Neue Preisregel in KraftWann ist jetzt der günstigste Zeitpunkt zum Tanken?
01.04.2026, 11:15 Uhr
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Es gibt derzeit Beängstigenderes, als an der Zapfsäule ein paar Euro mehr hinzulegen. Die hohen Preise für Benzin und Diesel treiben dennoch um. Seit heute dürfen die Spritpreise in Deutschland nur noch einmal am Tag steigen. Wann sollte man an die Zapfsäule?
Der Krieg gegen den Iran sorgt auch an der Tankstelle für Verdruss. Denn der Konflikt treibt die Kraftstoffpreise in die Höhe. Die Bundesregierung hat deshalb neue Regeln fürs Tanken beschlossen, die seit heute in Kraft sind. Tankstellen dürfen die Spritpreise nun nur noch einmal täglich erhöhen: um 12 Uhr mittags. Preissenkungen sind weiterhin jederzeit möglich. Diese Maßnahme soll die Preisschwankungen bei Diesel und Benzin begrenzen. Ob sie gegen steigende Kraftstoffkosten hilft, ist umstritten.
Im bundesweiten Durchschnitt änderten sich die Spritpreise zuvor bis zu 22 Mal pro Tag. Das kann für Autofahrende und Pendelnde intransparent und ärgerlich sein. Vorbild für die neue Preisregel an deutschen Tankstellen ist Österreich, wo es das Modell der einmaligen Erhöhung pro Tag seit Jahren gibt. Erfahrungswerte von dort zeigen, wann Tanken künftig am günstigsten sein könnte.
Wann ist nun der günstigste Zeitpunkt zum Tanken?
Aufgrund der gesetzlichen Neuregelung verschiebt sich der ideale Zeitpunkt zum Tanken. Besonders der Vormittag vor dem möglichen Erhöhungszeitpunkt dürfte in vielen Fällen der günstigste Moment sein, schätzt der ADAC. Zumindest ist dies in Österreich häufig der beste Zeitpunkt. Eine Stichprobenerhebung des österreichischen Automobilklubs ARBÖ zeigt, dass die Spritpreise in unserem Nachbarland zwischen 10 Uhr und kurz vor 12 Uhr am niedrigsten sind. Zwischen 12 und 14 Uhr ist es dort hingegen in der Regel am teuersten.
Was treibt den Preis in die Höhe?
Zunächst einmal die Grundzutat des Kraftstoffs, das Rohöl. So ist der Preis der Sorte Brent auf über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen. Aber auch der Dollarkurs und die Konjunkturerwartung haben großen Einfluss auf die Kosten für Rohöl.
Ist das der einzige Grund?
Nein, denn den größten Teil der Kraftstoffpreise machen die Steuern aus. Bei Benzin beispielsweise liegt der Energiesteuersatz (die frühere Mineralölsteuer) bei 65,45 Cent je Liter. Beim Diesel sind es 47,04 Cent je Liter. Außerdem wird auf alle Energieträger die Mehrwertsteuer von 19 Prozent fällig. Sie wird auf den Warenpreis sowie die Energiesteuer erhoben. Insgesamt landen damit beim Benzin circa 64 Prozent der Tankrechnung als Steuern beim Staat, wie der ADAC berichtet.
Mit dem Rest werden die eigentlichen Kosten für das Produkt von der Rohölquelle über den Transport und die Weiterverarbeitung bis zur Zapfsäule sowie die CO2-Abgabe bezahlt. Zum Jahresbeginn 2021 war der Emissionshandel für Brennstoffe mit einem fixen CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne gestartet. Der CO2-Preis für klimaschädliche Kraftstoffe bildet sich seit 1. Januar 2026 erstmals durch die Versteigerung von Emissions-Zertifikaten – vorerst in einem Preiskorridor zwischen 55 bis 65 Euro je ausgestoßener Tonne Kohlendioxid. Je nach Nachfrage in den Versteigerungen kann die neue Preisspanne den Sprit verteuern: 2026 könnte die CO2-Abgabe damit maximal um knapp 3 Cent je Liter Benzin und um etwas mehr als 3 Cent pro Liter Diesel im Vergleich zu 2025 steigen.
Wer verdient sonst noch mit?
Wenig überraschend auch die Mineralölkonzerne und die Tankstellenbetreiber, die natürlich einen möglichst hohen Gewinn erzielen möchten. Abgesehen davon bestimmt in der Regel aber nicht der Tankstellenpächter die Preise, sondern die Konzerne. Und hier ist entscheidend, wann der jeweilige Ölkonzern gekauft hat. Die Preisgestaltung ist nicht nur abhängig von dem aktuellen Ölpreis, sondern die Unternehmen haben ihre Ölkontingente zu bestimmten Preisen eingekauft. In aller Regel kaufen die Konzerne ja nicht auf dem Spotmarkt.
Was tut der Staat gegen den Preisanstieg?
Bisher wenig, außer kräftig mitzuverdienen – siehe oben. Am 1. Januar 2026 stieg aber die Pendlerpauschale (Entfernungspauschale) auf einheitlich 38 Cent pro Kilometer für die einfache Strecke, gültig ab dem ersten Kilometer. Diese Neuregelung ersetzte die bisherige Staffelung (30 Cent/38 Cent) und gilt unabhängig vom Verkehrsmittel (Auto, Bahn, Rad) für den Weg zur Arbeit.
Wie lässt sich sparen?
Zum Beispiel, indem man das Auto mal stehen lässt. Wem das nicht möglich ist oder wer darauf keine Lust hat, zahlt entweder mehr oder aber ändert sein Tankverhalten. Denn auch wenn es für den Spritkunden kaum zu erkennen ist, herrscht durchaus Wettbewerb zwischen den Tankstellenbetreibern. Indem die jeweils günstigste Zapfsäule angesteuert wird, lässt sich tatsächlich Geld sparen.
Abgesehen davon hat der ADAC nachfolgende Tipps für Autofahrer auf Lager:
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Fahrweise optimieren: Heißt: flott beschleunigen, rechtzeitig hochschalten (bei einer Drehzahl von circa 2000 U/min) und mit niedrigen Drehzahlen die gewählte Geschwindigkeit beibehalten. Erst dann zurückschalten, wenn der Motor ruckelt oder zu brummen beginnt.
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Vorausschauend fahren: Da Bremsen Energie vergeudet, solange wie möglich die Motorbremswirkung nutzen. Beim Heranrollen an eine rote Ampel also nicht den Gang herausnehmen. Die meisten Autos sind mit einer Schubabschaltung ausgerüstet, die die Kraftstoffzufuhr im Schubbetrieb komplett absperrt. Also frühzeitig vom Gas gehen und den Wagen die letzten paar Hundert Meter bei eingelegtem Gang auf eine Ortschaft zurollen lassen, statt unmittelbar davor abrupt abzubremsen.
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Kurze Strecken vermeiden: Es lohnt sich, das Auto auch mal stehenzulassen. Besonders, wenn man es nicht weit hat. Denn bei kaltem Motor verbraucht der Wagen am meisten Kraftstoff. Um gleichmäßig zu laufen, benötigt zumindest der Ottomotor in der Warmlaufphase ein fetteres Gemisch (mit höherem Kraftstoffanteil) als bei optimaler Betriebstemperatur.
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Motor im Leerlauf ausschalten: Sobald der Motor läuft, verbraucht er Kraftstoff. Auch wenn das Auto nicht fährt – etwa 0,5 bis 1 Liter pro Stunde. Daher: Motor aus, wenn die Leerlaufzeit voraussichtlich länger als 20 Sekunden dauert.
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Unnötige elektrische Verbraucher ausschalten: Elektrische Geräte im Auto wie etwa Steuergeräte, Beleuchtung, Lüfter, Klimaanlage, Sicherheits- und Komforteinrichtungen beziehen ihre Energie aus dem Bordnetz. Die elektrische Energie wird vom Generator bereitgestellt, der vom Verbrennungsmotor angetrieben wird. Folglich kosten eingeschaltete elektrische Geräte und andere Verbraucher Kraftstoff. Beispielsweise führt eine Klimaanlage je nach Fahrzeugmodell, Technik und Einsatzbedingungen zu einem Mehrverbrauch von etwa 0,3 bis 1,5 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer. Eine Standheizung kostet etwa einen Mehrverbrauch 0,2 bis 0,5 Liter pro Stunde.
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Das Gesamtgewicht reduzieren: Jedes Stück mehr im Auto bedeutet mehr Gewicht und kostet Kraftstoff. Egal, ob Getränkekisten oder Kleinkram. Die Ursache für diesen Effekt ist die sogenannte Massenträgheit, also der Energieeinsatz, der erforderlich ist, um eine Masse auf eine höhere Geschwindigkeit zu beschleunigen. 100 Kilogramm Zusatzlast ergeben bis zu 0,3 Liter Mehrverbrauch. Besonders im Stadtverkehr wirkt sich das Gewicht einer Zuladung negativ auf den Spritverbrauch aus. Jedes Anfahren, jede Beschleunigung kostet also extra Sprit. Insbesondere Dachträger, Dachboxen und Fahrradträger erhöhen den Verbrauch signifikant. Grundsätzlich bietet der Transport von Gegenständen wie zum Beispiel Fahrrädern über Heckträger auf einer Anhängerkupplung Verbrauchsvorteile gegenüber dem Transport auf dem Fahrzeugdach. Nach dem Gebrauch sollten aber Dach- und Heckträger ungeachtet dessen wieder abmontiert werden.
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Energiesparreifen nutzen: Der Einfluss der Bereifung auf den Fahrwiderstand ist erheblich. Mit optimierten Reifen können bis zu 0,5 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer sparen. Somit kann sich ein auf den ersten Blick teurer Reifen mit sehr geringem Rollwiderstand über die Nutzungsdauer mehr als amortisieren.
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Auf den richtigen Luftdruck achten: Wenn zu wenig Luft in den Reifen ist, erhöht dies ebenfalls den Verbrauch. Schon ein 0,3 bar verminderter Luftdruck steigert den Rollwiderstand und sorgt somit für unnötigen Mehrverbrauch. Deshalb gilt es, regelmäßig den Reifendruck zu kontrollieren.
Gibt es Hoffnung auf sinkende Preise?
Die gibt es immer. Leider aber keine zuverlässige Vorhersage.
