Meme von Außenminister Johann Wadephul: Dieser Pinguin glaubt noch an Europa – Medien

Es sind nur zwei Worte. „But why?“ Warum, das fragt sich Extrem-Filmemacher und Teilzeit-Naturforscher Werner Herzog in seiner Dokumentation „Begegnungen am Ende der Welt“, entscheidet sich ein Pinguin, seine Lebensgrundlage und seine Kolonie hinter sich zu lassen und wie besessen ins Landesinnere zu rennen? Dort wartet, so sagt es Herzog, nur der sichere Tod. Also: warum?

Vielleicht liegt es an ihrem aufrechten Gang, an den Armen ähnelnden Flügeln, an ihrem regen Sozialleben, dass der Mensch sich gern mal im Pinguin wiedererkennt. Zumindest in diesem einen Pinguin aus der fast zwanzig Jahre alten Doku, der schon Zuschauer auf der ganzen Welt bewegt hat. Da ist diese idiotische Hoffnung, dass man nicht einfach nur die Orientierung verloren hat. Dass es einen Grund gibt, warum man, wider aller Vernunft, in die falsche Richtung sprintet. Dass man etwas weiß, was die anderen nicht wissen. Dass man verstanden hat: Um weiterzukommen, muss man Risiken eingehen, Neues wagen.

Sicherheit, Recht, Frieden, Respekt? For sure.

Erklärungsansätze für das ungewöhnliche Verhalten gibt es im Reich der Meme-Kultur bereits einige: Im Weißen Haus ist man sich sicher, der Pinguin wolle mit Donald Trump zusammen Grönland übernehmen. Bei 1860 München rennt er todesmutig in Richtung einer Vertragsverlängerung. Und auch das deutsche Außenministerium hat sich auf Instagram nun auch an einer Deutung versucht.

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Mit einem Rucksack beladen, auf dem die Gesichter von Friedrich Merz, Emmanuel Macron und einem Mann, der an den britischen Premier Keir Starmer erinnert, prangen, macht sich ein KI-Pinguin auf den Weg ins Gebirge. Und wieder fragt Werner Herzogs Stimme: But why? Die Antwort folgt in Form eines rasanten Zusammenschnitts von Fliegerbrillen-Macron und Außenminister Johann Wadephul, die all die Vorzüge Europas aufzählen. Loyalität? For sure. Wettbewerbsfähigkeit? For sure. Sicherheit, Recht, Frieden, Respekt? For sure. Von Keir Starmer hat man wohl keine passenden Zitate gefunden.

Das Gebirge ist selbstverständlich auch nicht irgendein Gebirge. Es könnten wohl die Alpen sein, vielleicht auch die Pyrenäen. Auf jeden Fall sind es europäische Berge, das erkennt man nicht an Flora und Fauna, sondern an den gelben Sternen, die sich in Kreisen über die blau angepinselten Felswände ziehen. Unterlegt wird das Video mit einer Orgelversion des Songs „Lʼamour toujours“.

Ja genau, das war dieser Sylt-Song, den auch die AfD für ihre „Ausländer raus“-Parolen entfremdet. In seiner Orgelvariante, eingespielt in einer Hamburger Kirche, hat das Lied eine ganz andere, heroische Wirkung: Plötzlich scheint alles machbar zu sein, für Macron, für Wadephul, und auch für den Pinguin. Der hebt kurzerhand einfach ab und fliegt über die Gebirgskette hinweg, Europa (und KI) sei Dank.

Pinguine sind faszinierende Tiere. Irgendwie sehen sie lächerlich aus, wie sie über das Eis wackeln, die Flügelflossenarme ungelenk zur Seite ausgestreckt, der Körper ein unförmiger Sack aus Fett und Federn. Und gleichzeitig sind sie wahre Überlebenskünstler, werden im Wasser zu wendigen Jägern, trotzen den widrigsten Wetterbedingungen. Vielleicht sind wir Menschen wirklich gar nicht so anders, auf dem Weg zu unserem eigenen Berg, ins Innere des Kontinents. Ob Europa dieses Risiko wert ist? For sure.