Auf dem Bahn-Sicherheitsgipfel in Berlin beschlossene Maßnahmen sollen Mitarbeiter der Deutschen Bahn besser schützen. Bahn-Chefin Evelyn Palla will noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt auch im Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausstatten. Zusätzlich soll ein bereits vorhandener Hilferufknopf weiter entwickelt werden. Mit diesem können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gefahrensituationen schon jetzt unauffällig die Leitstelle informieren, damit diese etwa Polizei oder Rettungskräfte am nächsten Bahnhof alarmieren kann.
Des Weiteren möchte die Bahn 200 zusätzliche Sicherheitskräfte einstellen, die die bislang vorhandenen 4000 unterstützen sollen. Ab dem 1. März dürfen Zugbegleiter außerdem nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie neben dem Ticket auch den Personalausweis kontrollieren. Dadurch sollen potenzielle Konfliktsituationen mit Fahrgästen vermieden werden.
An dem Sicherheitsgipfel nehmen seit dem Morgen Vertreter von Bund und Ländern sowie Gewerkschaften, Verbänden und den Aufgabenträgern für den öffentlichen Nahverkehr teil. Er wurde nach dem tödlichen Angriff auf einen 36 Jahre alten Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz einberufen. Der Fall sorgte bundesweit für großes Entsetzen. Der Zugbegleiter wurde von einem Fahrgast angegriffen, der kein Ticket hatte und daher des Zuges verwiesen werden sollte. Dabei erlitt der 36 Jahre alte Bahnangestellte so schwere Kopfverletzungen, dass er im Krankenhaus starb. Der mutmaßliche 26 Jahre alte Angreifer sitzt in Untersuchungshaft.

:„Wenn du Bahnvorstand bist, dann musst du Schmerzen lieben“
Beim Live-Event der SZ diskutieren Experten über das „Abenteuer Deutsche Bahn“. Es wird häufig gelacht, allerdings sind es bittere Witze über die Bahn. An diesem Abend zeigt sich aber auch, dass es Hoffnung gibt.
Für den Nahverkehr hatte die DB-Regio bereits am Donnerstag in einem Schreiben, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, verpflichtende Bodycam-Schulungen für Tausende Kundenbetreuer im Nahverkehr angekündigt. Außerdem werden Bodycams nun nicht mehr nur auf Nachfrage gekauft, sondern in großer Stückzahl auf Vorrat bestellt. „Wir haben den kompletten Markt leer gekauft“, sagte Ralf Damde, Gesamtbetriebsratschef von DB Regio. Wie im Fernverkehr soll auch bei der DB Regio die Nutzung der Kameras freiwillig bleiben.
Palla nimmt mit der Ausweitung des Einsatzes von Bodycams eine Kernforderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf. Diese fordert flächendeckend den Einsatz von Bodycams mit Tonaufnahme. Damit sollen auch verbale Übergriffe auf Mitarbeiter besser dokumentiert und nachverfolgbar werden. Die EVG dringt zudem darauf, dass künftig flächendeckend stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets kontrollieren statt wie bisher oft nur einer.
Den Angaben der Bahn zufolge gab es im vergangenen Jahr insgesamt etwa 3 000 körperliche Übergriffe auf Beschäftigte des eigenen Konzerns. Das war zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Doch das Sicherheitsgefühl innerhalb der Belegschaft habe sich deutlich verschlechtert, betonte die EVG und verweist auf eine eigene Umfrage unter rund 4 000 Mitarbeitenden aus dem vergangenen Jahr.
