Nvidia setzt auf Wachstum: Umsatz steigt enorm

Nvidia ist vorerst nicht zu bremsen. Der amerikanische Halbleiterkonzern hat sein Wachstum im abgelaufenen Geschäftsquartal weiter beschleunigt. Die am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Ergebnisse übertrafen die Erwartungen von Analysten deutlich. Vorstandschef Jensen Huang sagte in einer Mitteilung: „Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst exponentiell“.

Der Aktienkurs von Nvidia stieg im nachbörslichen Handel zeitweise um fast drei Prozent. Nvidia ist derzeit mit einer Marktkapitalisierung von rund 4,8 Billionen Dollar mit Abstand das am höchsten bewertete Unternehmen der Welt. Das Unternehmen hat sich auch seit Jahresbeginn in einem schwierigen Umfeld für Technologieaktien vergleichsweise gut geschlagen.

Insgesamt meldete Nvidia für das abgelaufene Quartal ein Umsatzplus von 73 Prozent auf 68,1 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 66,2 Milliarden Dollar gerechnet. Im vorangegangenen Quartal hatte das Wachstum noch bei 62 Prozent gelegen. Der Nettogewinn stieg sogar um 94 Prozent auf 43,0 Milliarden Dollar. Damit kommt Nvidia nun auf eine Gewinnmarge von mehr als 63 Prozent.

Investitionen trotz Sorgen um KI-Blase

Auch für das nächste Quartal bleibt Nvidia optimistisch. Das Unternehmen sagt einen Umsatz von 78,0 Milliarden Dollar voraus, was einem Wachstum von 77 Prozent entsprechen würde.

Nvidia profitiert so sehr wie kein anderes Unternehmen vom gegenwärtigen Investitionsfieber rund um Künstliche Intelligenz. Der Konzern hat bisher eine dominierende Position im Geschäft mit KI-Chips. Zwar sind in der Branche in jüngster Zeit verstärkt Sorgen um eine KI-Blase zu hören. Das hält aber Nvidias Kunden nicht davon ab, in ihre KI-Infrastruktur zu investieren.

Einige der größten amerikanischen Technologiekonzerne haben in den vergangenen Wochen angekündigt, ihre Investitionen in diesem Jahr massiv aufzustocken. Amazon zum Beispiel hat Investitionen von 200 Milliarden Dollar angekündigt, nach 131 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Der Google-Mutterkonzern Alphabet will seine Investitionen von 91 Milliarden auf bis zu 185 Milliarden Dollar erhöhen.

Ein Unsicherheitsfaktor für Nvidia bleibt der chinesische Markt. Hier sieht sich das Unternehmen Exportbeschränkungen gegenüber, wobei sich die Ausgangslage in jüngster Zeit wiederholt verändert hat. Im Dezember errang Nvidia einen Erfolg, als der US-Präsident Donald Trump dem Unternehmen den Verkauf seiner Chipreihe H200 in China erlaubte. Diese Chips gehören zwar nicht zu der jüngsten Modellreihe Blackwell, zählen aber trotzdem zu den leistungsfähigsten Chips, die das Unternehmen im Angebot hat. Die Genehmigung wurde an die ungewöhnliche Bedingung geknüpft, dass Nvidia künftig 25 Prozent seiner Umsätze mit H200-Chips in China als eine Art Exportzoll an die US-Regierung abführt.

Inwiefern dies zu einer Belebung des Geschäfts in China führt, muss sich indessen noch zeigen. Die chinesische Regierung hat das Unternehmen im vergangenen Jahr aufgefordert, Chips von einheimischen Anbietern zu kaufen. Nvidia teilte jetzt mit, es sei noch unklar, ob Importe von H200-Chips in China erlaubt würden. Finanzchefin Colette Kress sagte, im Ausblick für das nächste Quartal seien keinerlei Umsätze aus China berücksichtigt.

Kunden wie Meta und Google wollen Nvidia-Abhängigkeit reduzieren

Nvidias Wettbewerber sind bislang noch weit abgeschlagen, machen aber Fortschritte. Unter den klassischen Halbleiterspezialisten ist Advanced Micro Services (AMD) derzeit der bedeutendste Herausforderer. Erst in dieser Woche kündigte AMD ein größeres Bündnis mit dem Internetkonzern Meta an, die Schätzungen zufolge einen Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar haben könnte. Die Muttergesellschaft von Facebook und Instagram will demnach Chips von AMD kaufen, die einer zusätzlichen Rechenkapazität von sechs Gigawatt entsprechen. Die Vereinbarung sieht vor, dass Meta einen Anteil von bis zu zehn Prozent an AMD bekommt. Meta-Vorstandschef Mark Zuckerberg nannte die Partnerschaft einen wichtigen Schritt, um seine Lieferkette zu „diversifizieren“. AMD hat vor wenigen Monaten schon eine fast identische Allianz mit Open AI geschlossen, dem Entwickler des KI-Programms ChatGPT.

Meta verlässt sich indessen nicht alleine auf AMD und hat auch erst kürzlich eine weitere Allianz mit Nvidia geschlossen. Auch Open AI hat im vergangenen Jahr ein weitreichendes Bündnis mit Nvidia angekündigt. Es ist bislang noch nicht endgültig festgezurrt, und das „Wall Street Journal“ berichtete kürzlich, die Verhandlungen seien ins Stocken geraten. Huang sagte jetzt aber in einer Telefonkonferenz, er glaube, die beiden Seiten seien einer Vereinbarung nahe.

Neben AMD sieht sich Nvidia auch Konkurrenz von anderer Stelle gegenüber. Einige der wichtigsten Kunden, darunter Google, Amazon und Microsoft, entwickeln auch ihre eigenen KI-Chips. Dabei geht es ihnen nicht nur darum, die bisherige Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren, indem sie diese Chips in ihren eigenen Rechenzentren verwenden. Gerade Google versucht derzeit offenbar aber auch verstärkt, seine Chips an andere Unternehmen zu verkaufen. Der Analyst Jacob Bourne von der Marktforschungsgruppe Emarketer sagte: „Das Bild im Wettbewerb verändert sich.“

Das vergangene Quartal war für Nvidia das letzte im Geschäftsjahr 2025/2026 und ging am 25. Januar zu Ende. Für das Gesamtjahr meldete das Unternehmen einen Umsatzsprung um 65 Prozent auf 215,9 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn erhöhte sich um 65 Prozent auf 120,0 Milliarden Dollar.