Ein Restaurant als Entree zu einer Kunstmesse ist mehr als ungewöhnlich, doch gleich geht es von dort mit dem Aufzug in den fünften Stock und danach treppab durch ein ganzes Haus voller Kunst. In Rekordzeit ist es gelungen, die neue Salzburg International Fine Art Fair (SIFAF) als Ersatz für die abgesagte Art & Antique aus dem Boden zu stampfen. Letzterer standen nach fünfzig Jahren die von ihr traditionell während der Osterfestspiele genutzten Säle in der fürstbischöflichen Residenz nicht mehr zur Verfügung.
Eine Initiative von Händlern, die auf den gut etablierten Termin nicht verzichten wollten, nahm einen neuen Anlauf. Die Organisation übernahm mit Wolfgang Pelz ein professioneller Messemacher, der denn auch das wegen besagten Restaurants bekannte Koller-Haus als Domizil ausfindig machte. Das 1181 erstmals urkundlich erwähnte Bürgerhaus am Waagplatz in der Altstadt bietet zwanzig Ausstellern Platz. Anders als zuvor die Art & Antique in den hohen Sälen der Residenz bietet die SIFAF nun Wohnzimmercharme auf verwinkelten Stockwerken mit niedrigeren Decken. Entsprechend konzentriert sich das Angebot an Gemälden und Antiquitäten auf kleinere und mittlere Formate.

Eine der wenigen Ausnahmen offeriert die Galerie Bel Etage mit einem mächtigen Jugendstilschreibtisch, den Georg Klimt, der Bruder von Gustav Klimt, entwarf und mit Kupferreliefs schmückte (36.000 Euro). Wie diese Kunsthandlung, die in einem kleinen Silberkabinett ein prächtiges Kaffeeservice von Dagobert Peche anbietet und auch Mobiliar von Adolf Loos, Josef Hoffmann, Koloman Moser und weiteren Größen der Wiener Zeit um 1900 dabeihat, kommen fast alle Teilnehmer aus Österreich, insbesondere aus der Wien. Für das „international“ im Namen steht vorerst einzig die Schmuckhandlung The Old Treasury aus den Niederlanden mit einer länderübergreifenden Auswahl an Vintageschmuck großer Häuser wie Hermès, Boucheron oder Tiffany & Co.
Schon im obersten Stockwerk klingt der die Messe bestimmende Grundton an: Gesetzt wird er von österreichischer Kunst mit ihren Protagonisten. So haben Wienerroither & Kohlbacher Zeichnungen von Gustav Klimt und Egon Schiele mitgebracht. Silvia Kovacek zeigt neben einer Capri-Vedute, die Franz Alt 1904 aquarellierte (12.000), auch „Melancholie“ von Maria Lassnig in derselben Technik (78.000). Noch des Öfteren begegnet man dieser Künstlerin: Die Galerie bei der Albertina etwa hängte ihr Gemälde mit prominent rotem „Augapfel“ (460.000) zentral an ihrem Stand auf. Unverzichtbar in der Region trifft man gefühlt an jedem zweiten Stand auf Alfons Waldes Motive aus den Bergdörfern um Kitzbühel und bei Freller auf neu aufgetauchte gleich große Vorzeichnungen dazu. Der Händler aus Linz veranschlagt die Papierarbeiten mit zehn Prozent vom Gemälde derselben Darstellung: In Öl liegt die „Auracher Kirche“ bei 850.000 Euro, auf Papier entsprechend bei 85.000.

Nikolaus Kolhammer fährt jede Menge Metallobjekte der Hagenauer- Werkstatt auf, Art-déco-Stücke und auch Jüngeres, wie die Figur eines 1970 entstandenen lebensgroßen „Butlers“ aus vernickeltem Messingblech (38.000), dem man neun von zierlichen Tänzerinnen getragene Likörschälchen aus dem Jahr 1928 (9200) aufs Tablett stellen könnte.
Einige wenige Stücke alter Kunst behaupten sich im Kreis der Moderne, zum Beispiel ein Christuskind aus Mechelen, zu Beginn des 16. Jahrhunderts geschnitzt und noch in seiner rosigen Originalfassung (18.800), das bei Kolhammer & Mahringer neben einer Arbeit von Joan Miró lächelt. Das Fähnlein für die alte Kunst schwingt auch Markus Strassner aus Schärding mit Kunstkammerobjekten wie einem Elfenbeinpokal, den wohl Johann Eisenberger um 1630 drechselte (32.000).
Wie es mit der SIFAF weitergeht, muss sich noch zeigen. Bleibt sie im Koller-Haus, oder sucht sie eine größere Bleibe? Kann man doch noch zurückkehren in die Residenz? Zunächst war die Ablehnung dort mit anstehenden Renovierungsarbeiten begründet worden. Als für diese das Geld fehlte und die Messe sich abermals bewarb, wurde der Denkmalschutz bei der Ablehnung ins Feld geführt. Der hatte freilich jahrzehntelang nichts zu bemängeln und sollte eigentlich Menschen, die tagtäglich mit Kunst umgehen, rücksichtsvolles Verhalten in historischen Räumen zutrauen.
SIFAF, Waagplatz 2, Salzburg, bis 6. April, Eintritt frei
