Norwegen: Høiby soll „Vergewaltigung“ noch vor Anklage gegoogelt haben – Panorama

Am dritten Prozesstag in Oslo ging es vor allem darum, die Vorkommnisse an einem Abend im Dezember 2018 zu klären. Die Staatsanwaltschaft wirft Marius Borg Høiby, dem Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, vor, bei einer Party auf Schloss Skaugum, einer Residenz der norwegischen Kronprinzenfamilie, eine schlafende Frau sexuell berührt und gefilmt zu haben. Aufnahmen davon hatte die Polizei auf seinem Handy entdeckt, sie werden vor Gericht als Beweismittel gezeigt.

Er könne sich nur an einvernehmlichen Sex erinnern, hatte der 29-jährige Angeklagte bereits am Vortag vor Gericht gesagt. Und er habe „keinen Sex mit schlafenden Leuten“ gehabt. Auf Nachfragen dazu sagte Høiby nun etwas widersprüchlich, es habe Absprachen mit mehreren Sexualpartnerinnen gegeben. Die Frauen hätten eingewilligt, dass er „weitermachen dürfe“, auch wenn sie erschöpft gewesen seien.

Der Anschuldigung, er hätte die Frau in Skaugum unter Drogen gesetzt, widersprach er Medienberichten zufolge bei seiner Aussage am Donnerstag. Er könne sich nicht daran erinnern, ob das mutmaßliche Opfer eine Einwilligung zu den Aufnahmen gegeben habe, sagte er außerdem. „Ich bin heute unfassbar müde“, soll er der Zeitung Verdens Gang zufolge vor Gericht gesagt haben. Er sitze viel in seiner Zelle und denke nach. Kurz vor Prozessbeginn war er am vergangenen Sonntag festgenommen worden – der 29-Jährige werde des körperlichen Übergriffs, der Drohung mit einem Messer und des Verstoßes gegen ein Besuchsverbot verdächtigt, hatte die Polizei mitgeteilt.

Der Prozess gegen Mette-Marits Sohn wird auch am dritten Tag noch stark medial begleitet, etliche Nachrichtenportale haben einen Newsticker eingerichtet. Høiby muss sich unter anderem wegen des Vorwurfs der vierfachen Vergewaltigung vor Gericht verantworten. In den Vergewaltigungsfällen plädierte er bereits am ersten Prozesstag auf nicht schuldig. Drogendelikte hingegen gab er zu. Auch an jenem Partyabend habe er vermutlich Drogen genommen, sagte er. Am Donnerstag sagte eine weitere Zeugin aus, dass die Partygäste zumindest sehr betrunken gewesen seien.

Noch vor der Anklage gegen ihn soll Høiby Worte wie „Vergewaltigung“ und seinen Namen gegoogelt haben. Er erklärte nach Angaben der Zeitung Verdens Gang, er hätte zuvor Gerüchte über sich selbst gelesen, nach denen er eine Frau vergewaltigt haben soll. Deshalb habe er im Internet nach den Begriffen gesucht. Auch die Frage nach einer Definition von „Missbrauch“ und „Strafe bei häuslicher Gewalt“ soll er in eine Suchmaschine eingegeben haben.