Nachruf auf James van der Beek: Dawsons Fenster bleibt jetzt zu – Medien

Meistens begannen Episoden von „Dawson’s Creek“ so: Ein paar Ruderschläge im Wasser, ein paar Tritte auf der Leiter, dann ein leises Knarzen, und das Fenster zu Dawson Leerys Jugendzimmer geht auf. Herein krabbelt Joey, das traurige, arme Mädchen von der anderen Seite der Bucht. Dawson ist ihr bester Freund, ihre heimliche Liebe. Aber der sah sie nur als Freundin, dachte immer mehr ans Filmemachen als an sie, irgendwann auch an eine andere. Die nie ganz zur Erfüllung kommende Jugendliebe zwischen Joey und Dawson war das zentrale Drama der Serie.

Nun bleibt Dawsons Schiebefenster für immer zu. James van der Beek, der diese ikonische Figur des US-Jugendfernsehens spielte, ist gestorben. Er wurde nur 48 Jahre alt, aber den Kampf gegen den Krebs kann man auch in relativ jungen Jahren verlieren. Van der Beek machte seine Krankheit Ende 2024 öffentlich.

In der sehr erfolgreichen Jugendserie „Dawson’s Creek“ spielte James van der Beek die Titelrolle. Dawson Leery war ein hübscher Junge mit glücklichen, finanziell stabilen Eltern. Er liebte Filme, Steven Spielberg war sein Vorbild, Dawson ging noch zur High School, führte aber schon im Kopf das geistige Leben eines Regisseurs. Er war ein typischer, privilegierter Provinz-Jugendlicher. Aber eben kein Football-Quarterback, die klassische männliche Hauptrolle in US-Teenagerfilmen. Dawson war ein Träumer, ein Kreativer. Einer, der am Rand der Mitte der High-School-Hackordnung stand, weder Außenseiter noch Star.

Die nachdenkliche Gang aus „Dawson's Creek“: Katie Holmes, James Van Der Beek, Michelle Williams und Joshua Jackson.
Die nachdenkliche Gang aus „Dawson’s Creek“: Katie Holmes, James Van Der Beek, Michelle Williams und Joshua Jackson. (Foto: Getty Images/Warner Bros.)

Und so war auch „Dawson’s Creek“ etwas Neues im amerikanischen Fernsehen: eine sehr, manchmal zu ernsthafte Serie über die Probleme junger Leute, die sich außerordentlich gut ausdrücken konnten. Sie spielte im fiktiven Capeside, einem idyllischen Küstenort in der Nähe von Boston. Aber ihr Sehnsuchtsziel war immer Hollywood – für Dawson. Und Harvard für die schlaue Joey. Die Serie fing etwas ein, was Jugend ausmacht: Das Gefühl, dass das Leben erst noch anfängt. Hoffentlich.

An der Seite von van der Beek spielten Katie Holmes (Joey), Joshua Jackson und Michelle Williams. Von diesen dreien ist Williams heute die Erfolgreichste, aber alle kamen zu einigem bleibenden Ruhm nach „Dawson’s Creek“. Obwohl, oder vielleicht auch gerade, weil er die Hauptrolle spielte, hatte es van der Beek am schwersten. Er bekam Rollen in Teenagerfilmen wie „Varsity Blues“ (in dem er dann doch einen High-School-Footballer gab) und „Scary Movie“. In „Rules of Attraction“ (2002) spielte er den kleinen Bruder von „American Psycho“ Patrick Bateman. Danach folgten Rollen in Fernsehserien, Gastauftritte, ein kleiner Part als Anästhesist in „Downsizing“ mit Matt Damon.

Van der Beek hangelte sich so durch, hatte man den Eindruck, schien aber sehr glücklich mit seiner Familie; er hinterlässt seine Frau Kimberly und sechs Kinder. Für die Hinterbliebenen van der Beeks setzten Freunde eine Spendenkampagne auf, die in den Stunden nach James‘ Tod bereits eine Million Dollar einsammelte. Das Vermögen der Familie sei weg, die hohen Kosten der Krebs-Behandlung hätten es aufgezehrt. Die van der Beeks waren vor einigen Jahren aus Los Angeles weggezogen nach Texas. Weit weg vom Trubel Hollywoods und weit weg von der Ostküsten-Idylle Capesides. Und doch: James van der Beek wird wohl in den Augen der Welt immer der junge, hoffnungsfrohe Dawson sein. „Van der Beek“ ist Niederländisch und bedeutet: Bach, also: „Creek“.