Diesmal hatte Philipp Raimund keinen Grund, seine Freude herauszuschreien. Nach einem Wettkampf, der längst nicht so glanzvoll für die deutsche Mixed-Mannschaft verlaufen war wie Raimunds Wettkampf tags zuvor. Raimund, der Überraschungs-Olympiasieger von der Normalschanze, ärgerte sich vielmehr mit seinen Skisprungkolleginnen und -kollegen über eine ziemlich unnötig verpasste Medaille. Raimund, Selina Freitag, Agnes Reisch und Felix Hoffmann hatten am Ende ihrer insgesamt acht Sprünge gerade mal 1,2 Punkte oder umgerechnet 60 Zentimeter Rückstand auf Japan, das Bronze gewann. Silber sicherte sich Norwegen, das allerdings ebenfalls chancenlos war gegen den neuen Olympiasieger Slowenien.
Mit einem Vorsprung von mehr als 30 Punkten distanzierten die Geschwister Domen und Nika Prevc, Anze Lanisek und Nika Vodan
Norwegen – und ließen ihren eher durchwachsenen Olympiastart hinter sich, als die große Favoritin Nika Prevc von der Normalschanze nur Silber gewann und ihr Bruder Domen bei Raimunds Flug zu Gold gar eine Medaille verpasste. Nun hat auch Domen Prevc seine erste Medaille bei Winterspielen gewonnen, Nika und die bereits zurückgetretenen Cene und Peter hatten es ihm vorgemacht.
Für die DSV-Auswahl blieb dagegen nur Blech, auch weil Selina Freitags erster Sprung auf 91,5 missglückte. „Keiner hat hier Schuld, es gab einfach drei bessere Teams. Selina war logischerweise nicht gut drauf nach dem Wettkampf, klar haben wir sie dann auch getröstet“, sagte Raimund.
Raimund feierte seinen Olympiasieg am Vorabend auf dem Hotelflur und beklagt eine „bescheidene“ Nacht
Bereits nach dem ersten Durchgang war das DSV-Quartett mit 502,1 Punkten nur auf Platz vier gelegen, Bronze war aber noch in Reichweite, bei rund vier Metern Rückstand auf die drittplatzierten Norweger um Einzel-Olympiasiegerin Anna Odine Stroem und Marius Lindvik. Die führenden Slowenen und Japan waren schon da zu weit enteilt.
Raimund, der selbst auf 98 und 102,5 Meter kam, haderte mit seinem kurzen Schlaf: „Meine Nacht gestern war ziemlich bescheiden. Mein Kopf hat einfach keine Ruhe gegeben, mein Körper hat angefangen, einfach nur noch weh zu tun, weil die ganze Anspannung abgefallen ist. Die Beine sind wesentlich leerer als gestern.“ Raimund hatte mit den anderen Springern in der Nacht auf Dienstag noch im Hotelflur auf seinen unverhofften Olympiasieg angestoßen – die Zimmer waren schlicht zu klein. Die Flurparty war aber schnell vorbei, auch weil am nächsten Morgen um 10 Uhr schon wieder ein Aktivierungstraining anstand.
Felix Hoffmann lieferte dann am Dienstag die beste Leistung bei den Deutschen ab, Agnes Reisch zeigte ordentliche Sprünge. Der Mixed-Wettkampf, der seit 2022 in Peking im olympischen Programm ist, bringt ihnen aber auch weiterhin kein Glück. Schon vor vier Jahren hatte die DSV-Mannschaft eine Medaille verpasst, damals auf noch bitterere Art und Weise. Weil Katharina Schmids (damals Althaus) Anzug nicht regelkonform war, wurde sie disqualifiziert, die Deutschen landeten am Ende auf Platz zehn. Nun war die Fahnenträgerin Schmid gar nicht erst fürs Mixed nominiert, nachdem sie im Einzel von der Normalschanze nur die drittbeste DSV-Springerin gewesen war.
Raimund wollte am Abend trotz der knapp verpassten Medaille ein wenig feiern gehen. Um sich danach mit dem deutschen Team auf die Wettbewerbe auf der Großschanze zu konzentrieren. Dort gibt es für sie nur ein Ziel: Familie Prevc noch ein wenig zu ärgern.
