Ebenso erstmals dabei ist der erst 18-jährige Lennart Karl, der beim FC Bayern einen nahezu perfekten Saisonstart hatte, zuletzt aber etwas weniger auffällig war.

Der DFB-Kader im Überblick

Tor: Oliver Baumann (TSG Hoffenheim), Alexander Nübel (VfB Stuttgart), Jonas Urbig (FC Bayern München)

Defensive: Waldemar Anton (Borussia Dortmund), Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt), Pascal Groß (Brighton & Hove Albion), Joshua Kimmich (Bayern München), Aleksandar Pavlović (Bayern München), David Raum (RB Leipzig), Antonio Rüdiger (Real Madrid), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Anton Stach (Leeds United), Jonathan Tah (Bayern München), Malick Thiaw (Newcastle United), Josha Vagnoman (VfB Stuttgart)

Offensive: Serge Gnabry (Bayern München), Leon Goretzka (Bayern München), Kai Havertz (FC Arsenal), Lennart Karl (FC Bayern München), Jamie Leweling (VfB Stuttgart), Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Leroy Sané (Galatasaray Istanbul), Kevin Schade (FC Brentford), Deniz Undav (VfB Stuttgart), Florian Wirtz (FC Liverpool), Nick Woltemade (Newcastle United)

Stach überraschend nominiert

Die einzige größere Überraschung des neuen DFB-Kaders ist die Nominierung von Anton Stach. Nagelsmann hatte über den Mittelfeldspieler von Leeds United im „Kicker“-Interview noch gesagt, er sei „nicht enorm kopfballstark und auch nicht der Top-Zweikämpfer„. Daraus hatten viele abgeleitet, dass der 27-Jährige bei der Nominierung keine Rolle spielen würde.

Stach ist jetzt zusammen mit Felix Nmecha, Leon Goretzka, Aleksander Pavlovic und Pascal Groß einer von fünf Kandidaten für die zwei Positionen auf der Doppelsechs. Bayerns Tom Bischof, der ebenfalls im Rennen für diese Positionen gewesen sein dürfte, ist nicht dabei.

Das Gerüst steht noch nicht komplett

Zum WM-Gerüst dürften neben Kapitän Joshua Kimmich, Verteidiger Nico Schlotterbeck und dem in England rechtzeitig in die Spur gekommenen Florian Wirtz auch Akteure wie die zuletzt verletzten Kai Havertz und Jamal Musiala gehören. Der Bayern-Star spielte ein Jahr nicht im DFB-Trikot, Havertz sogar noch länger. Die Reintegration ins Teamgefüge wird entscheidend sein. Und die Fitnessfrage noch viel mehr.

Musiala, der noch am Mittwoch wegen einer Schmerzreaktion am operierten linken Fuß beim Achtelfinal-Rückspiel gegen Atalanta Bergamo ausfiel, wird dagegen geschont. Bayern-Trainer Vincent Kompany kündigte schon im Vorfeld der Nominierung an, mit Nagelsmann in den Austausch zu treten: „Wir haben die gleichen Interessen. Wir wollen alle einen topfitten Jamal Musiala zurückbekommen“, sagte er.

Rüdiger ist zurück, Vagnoman ist Kimmichs Backup

Antonio Rüdiger, der wegen verbaler Aussetzer bei Real Madrid im Sommer von Nagelsmann gerügt wurde und dann im Herbst wegen einer Oberschenkelverletzung für zehn Wochen ausfiel, ist zurück im Team. Der ehemalige Abwehr-Chef gehört vermutlich zu den Spielern, die Nagelsmann im „Kicker“-Interview meinte, als er von Profis sprach, die Führungsrollen gewohnt sind, sich aber im Teamgefüge einordnen müssen. Er wird sich wahrscheinlich hinter dem jüngsten Stamm-Duo aus Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah einreihen müssen.

Bei der Wahl für Kimmichs Backup als Rechtsverteidiger fiel Nagelsmanns Entscheidung auf den Stuttgarter Josha Vagnoman. Ridle Baku, der im November gegen die Slowakei als Einwechselspieler für Kimmich sogar ein Tor erzielte, ist bei seinem Verein RB Leipzig seit Monaten nicht in Topform. Er fehlt ebenso im Aufgebot wie Nadiem Amiri, Jonathan Burkhardt und Said El Mala, die im Herbst noch dabei waren.

Die Torwartfrage im DFB-Team scheint geklärt

Oliver Baumann wird bei der WM sehr wahrscheinlich im Tor stehen. Er wäre damit der Nachfolger des zurückgetretenen Manuel Neuer, der von 2010 bis 2024 bei acht Turnieren in Folge die Deutsche Nummer 1 war. Alexander Nübel dürfte Baumanns Stellvertreter sein. Als Nummer drei darf sich nun Bayerns Urbig beweisen. Marc-André ter Stegen kann nur noch eine Wunderheilung zur WM bringen.

Fragezeichen im Sturm

Offen ist bis zum Sommer ist noch die Besetzung der Alternative für Havertz in der Sturmspitze. Nagelsmann hat schon vor der Kadernominierung häufig betont, dass er einen körperlich robusten Mittelstürmer im WM-Kader haben will, um im Notfall ein Tor erzwingen zu können. Doch davon fehlt im aktuellen Kader jede Spur.

Tim Kleindienst ist seit langem verletzt, Niclas Füllkrug auch nach seinem Wechsel von West Ham zu AC Mailand immer noch außer Form. Beide fehlen entsprechend im DFB-Team. Deniz Undav, der zum ersten Mal seit Juni 2025 wieder nominiert wurde, hat mit elf Torbeteiligungen aus den vergangenen zehn Pflichtspielen einen absoluten Lauf – spielt bei seinem Verein VfB Stuttgart aber oft als hängende Spitze.

Wie geht es mit dem Kaderplan weiter?

In der Woche vor dem letzten Bundesliga-Spieltag (16. Mai) wird Nagelsmann seinen Kader für die WM-Vorbereitung benennen. Für diese erste Auswahl ist der Bundestrainer nicht auf eine konkrete Spieleranzahl festgelegt. Bis Anfang Juni muss bei der FIFA die Liste mit den 26 Turnierspielern eingereicht sein. Große Umbrüche im DFB-Team wird es bis dahin nicht mehr geben.