München: OB Reiter nach Wahlniederlage krankgeschrieben – Nachfolger Krause übernimmt schon früher

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter ist einen Tag nach seiner Wahlniederlage krankgeschrieben. Auch seine Social-Media-Profile hat er gelöscht. Der grüne Wahlsieger soll bereits kommissarisch im Rathaus übernehmen.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geht nach seiner überraschend deutlichen Wahlniederlage auf Tauchstation. Einen Tag nach der gegen seinen Herausforderer Dominik Krause (Grüne) verlorenen Stichwahl hat er seine Profile in den sozialen Medien gelöscht. Er wird vorerst auch nicht mehr ins Rathaus zurückkehren.

„Oberbürgermeister Dieter Reiter wird die Amtsgeschäfte aus gesundheitlichen Gründen bis auf Weiteres nicht wieder aufnehmen“, teilte die Stadt mit. Der 67-Jährige sei krankgeschrieben. „OB Reiter hat das Ende seiner politischen Karriere erklärt und die genannten Social-Media-Kanäle deaktiviert“, sagte ein Sprecher der Stadt außerdem. Die Profile auf Facebook und Instagram, auf denen Reiter sich in den vergangenen Wochen im Wahlkampf gezeigt hatte, waren am Montag nicht mehr abrufbar.

Wahlsieger Krause wird nach Angaben der Stadt Reiters Vertretung und damit die Amtsgeschäfte übernehmen. Der 35-Jährige, der bislang Zweiter Bürgermeister war, wird offiziell erst am 1. Mai das Amt des Münchner Oberbürgermeisters antreten. Dann soll „der organisatorische Übergang, einschließlich Aus- und Einzug in die entsprechenden Büros“ stattfinden, wie der Sprecher mitteilte. Bis dahin wäre Reiter eigentlich noch OB. Krauses offizielle Amtseinführung ist laut Stadt am 11. Mai geplant.

Krause gewann deutlich mehr Stimmen in der Stichwahl hinzu

Am Sonntagabend hatte Reiter in der Stichwahl überraschend deutlich gegen seinen Herausforderer Krause verloren. Er bekam nur 43,6 Prozent der Stimmen, Krause 56,4 Prozent. Damit muss Reiter, der eine dritte Amtszeit angestrebt hatte, den Chefsessel im Münchner Rathaus nach zwölf Jahren räumen. Krause ist schwul, warb für ein „weltoffenes und buntes München“ und bezeichnete sich schon mal als „Bürgaymeister“.

Für Krause stimmten in der Stichwahl 104.523 Menschen mehr als noch im ersten Wahlgang am 8. März. Damals hatte er 168.010 Stimmen bekommen, zwei Wochen später waren es 272.533. Reiter kam im ersten Wahlgang auf 203.113 Stimmen und im zweiten auf 211.075. Damit gewann er nur 7.962 Stimmen dazu. Krause war es den Zahlen zufolge also deutlich besser gelungen, im Endspurt Wähler zu mobilisieren.

Reiter war vor der Wahl unter anderem wegen seiner nicht vom Stadtrat genehmigten Tätigkeit für den FC Bayern und seinem Umgang damit massiv in die Kritik geraten. „Ich hab’s verbockt“, kommentierte Reiter das Wahlergebnis. Es sei seine Schuld, betonte er. „Es war mir eine Ehre, hier in dieser Stadt Oberbürgermeister sein zu dürfen.“ Noch am Abend kündigte er das Ende seiner politischen Laufbahn an: „Das war’s von mir.“

dpa/sebe