Die Vertreter des FC Bayern München staunten nicht schlecht, als sie am Dienstagvormittag, Stunden vor der Partie bei Real Madrid, die Sicherheitsbesprechung aufsuchten. Der Einsatzleiter der spanischen Polizei war, so Zeugen, in voller Montur erschienen. Sprich: in der größtmöglichen Panzerung, die ein Cop-Shop so hergibt, dazu trug er Kampfstiefel. Im Nachhinein ließ sich der Auftritt als Ansage deuten. Denn am Mittwoch zirkulierten Bilder vom Einlass der Bayern-Fans, die von roher und vor allem grundloser Gewalt zeugten.
Die Reporter der Telecinco-Sportsendung „El Desmarque“ filmten, wie behelmte Einsatzkräfte der Policía Nacional Bayern-Fans, die hinter Metall-Absperrgittern auf den Einlass warteten, einschüchterten, schubsten, aus der Menge zogen, vereinzelt mit Schlagstöcken traktierten, ohne dass ansatzweise ein Anlass erkennbar gewesen wäre. Auf einem Bild ist zu sehen, wie ein Mann am Kopf blutet; wie es zur Verletzung kam, war nicht zu erkennen. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Jan-Christian Dreesen, zeigte sich entsetzt, als er „nach einer wunderbaren Champions-League-Nacht“ von „den völlig überzogenen Übergriffen der spanischen Polizei gegen unsere Fans“ Kenntnis erlangt hatte.
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„Dieses Vorgehen gegen unsere sich friedlich verhaltenden Anhänger ist nicht nachvollziehbar und nicht akzeptabel. Es kann nicht sein, dass ein derartiges Verhalten der Polizei mittlerweile bei Auswärtsspielen in Europa fast schon zur Normalität gehört“, fügte Dreesen hinzu. Erst im November hatte der FC Bayern am Rande des Auswärtsspiels bei Paris Saint-Germain gegen „beispiellose“ und „ungeheuerliche“ Polizeimaßnahmen juristische Schritte eingeleitet. Die Polizeipräfektur der französischen Hauptstadt hatte in letzter Sekunde eine Verfügung erlassen, wonach sich die Busse mit Bayern-Fans an einer Mautstelle vor den Toren der Stadt zu sammeln hatten. Dort gab es – unter anderem – weder Versorgungsmöglichkeiten noch sanitäre Anlagen.
Im Stadion selbst blieb es am Dienstagabend ruhig; und das war fast schon eine Nachricht. In der Halbzeit der Partie, die den FC Bayern in der Saison 2016/17 ins Estadio Santiago Bernabéu führte, war es noch zu gewalttätigen Übergriffen der spanischen Polizei gegen Bayern-Fans gekommen. Damals wurde von Opfern eine Klage eingereicht, die Staatsanwaltschaft schaffte es allerdings, die Ermittlungen über Jahre hinweg zu verschleppen und das Verfahren schließlich einzustellen. Der Antrag des Opferanwalts Marco Noli, ein Strafverfahren gegen die beteiligten spanischen Polizeibeamten in Deutschland anzustrengen, wurde von der Staatsanwaltschaft in München erst eingeleitet und sofort wieder eingestellt.
In der Begründung, die der SZ vorliegt, hieß es, dass weitere Ermittlungen „ohne Mitwirkung der spanischen Strafverfolgungsbehörden (…) nicht erfolgversprechend“ seien. Gleiches gelte für die Aussicht, Antworten auf neue Rechtshilfeersuchen zu erhalten. Der Aufforderung eines Opferanwalts, eine offizielle Reisewarnung für Spanien auszusprechen, kam das Auswärtige Amt nicht nach. Der Anwalt hatte seinerzeit argumentiert, dass man als deutscher Fußballfan in Spanien unrechtmäßiger Polizeigewalt und gleichzeitig „systembedingter Straflosigkeit der handelnden Beamten“ ausgesetzt sein könne. Was offenkundig weiterhin zutrifft.
