Milka Alpenmilch ist „Mogelpackung des Jahres 2025“

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Mogelpackungen: Diese Hersteller tricksen besonders dreist (4 Min)

Stand: 21.01.2026 10:57 Uhr

Für die Abstimmung der Verbraucherzentrale Hamburg standen fünf Produkte zur Wahl, die durch besonders dreiste versteckte Preiserhöhung aufgefallen waren. Mit klarem Votum belegt Milka Alpenmilch Platz 1.

Mit eindeutigem Ergebnis haben Verbraucherinnen und Verbraucher die Milka Alpenmilch Schokolade zur „Mogelpackung des Jahres 2025“ gewählt. Zwei Drittel der abgegebenen Stimmen (23.165 Stimmen, 66,7 Prozent) entfielen auf die Schokoladentafel des Konzerns Mondelez. Ein Rekordvotum in der zwölfjährigen Geschichte der Wahl: Noch nie erreichte ein Produkt einen so hohen Stimmenanteil. Insgesamt wurden 34.731 Stimmen abgegeben.

Preiserhöhung von 48 Prozent, reduzierte Füllmenge kaum erkennbar

„Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben ihrem Ärger mit großer Deutlichkeit Luft gemacht“, so Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Die subtile Reduzierung der Füllmenge bei Milka empfinden viele als dreiste Mogelpackung. Das Abstimmungsergebnis ist ein Denkzettel, wie man ihn deutlicher kaum geben kann.“

Die Schokoladentafel Alpenmilch der Marke Milka wurde Anfang des Jahres 2025 dünner und gleichzeitig teurer: Die Füllmenge pro Tafel sank von 100 auf 90 Gramm, während der Preis von 1,49 Euro auf 1,99 Euro stieg. Das entspricht einer Preiserhöhung von mehr als 48 Prozent. Die reduzierte Füllmenge ist aber laut Verbraucherschützern kaum erkennbar, da die Verpackung nahezu unverändert geblieben ist. Auch andere Schokoladensorten von Milka waren davon betroffen.

„Mogelpackung des Jahres 2025“: Das Ergebnis

Eine Tafel Schokolade, eine Fertigbackmischung, eine Packung Müsli, ein Nudel-Fertiggericht und eine Packung mit Kaffeesticks

Fünf Produkte fielen durch besonders dreiste Preiserhöhungen auf.

Neben der Schokoladentafel von Milka standen vier weitere Produkte zur Wahl. So verteilen sich die abgegebenen Stimmen auf die übrigen nominierten Produkte:

  • Käse-Streusel Backmischung von Dr. Oetker (7.666 Stimmen, 22,1 %): Der Hersteller verkauft die Backmischung als neues Produkt, obwohl sich an der Rezeptur kaum etwas geändert hat. Die Packung enthält nur noch 370 Gramm statt 730 Gramm. Damit steigt der Preis bezogen auf die Füllmenge um knapp 90 Prozent.
  • XXL Schoko-Hafer-Müsli von Kölln (2.060 Stimmen, 5,9 %): Statt als „Vorratspack“ wird das Produkt jetzt als „XXL Pack“ verkauft, dabei reduziert sich die Füllmenge von 1.700 auf 1.050 Gramm. Der Preis im Handel sinkt zwar, unterm Strich kostet das Müsli aber 30 Prozent mehr.
  • 3in1 Classic Kaffeesticks von Jacobs (1.692 Stimmen, 4,9 %): Die Anzahl der Sticks pro Packung bleibt gleich, doch sie enthalten weniger Kaffeepulver (12 statt 18 Gramm). Gleichzeitig stieg der Verkaufspreis bei vielen Händlern von 2,69 Euro auf 2,79 Euro. Bezogen auf die Füllmenge ist das eine Preissteigerung von 56 Prozent.
  • Penne Pomodoro Mozzarella von Knorr (148 Stimmen, 0,4 %): Die Packung enthält zwar mehr Inhalt (181 statt 163 Gramm), der Preis wurde aber von 1,39 Euro auf 1,99 Euro erhöht. Das ist ein Plus von 29 Prozent.

Verbraucherschützer gehen juristisch gegen Mondelez vor

Für die Verbraucherzentrale Hamburg ist der Fall Milka mit dem Negativpreis noch nicht beendet. Im April treffen sie und die Mondelez Deutschland GmbH vor dem Landgericht Bremen aufeinander. Dort soll geklärt werden, ob die Reduzierung der Füllmenge für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur ärgerlich ist, sondern auch irreführend war. Das Gericht soll entscheiden, ob auch im juristischen Sinne eine Täuschung vorliegt.

Verbraucherzentrale fordert verbindliche Vorgaben für mehr Transparenz

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens sieht die Verbraucherzentrale Hamburg weiterhin politischen Handlungsbedarf und fordert verbindliche Regelungen für mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen. „Die notwendige Transparenz entsteht bislang überwiegend durch die Arbeit der Verbraucherzentrale, durch das systematische Erfassen und Veröffentlichen von versteckten Preiserhöhungen in unserer Mogelpackungsliste“, kritisiert Verbraucherschützer Valet.

Deutschland hinkt beim Schutz vor Shrinkflation bislang hinterher. In anderen Ländern gibt es bereits verbindliche Vorgaben, um versteckte Preiserhöhungen einzudämmen. In Österreich und Frankreich sind Händler verpflichtet, entsprechende Hinweise am Regal zu platzieren. In Brasilien müssen Unternehmen sogar direkt auf der Verpackung über verringerte Inhalte informieren.

77 neue Produkte auf der Mogelpackungsliste

Die Verbraucherzentrale Hamburg führt seit Jahren eine sogenannte Mogelpackungsliste. Konsumenten können dort per E-Mail auch eigene Beobachtungen melden. 2025 wurde die Liste um 77 neue Produkte erweitert, das ist die zweithöchste Zahl seit Beginn der Erhebungen. Die durchschnittliche versteckte Preiserhöhung der Produkte lag bei 28,4 Prozent.

Eine Flasche Granini Orangensaft, im Hintergrund sind eine Dose Gewürzsalz, eine Packung Eiscreme, Waffelgebäck und eine Duschcreme zu sehen.

Weniger Inhalt bei meist höherem Preis: Fünf Produkte fielen durch besonders dreistes Mogeln auf. Gekürt wurde ein Orangengetränk.

Einkaufsszene im Supermarkt: Eine Frau geht mit einem Einkaufskorb durch einen Gang mit unterschiedlichen Produkten.

Einige Hersteller tricksen, damit erhöhte Preise nicht sofort auffallen. So erkennen Verbraucher Mogel- und Luftpackungen.