Mitten im Schiffbruch – über den katastrophalen Kriegswinter in der Ukraine – Kultur

In einem seiner kanonischen Bücher, Schiffbruch mit Zuschauer, überlegt der deutsche Philosoph Hans Blumenberg über die Rolle des Menschen, der – selbst unbetroffen – einer Katastrophe zuschaut, die als Metapher natürlicher, sozialer oder ästhetischer Zustände gedeutet wird. Ob Meeressturm oder Bürgerkrieg, Revolution oder Trauerspiel – der Betrachter schaut zu, befangen von Ratlosigkeit, Schrecken, Mitgefühl oder ja, auch Glückseligkeit eines Subjekts, das sich außerhalb des Überlebenskampfes zu positionieren vermochte. Wird der Schiffbruch als Metapher für interne, existenzielle Angelegenheiten betrachtet – und das Leben ist eh ein Desaster –, so wird auch der Zuschauer zum Schiffbrüchigen, der sich immer wieder mit Balken der Sprache herauszuretten versucht und sich selbst beim Scheitern zuschaut. Der Philosoph überlegt über diese höchst komplexe Metapher mit mehreren Denkern, von Homer bis Wittgenstein, deren Texte nicht immer ins Ukrainische übertragen sind. An dieser Übersetzung arbeite ich.