Nächster Millionen-Transfer: Talentschmiede Stade Rennes liefert

Jeremy Doku, Ousmane Dembelé und Eduardo Camavinga

Stand: 02.02.2026 23:24 Uhr

Jeremy Doku 2023 für 60 Mio zu City, Jeremy Jaquet im kommenden Sommer für 70 Mio zu Liverpool. Stade Rennes bringt immer wieder Riesen-Talente mit Top-Niveau auf den Markt. Was macht der Klub anders als andere?

Auf die Frage, was Jeremy Doku, Ousmane Dembelé und Eduardo Camavinga gemeinsam haben, weiß der geneigte Fußball-Insider natürlich die Antwort: Alle drei stammen aus der Jugendabteilung von Stade Rennes. Was – wie Kenner der internationalen Jugendszene ebensfalls wissen werden – nicht besonders erstaunlich ist. Denn: Stade Rennes ist für seine außergewöhnlich gute Jugendarbeit bekannt.

Die größten der jüngsten Coups des Vereins aus der bretonischen Universitätsstadt: Zur Saison 2023/24 wechselte Jeremy Doku für rund 60 Millionen Euro Ablöse zu Manchester City. In diesem Winter hat Saudi-Klub Al Hilal 30 Millionen Euro für den 18 jährigen Stürmer Kader Meite auf den Tisch gelegt. Damit ist Meite, der seit der U17 in Rennes ausgebildet wurde, der sechstteuerste Verkauf in der Vereinsgeschichte.

Liverpool – 70 Mio für Rennes-Verteidiger

Bald wird er in dieser Rangfolge nur noch Platz sieben einnehmen: Schon jetzt hat der FC Liverpool einen Vertrag mit dem Abwehrtalent Jeremy Jaquet abgeschlossen. Im kommenden Sommer wird der 20-Jährige (mit einem Gardemaß von 1,90 Metern) für insgesamt rund 70 Millionen Euro aus Rennes an die Anfield Road wechseln.

Kader Meite – 30 Millionen für einen 18-Jährigen

Was hat es auf sich mit diesem Klub? Was macht Stade Rennes anders? Warum hat der Verein einen solch augenfällig besseren Output an Klassespielern auf internationalem Niveau als andere?

1998: Französischer Investor übernimmt

Um die Frage zu beantworten, muss man etwas zurückschauen. Als der bretonische Multimilliardär Francois Pinault 1998 den Verein kaufte, steckte er erst einmal viel Geld hinein. Er holte gestandene Spieler von außen, wollte mit Stade auf dem Expressweg in die französische Spitze vorstoßen. Vier Jahre später hatte der gewiefte Geschäftsmann erkannt: So funktioniert es nicht. Er schwenkte um. Und investierte in die Jugendarbeit. Seine Spieler sollten zukünftig im eigenen Stall ausgebildet werden. Und zwar richtig.

Pinault ließ den Worten Taten folgen und investierte in die Jugendarbeit. Die Nachwuchsakademie des Klubs erhielt ab 2002 Jahr für Jahr sieben bis zehn Prozent des Gesamtetat des Vereins. Zum Vergleich: In der Bundesliga liegen diese Etats in der Regel bei maximal vier Prozent.

Mit dem Verkauf von Yoann Gourcuff ging 2006 alles los.

Immer wieder: beste Akademie Frankreichs

Die Geschäfte übergab Pinault kurze Zeit später an seinen Sohn Francois-Henri. Dem gehören als Inhaber und CEO des Kering-Imperiums die Marken Gucci, Balenciaga, Puma – und eben Stade Rennes. Und der Verein entwickelte sich zum echten Devisenbringer. Ab 2006 wurde Rennes‘ Nachwuchsleistungszentrum sechsmal in Folge als beste Akademie des Landes ausgezeichnet. Alleine die Erlöse für Yoann Gourcuff, Stephane Mbia oder Yann M’Vila überstiegen schon damals bei weitem die Kosten für die Ausbildung.

Der Trend war gesetzt und hält bis heute an. Die Ausbildung ist nicht nur sportlich, sondern auch schulisch stark strukturiert: etwa 80 Mitarbeiter betreuen die Talente – von Trainer- und Ausbildungsarbeit bis zur schulischen Begleitung. Die Fédération Française de Football hat Rennes’ Akademie auch in den letzten Jahren wieder als beste Ausbildungsstätte ausgezeichnet (zuletzt 2022/23, 2023/24 und 2024/25).

29 Rennes-Spieler in europäischen Topklubs

Worauf der Verein dabei besonders stolz ist: Die Jugendakademie kann eine 100 Prozent-Bestehensquote im französischen Baccalauréat vorweisen, das dem deutschen Abitur entspricht. Ein wichtiges Prinzip bei den Rot-Schwarzen dabei: Die jungen Spieler erhalten frühzeitig die Chance, sich im Profiteam zu zeigen. Es ist für Rennes-Trainer verpflichtend, die größten Talente schon mit 17 und 18 Jahren in der ersten Mannschaft einzusetzen.

10 Stars aus der Jugend von Stade Rennes
Spieler Aktueller Verein bei Stade Rennes Erlös für Rennes
Desiré Doue

Paris Saint-Germain

2021-24

50 Mio Euro

Ousmane Dembélé

Paris Saint-Germain

2010-16

37,5 Mio Euro

Eduardo Camavinga

Real Madrid

2013-21

30 Mio Euro

Mathys Tel

Tottenham Hotspur

2020-22

20 Mio Euro

Georginio Rutter

Brighton & Hove

2017-21

750.000 Euro

Sacha Boey

Bayern München

2014-21

5,65 Mio Euro

Lesley Ugochukwu

FC Burnley

2012-22

27 Mio Euro

Jeremy Doku

Manchester City

2020-23

60 Mio Euro

Kader Meite

Al Hilal

2022-26

30 Mio Euro

So bekommen die jungen Spieler Einsatzzeiten, können sich bewähren, lernen und vor allem: Sie können sich zeigen. Das Resultat: 29 Spieler, die bei Rennes ausgebildet wurden, stehen aktuell (2025/26) bei anderen Vereinen in den Top-5-Ligen Europas unter Vertrag.

Und Talente, die den Sprung in Rennes erste Mannschaft schaffen, können sich mittlerweile einer Sache sicher sein: Sie werden gesehen. Einige von ihnen werden einen ähnlichen Weg gehen wie Jeremy Doku, Ousmane Dembelé und Eduardo Camavinga.