Nur knapp sieben Euro Gegenwert: Die Mullahs drucken jetzt 10-Millionen-Geldscheine

Nur knapp sieben Euro GegenwertDie Mullahs drucken jetzt 10-Millionen-Geldscheine

23.03.2026, 17:44 Uhr

imageVon Frederik Thrien
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Ältere iranische Banknoten tragen das Porträt von Ruhollah Khomeini, Frontfigur der islamischen Revolution. (Foto: picture alliance / Wolfgang Maria Weber)

Der Krieg kostet das iranische Regime jeden Tag mehr Geld, als es auftreiben kann. Gleichzeitig hungert die Bevölkerung, eine Hyperinflation steht vor der Tür, die Währung stürzt ab. Die Lösung: Ein neuer Geldschein in Rekordhöhe.

Der Krieg trifft das Mullah-Regime mitten in einer ohnehin schon drastischen Wirtschaftskrise. Bereits vor dem US-Angriff war die Inflation im Iran stark angestiegen, zuletzt lag sie knapp unter 70 Prozent. Gegenüber Dollar und Euro wertet die iranische Währung rapide ab. Um mit der Geldentwertung mitzuhalten, druckt die iranische Zentralbank die größte Banknote in der Geschichte des Landes: Zehn Millionen Rial ist sie wert, umgerechnet sind das nicht einmal mehr sieben Euro.

Die iranischen Banken begannen am Montagmorgen mit der Ausgabe der neuen Note. Der Andrang an den Geldautomaten sei groß, berichtet die „Financial Times“. Viele Iraner hätten Angst, dass elektronische Zahlungssysteme ausfallen könnten, ein Großteil der Bankautomaten sei bereits leer. Eine 80-jährige Teheranerin berichtet der Zeitung, dass sie am Bankschalter 30 Millionen Rial erkämpft habe und sich damit „ein paar Tage über Wasser halten“ könne, falls die Debitkarten nicht mehr funktionieren.  

Die Zentralbank verkündete dagegen, elektronische Systeme wie Debitkarten und Online-Banking würden weiterhin Hauptzahlungsmittel bleiben. Die Note sei lediglich eingeführt worden, um den Iranern weiterhin den Zugang zu Bargeld zu gewährleisten. Seit Kriegsbeginn geben die Banken nur noch begrenzt Banknoten an Kunden aus.

Die iranische Regierung plant, innerhalb der kommenden fünf Jahre vier Nullen von Rial zu streichen, um Transaktionen zu vereinfachen und die Druckkosten der Scheine zu senken. Das Design der neuen Banknote deutet das bereits an: Nur die ersten vier Stellen sind fett gedruckt, am unteren Rand weist sie lediglich 1000 Rial aus. Die neue 10-Millionen Rial-Note zeigt die Jameh-Moschee von Yazd aus dem neunten Jahrhundert, auf der Rückseite ist die 2500 Jahre alte Zitadelle von Bam abgebildet.

Druck von allen Seiten

Irans Wirtschaft befindet sich bereits seit Längerem auf Talfahrt: Westliche Sanktionen schneiden die Islamischen Republik fast vollständig vom Handel und Zahlungsverkehr ab, der Ölexport als wichtigste Einnahmequelle ist auf regulärem Weg nahezu unmöglich. Infolgedessen hat sich der Außenwert der Landeswährung binnen eines Jahres nahezu halbiert, die verbleibenden Öl-Einnahmen steckte das Regime größtenteils in sein Militär anstatt in den regulären Haushalt. Die Wirtschaftskrise gipfelte zu Jahresbeginn in den heftigsten Massenprotesten der vergangenen Jahrzehnte. Die Regierung ließ diese Aufstände brutal niederschlagen. Tausende Händler haben seitdem ihre Geschäfte geschlossen – nicht nur aus Protest, sondern auch weil der Handel mit dem rapide an Wert verlierenden Währung immer schwieriger wird.  

Am 27. Februar, einen Tag vor Kriegsbeginn, fiel der Rial auf ein Rekordtief von 1,96 Millionen Rial pro Euro. Heißt: Er ist derart wertlos, dass der Wechselkurs bis zur siebten Nachkommastelle lediglich aus Nullen besteht. Inzwischen hat sich die Währung auf etwa 1,52 Millionen Rial pro Euro erholt. Umgerechnet ist die neue Banknote von zehn Millionen Rial also genau 6,61 Euro wert.

Parallel zum äußeren Währungsverfall steigt die Inflation seit Monaten immer weiter an. Im Februar lag die Teuerungsrate laut der iranischen Statistikbehörde bei 68,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit auf Höchststand seit April 2023. Laut der iranischen Zentralbank sind die Durchschnittspreise für Lebensmittel und Getränke in diesem Zeitraum sogar um fast 100 Prozent gestiegen – um damit doppelt so hoch.

Für einen durchschnittlichen iranischen Haushalt ist ein Brot, zuletzt 142 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, inzwischen zum Luxusgut geworden: Mit fast 33 Millionen Menschen müssen nach Angaben der Weltbank mehr als ein Drittel der Einwohner mit weniger als umgerechnet 8,30 US-Dollar pro Tag auskommen – oder umgerechnet etwa einer der neuen Banknoten.

Quelle: ntv.de