
Über wen reden heute alle?
Emma Aicher. Ihre Silbermedaille am Sonntag in der Abfahrt ging etwas unter, auch bei uns, weil Lindsey Vonn in dem Rennen stürzte. Deshalb: Umso schöner, dass Aicher jetzt noch eine feiern kann, in der Teamkombination mit Kira Weidle-Winkelmann. Die übernahm die Abfahrt, Aicher den Slalom. Und wie: Schneller als Aicher war an diesem Tag keine. Der Rückstand von 0,74 Sekunden, mit dem sie an den Start gegangen war: irgendwo zwischen den Slalomstangen hängengeblieben. Jubelnd fuhr sie in die Arme von Weidle-Winkelmann.
Selbst Mikaela Shiffrin, die wahrscheinlich beste Slalomfahrerin der Welt, konnte nicht mithalten. Sie war mehr als eine Sekunde langsamer als Aicher. In
der Gesamtwertung musste sich das deutsche Team nur den
Österreicherinnen Ariane Rädler und Katharina Huber geschlagen geben.
Und zwar um 0,05 Sekunden. Ein Blinzeln dauert doppelt so lang, kaum vorstellbar. Außer für Aicher. Schon am Sonntag hatte sie Gold um 0,04 Sekunden verpasst. Vielleicht sind die Zeitmessungen am Donnerstag ja auf Aichers Seite, da startet sie im Super-G.
Wer wird heute wichtig?
Johannes Lamparter und seine Disziplin: die Nordische Kombination. Da geht es dieses Jahr nicht nur um Gold, sondern gleich um die olympische Zukunft. Sie haben Fragen? Bei der Nordischen Kombination springen die Sportler erst von der Schanze, dann gibt’s ein paar Stunden später zehn Kilometer Langlauf und am Ende eben einen Sieger. Der Österreicher Lamparter hat als Führender im Gesamtweltcup gute Chancen. Die Deutschen um Vinzenz Geiger haben aber etwas dagegen, genau wie die Norweger, die ja allein wegen des Namens der Disziplin Goldkandidaten sind.
Einig sind sich aber alle darin, dass sie auch bei den Olympischen Spielen 2030 in den französischen Alpen noch antreten wollen. Nur das IOC ist unsicher. Die Nationenvielfalt im Wettbewerb lasse zu wünschen übrig und auch die Zuschauerzahlen seien niedrig. Das IOC sagt, man werde alle „Informationen und Daten von MilanoCortina2026“ in eine Entscheidung einbeziehen: TV-Quoten, Zuschauer vor Ort, Reichweiten von Social Media-Posts, alles zählt.
Und dann ist da noch die Sache mit den Frauen. Die dürfen in der Nordischen Kombination bei Olympia schon jetzt nicht antreten. Es ist die einzige Sportart, die nur für Männer angeboten wird. Und das, obwohl es einen Weltcup der Frauen gibt. Aber auch hier sieht das IOC zu wenig „Universalität“, es brauche „mehr Athletinnen, mehr Nationen“. Wenn Sie also dem Wintersport etwas Gutes tun wollen, schalten Sie heute ab 10 Uhr bei der Nordischen Kombination ein, liken Sie Instagram durch oder motivieren Sie einen Freund aus Australien, es doch mal mit dem Skispringen und Langlaufen zu probieren. Oder noch besser: eine Freundin.
Was machen die Deutschen?
Franziska Preuß tritt jetzt auch im Einzel zu ihren letzten Olympischen Spielen an. Ab 14.15 Uhr über die 15 Kilometer im Biathlon. Und diesmal so richtig. Dreimal ist sie schon bei Olympia gewesen, jedes Mal mit „halber Form“, wie sie in einem ZEIT-Interview erzählt hat. Zum Abschluss wollte sie endlich eine Medaille holen, in der Mixedstaffel am Sonntag klappte das schon, Bronze. Es darf aber auch gerne noch mehr sein.
Finn Sonnekalb steht ganz am Anfang seiner Karriere. Der 18-jährige Eisschnellläufer ist zum ersten Mal bei Olympia dabei. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Bei den Jugendwinterspielen in Gangwon holte er 2024 dreimal Gold. Auch ihn haben wir schon einmal getroffen, vor ziemlich genau einem Jahr. Da war sein Umfeld noch unsicher, ob er schon reif für die Spiele der Erwachsenen sei. Er hingegen wusste schon damals: „Wer mit 18 zu Olympia geht, muss die Großen schon ganz schön ärgern können.“ Heute probiert er es um 18.30 Uhr über die 1.000 Meter.
