Neues Zieldatum ist unklar: Bericht: Fehlerflut sorgt für erneute Verschiebung von Stuttgart 21

Neues Zieldatum ist unklarBericht: Fehlerflut sorgt für erneute Verschiebung von Stuttgart 21

26.02.2026, 15:29 Uhr

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Die Bahnhofs-Baustelle – ein Anblick, den Stuttgarter wohl noch einige Jahre länger aushalten müssen. (Foto: picture alliance / Wolfgang Maria Weber)

Es nimmt kein Ende, zumindest kein nahes: Das Bahnprojekt Stuttgart 21 wird einem Bericht zufolge erneut verschoben, und zwar um mehrere Jahre. Fehlendes Personal, immense technische Mängel, eine Personalentscheidung, die für Skepsis sorgt – die Liste der Probleme ist lang.

Medienberichten zufolge droht dem Bahnprojekt Stuttgart 21 eine weitere jahrelange Hängepartie – allerdings steht weiter kein konkretes Eröffnungsdatum fest. Die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet, dass der neue Stuttgarter Bahnknoten nicht vor 2029 in Betrieb gehen soll. Der SWR beruft sich auf Insider des Projekts, wonach die komplette Inbetriebnahme nicht vor 2030 sein werde. Nach dpa-Informationen wurden die von den Medienberichten genannten Daten in Projektkreisen diskutiert, ein konkretes Datum für die Eröffnung der verschiedenen Teile des milliardenschweren Projekts soll es aber bislang nicht geben.

Dem SWR-Bericht ist zu entnehmen, dass zahlreiche Probleme das Großprojekt weiterhin ausbremsen. Generell bereiten reduziertes Personal bei beteiligten Firmen, deutlich längere Testläufe sowie fehlendes Abnahmepersonal und falsch verbaute technische Anlagen Kopfzerbrechen. Der Hauptgrund sei jedoch die Digitalisierung. Die Bahn hat deren technische Umsetzung deutschlandweit gestoppt – das letzte Pilotprojekt dazu ist Stuttgart 21. Aber auch dort herrscht mindestens Zurückhaltung.

Firmen wie Hitachi müssten die neue digitale Steuerungstechnik erst entwickeln, heißt es gegenüber dem SWR. „Hitachi hat sich ja nur deswegen auf Stuttgart 21 eingelassen, weil man ihnen Folgeaufträge in Aussicht gestellt hat. Aber alle Folgeprojekte wurden gestoppt“, erklärt demnach ein Insider. Und das japanische Unternehmen reagiert. So habe es eine Kündigungswelle gegeben, die Abteilung für digitale Technik sei auf ein Minimum zusammengestrichen worden. Die Deutsche Bahn hat ihrerseits ihre Abteilung für digitale Entwicklung vollständig eingestellt. Da sich das Projekt verzögert, wird es immer teurer, auch für Hitachi.

Prüfer fehlen, Testfahrten verzögern sich

Allerdings soll auch das Management der Bahn keine gute Figur machen – allerdings nicht lokal, sondern im Konzern und der DB InfraGo. Denn Abnahmeprüfer sind dem SWR zufolge derzeit bei den Generalsanierungen eingesetzt und fehlen in Stuttgart. „Das sorgt für enorme Unsicherheiten“, heißt es im Bericht. Auch die Testläufe bei Stuttgart fallen deutlich umfangreicher aus als bisher geplant. „Es kann gut sein, dass wir in den nächsten Monaten mit ausführlicheren Testfahrten beginnen.“

Eine personelle Entscheidung im Konzern nährt die Unsicherheit. So wurde der bisherige Geschäftsführer von Stuttgart 21, Olaf Drescher, vorzeitig in Rente geschickt. Er sei vor Ort als einer der wenigen geschätzt worden, der die Situation zu retten versuchte. Nachfolger wurde Klaus Müller. Er soll angeblich am Projekt „Digitalisierung der Schiene“ wenig Interesse haben.

Auch die Liste der baulichen Defizite ist enorm. „Bei der Sperrung zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen werden aktuell neue Techniken wieder abgebaut“, heißt es gegenüber dem SWR: fehlerhafte Installationen, falsche Kabel, fehlerhafte Kabelschächte. Auch im Tiefbahnhof seien beim Bau der Bahnsteige und bei der Brandschutzanlage massive Fehler gemacht worden. Das alles müsse nun korrigiert werden, heißt es. Der Kopfbahnhof müsse demnach deutlich länger in Betrieb bleiben. Teile von Stuttgart 21 könnten durchaus früher fertig werden. Die Bahn lässt sich allerdings nicht in die Karten gucken. Man bleibe dabei: „Die Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH ist damit beauftragt, bis spätestens Mitte 2026 ein neues Inbetriebnahmekonzept für S21 zu erarbeiten und mit allen Projektpartnern verbindlich abzustimmen“, sagte ein Bahnsprecher dem SWR.

Quelle: ntv.de, als/dpa