Meine IT zwischen US Tech Bros und Zero-Kilometer – Wissenschaft, Kulturen, Gesellschaften

Seit knapp einem Jahr versuche ich ernsthaft, mich informationstechnisch etwas zu diversifizieren, soll heissen, weg von den grossen US Tech Brothers. Das ist jetzt im Trend. Was bei Nahrungsmittel schon seit vielen Jahren gilt – „Null-Kilometer-Produkte“ – beginnt sich jetzt langsam auch im IT-Bereich durchzusetzen. Warum sollen meine Daten weit weg in mächtigen Rechenzentren liegen, wenn sie hier gleich um die Ecke ebenso gut geschützt sind? Warum soll ich mit meinen Abo-Gebühren fragwürdige Policies fremder Machthaber finanzieren… what’s next word prediction? … wenn ich auch die fragwürdigen Entscheide lokaler Politiker finanzieren kann? Nun ja, man kann da geteilter Meinung sein, aber ich betrachte es auch ein wenig als Experiment. Was ist möglich und was nicht. Ich lerne viel dabei.

Was ist mit einem Android- oder iOS-Handy möglich?

Eines ist sicher: wir kommen nicht vollständig von den Tech Bros weg. Zumindest auf dem Handy haben wir fast ausnahmslos Android oder iOS und damit wird es unmöglich, sich aus der Kontrolle dieser Unternehmen zu lösen.

Was Google anbelangt, hängt alles an Android. Insbesondere sind die sogenannten Google Play Dienste das Nadelöhr. Google Play ist der App Installer von Android. Aber dahinter gibt es eben die Play Dienste.  Es handelt sich nicht um eine einzelne App, sondern um eine Art “Wirbelsäule”, die das Android-Betriebssystem und die installierten Apps zusammenhält.

Normale Apps schlummern im Handy vor sich hin und verbrauchen ein Minimum an Strom. Daher können Benachrichtigungen, Standort und Sensoraktivitäten nicht direkt zu den Apps geleitet werden. Alles läuft über die Play Dienste. Diese leiten die Daten an die zuständigen Apps weiter, nachdem sie sie aufgeweckt haben. Würde man den Play Diensten die Berechtigungen für Standort, Sensor und Benachrichtigungen entziehen, wäre das Handy völlig unbrauchbar. 

Die Play Dienste scannen Apps im Hintergrund auf Schadsoftware – nicht nur beim Download, sondern kontinuierlich. Sie prüfen laufend, ob das Gerät manipuliert wurde (z. B. durch Rooting). Wenn die Play Dienste das Gerät als „unsicher“ einstufen, verweigert das Handy die Installation von Banking-, Versicherungs- und Krankenkassen-Apps. Sie können auch kein Bahn- oder Busticket mehr kaufen, weil die Bezahlung nicht möglich ist, Sie können kein Netflix streamen, Sie können mit Ihrem Handy fast nichts mehr tun.

Viele Entwickler programmieren ihre Apps so, dass sie die Play Dienste zwingend benötigen. Dass diese Dienste so tief im System sitzen, hat weitreichende Folgen, die vielen Nutzern gar nicht bewusst sind. Weil fast jede Interaktion (Standort, Benachrichtigung, App-Start) über dieses „Rohr“ läuft, hat Google theoretisch einen Log über fast alles, was auf dem Gerät passiert – selbst wenn Sie eine App nutzen, die gar nicht von Google stammt. 

Beim iPhone von Apple ist es sogar noch schlimmer! Während die Play Dienste bei Android in gewissem Sinne ein Zusatz sind, ist die entsprechende Funktionalität fest in iOS eingegossen. Apple hat die absolute Macht darüber, welche Software auf einem Gerät läuft. Während man bei Android die Play-Dienste theoretisch umgehen kann, mit gewissen Abstrichen, ist das iPhone ohne Apples „Segen“ eine geschlossene Box. Ein iOS-Klon, bzw. eine iOS-Alternative ist undenkbar. In der Android-Welt hingegen gibt es Bestrebungen für ein Google-unabhängiges Android.

Und ein europäisches Konsortium will nun eine Standardisierung von Alternativen zu Googles Android anstreben. Ich fürchte jedoch, dass ich ein Google-unabhängiges Handy mit der Funktionalität eines aktuellen Android-Geräts, nicht mehr erleben werde.  

Wenn immer Ihre Datenströme durch Server fliessen, die unter fremder Datenhoheit stehen, ist es möglich, dass fremde Mächte sich Ihre Daten aneignen und darüber entscheiden, ob Sie Ihr Handy so benutzen dürfen, wie Sie es tun. Gerade in den letzten Tagen berichtete Heise vom Schweizer Cloud Anbieter Proton, der z.B. mit Ein besseres Internet beginnt mit Privatsphäre und Freiheit wirbt. Und trotzdem hatte das FBI die Möglichkeit, Proton zu Herausgabe von privaten Informationen zu zwingen.

Ausgangspunkt

Im Folgenden will ich über meine Migrationsbestrebungen weg von Microsoft, Google und paar kleineren Anbietern berichten. Im Allgemeinen hat man heute eine vielfältige Liste an Bedürfnissen, wie

  • Texte generieren und editieren
  • Tabellenkalkulationen bedienen
  • Die erarbeiteten Dateien auf allen Geräten gleichzeitig zur Verfügung zu haben (Cloud Speicher)
  • Mails verschicken
  • Terminkalender und Kontakte auf dem neusten Stand halten
  • Kurznachrichten verschicken
  • Im Web recherchieren
  • An Telemeetings teilnehmen
  • und vieles anderes mehr

Zunächst arbeiten die meisten Menschen mit einem Computer, auf dem entweder ein Windows- oder einem MacOS-Betriebssystem läuft. Wenn Sie Apple haben, dann sind Sie in einer sehr monolithischen Welt. Vom Handy bis zum Desktop läuft dasselbe Betriebssystem und alle Programme, Apps und Dienste sind speziell für die Apple-Welt entwickelt worden. Wer unter Windows arbeitet, hat meist Googles Android auf den mobilen Geräten. Da heisst es, gleich von zwei Grossen weg zu kommen.

Linux

Der erste Schritt zur digitalen Emanzipation besteht darin, sich von Windows oder MacOS zu trennen. Es gibt eine Linux-Distribution (im Linux-Slang Distro genannt), Linux MINT, die völlig ohne Terminalbefehle auskommt und so zu bedienen ist, wie ein originäres Windows- oder MacOS System. Es ist extrem benutzerfreundlich und leicht zu installieren. Ich habe mit verschiedenen Linux Distros experimentiert und hier für die naheliegendsten eine Übersicht zusammen gestellt.

Linux-Distributionen: Vor- und Nachteile im Vergleich

Distro Die treibende Kraft Zielpublikum Vorteile Nachteile
Ubuntu Wird durch das kommerzielle Britische Unternehmen „Canonical“ gehalten und weiter entwickelt. Grosse Community. Nutzer, die Produktivität durch Standards und verlässliche Langzeit-Stabilität priorisieren. Maximale Stabilität; Goldstandard für Support; zertifizierte Hardware-Unterstützung. Kommerzielle Agenda (Canonical); Fokus auf das proprietäre Snap-Format; Telemetrie-Diskussionen.
Linux Mint Reine Community aus Freiwilligen, wird durch Spenden finanziert. Nutzer, die ein unauffälliges, funktionierendes System und Desktop-Komfort suchen. Sehr einsteigerfreundlich; bringt viele Codecs und eigene Komfort-Tools bereits mit. Basiert teils auf älteren Paketen; wirkt optisch und technisch manchmal konservativ.
Fedora Unternehmensgesponsertes Community-Projekt (Red Hat / IBM). Nutzer, die technologische Innovation und ein „sauberes“ Linux-Erlebnis bevorzugen. Brandaktuelle Software; Vorreiter für neue Standards; sehr nah am Original-Code. Kurze Release-Zyklen (Upgrade-Zwang); manuelle Einrichtung von Treibern nötig.
Debian Eine der größten und völlig unabhängigen Communities weltweit. Nutzer, die absolute Freiheit und ein unzerstörbares, beständiges System suchen. Legendäre Stabilität; völlig frei von Konzerninteressen; sehr geringer Ressourcenverbrauch. In der „Stable“-Version oft veraltete Software; Einrichtung erfordert mehr Fachwissen.
openSUSE Unabhängige Community mit dem Sponsor SUSE (Nürnberg) ohne grosses Mitspracherecht. Profis, die Modernität mit der Sicherheit von System-Snapshots kombinieren wollen. Mächtiges YaST-Kontrollzentrum; exzellente automatisierte Tests (openQA) für Stabilität. Die hohe Komplexität und die Fülle an Optionen können Einsteiger am Anfang überfordern.
Manjaro Eigenständige Firma (Manjaro GmbH) und Community. Nutzer, die uneingeschränkten Software-Zugriff (AUR) in fertiger Umgebung suchen. Zugriff auf aktuellste Treiber und das riesige Arch-Softwarearchiv (AUR) per Klick. Erfordert aktive Wartung; Updates können gelegentlich manuelle Eingriffe erfordern.

Um wirklich von Windows weg zu kommen, möchte ich ein offenes Betriebssystem. Linux wurde vom finnischen Informatiker Linus Thorwald erfunden und entwickelt. Der Code ist frei verfügbar. Sie können ihn nehmen, ihn umschreiben und daraus ein kommerzielles Produkt machen. Allerdings müssen Sie den Code freilegen und dürfen nur für den Datenträger, bzw. den Download, für den Unterhalt und für Support und Schulung Geld verlangen.

Und so gibt es denn Linux Distributionen, die von Unternehmen oder Gemeinschaften aus aller Welt stammen. Es gibt hunderte von Linux Distributionen und jede hat ihren eigenen „Geist“ und folgt ihrer eigenen Philosophie. Das schon erwähnte Linux MINT stammt vom Schweizer Informatiker Clément Lefebvre. MINT ist ein eher konservatives Linux, das ein Windows-ähnliches Look & Feel hat und besonderes Gewicht auf Stabilität und Benutzerfreundlichkeit legt. Es ist definitiv nicht unter der Aufsicht einer US-amerikanischen, chinesischen oder was auch immer für eine Unternehmung.

Nach einigen Versuchen bin ich vorerst einmal bei Fedora gelandet. Es wird vom US-Unternehmen IBM geponsort, was es ermöglicht, eine stabile und zuverlässige Distro bereitstellen zu können. Fedora wird aber von einer grossen öffentlichen Community unterhalten und weiterentwickelt und der “Aufsichtsrat” besteht teils aus gewählten Freiwilligen, die sich in der Community besonders eingesetzt haben und teils aus Fedora-Profis (deren Gehalt aus dem Sponsoring von IBM stammt). Fedora ist trotz IBMs Sponsoring ein quelloffenes System, das keine persönlichen Daten sammelt und keine Telemetrie einsetzt.

Die ganze Odyssee hindurch assistiert mir ein KI-Modell. Ich habe zwar zu vor-KI-Zeiten schon einmal ein Linux „aus eigener Kraft“ installiert, aber das war sehr mühsam. Ich glaube, es ist kein Deskilling, wenn man sich in dieser Situation von einer KI assistieren lässt. Wer will denn schon die kruden Linux-Terminalbefehle auswendig lernen? Öffnen Sie die Gratisversion von ChatGPT, Gemini, Claude oder DeepSeek und starten Sie mit dem Prompt:

Ich betreibe Windows Version n auf der und der Hardware und möchte Linux MINT als einziges Betriebssystem installieren. Wie muss ich vorgehen?.

Sie können gerne auch einen sogenannten Dualboot anstreben, d.h. beim Einschalten Ihres Computers wählen, ob Sie unter Windows oder unter MINT arbeiten wollen. Das mag für Berufstätige eine smarte Lösung sein, aber ich persönlich wählte unbarmherzig den konsequenten Weg: alles Windows muss weg und wird vollständig durch Linux ersetzt.

Bild unter CC Lizenz von biggerinsights

Browser und Office365

In den Linux Distros, mit denen ich experimentierte, war Firefox als Browser vorinstalliert. Daneben habe ich zusätzlich den ganz schlanken Linux-Browser Epiphany installiert. Sie können auch Chromium nachinstallieren, zusätzlich oder anstelle von Firefox. Chromium ist ein quelloffener Webbrowser und steht unter der BSD-Lizenz als freie Software zur Verfügung. Er ist nicht zu verwechseln mit Googles Chrome, obwohl der Code von Chromium ursprünglich von Google stammt. Viele weitere Browser basieren auf der Code-Basis von Chromium, darunter Google Chrom, Microsoft Edge und Opera.  

Mit Windows hat man seit Jahrzehnten auch Microsoft Word, Excel und Powerpoint genutzt. Im Verlauf der Jahre hat sich dieses Officepaket immer etwas gewandelt, heute heisst es z.B. Office365. Es gibt aber viele freie Alternative, wie z.B. LibreOffice, OpenOffice, OnlyOffice, etc., die alle ebenso mächtig sind, wie Word, Excel und Powerpoint zusammen und sogar dieselben Datenformate unterstützen. LibreOffice wird von einer deutschen Stiftung gepflegt und ist in mancher Linux Distro integriert. Da ich oft und gerne Touchscreen und Stifteingabe verwende – ein Umstand, der die Wahl meiner Linux Distro entscheidend mitbeeinflusst hat – habe ich von LibreOffice auf OnlyOffice gewechselt. LibreOffice hat meine Touch-Wischerei nicht immer adäquat interpretiert.

LibreOffice ist tatsächlich der „Platzhirsch“ für Linux. Es ist das mächtigste und umfassendste Paket. Aber: Es ist ein Multi-Plattform-Programm. Es muss auf Windows, macOS und Linux gleichermaßen laufen. Deshalb nutzt es intern eine eigene Technik, um Knöpfe und Text darzustellen, und „malt“ diese nur auf das Betriebssystem. Es ist nicht für moderne Touch-Gesten gebaut, sondern ein riesiger Tanker, der überall fährt.

OnlyOffice basiert technisch auf Web-Technologien (ähnlich wie ein Browser). Browser (wie Firefox oder Chrome) sind unter Linux exzellent darin, Touch-Gesten zu verarbeiten. Scrollen funktioniert dort meist butterweich. Vorteil: Es sieht viel moderner aus (ähnlich wie das neue Microsoft Word) und hat eine sehr hohe Kompatibilität zu MS-Office-Dateien (docx). OnlyOffice ist aber eine russische Software! Tja, weg von Amerika, direkt in die Arme Russlands. So ist das halt manchmal. Da ich Office-Software wenig benutze, mache ich mir nicht zu viele Gedanken darüber.  

Cloud-Speicher

Selbstverständlich verliere ich bei der Migration von Windows auf Linux alle meine Daten auf dem Computer, aber diese sind ja auf OneDrive gespeichert. Damit ich nichts verliere, besorgte ich mir eine Alternative für OneDrive. Ich fand sie in der Schweizer Firma Infomaniak – erinnert ein wenig an Salmiak. Ich bestellte kurzerhand das Paket kDrive – 3 TB für monatlich 5 Franken. Bei Google bezahlen Sie für 2 TB über dreimal mehr, nämlich monatlich 17 Franken. Der Vergleich ist jedoch etwas unfair, denn im Google-Paket sind viele Dienste inbegriffen, die im Infomaniak-Angebot fehlen. Allerdings benötigen Sie vieles gar nicht, was Google noch in das 17-Franken-Paket packt.

Und nun stellte sich die Frage: wie bringe ich meine Daten von Microsofts OneDrive nach kDrive von Infomaniak? Das sind bei mir etwa 40 GB. Relativ wenig, aber 40 GB herunterladen und dann wieder auf kDrive hochladen dauert Stunden und kostet u.U. ganz schön viel. Zum Glück gibt es eine generöse Lösung! Sie können Ihre Daten, die Sie auf OneDrive lagern, hinter Ihrem Rücken direkt nach kDrive schicken, ohne Ihren Computer und Ihren Internet-Anschluss zu strapazieren. Und es gibt bei Infomaniak auch eine wirklich einfache und leserliche Schritt-für-Schritt-Anleitung dafür. Spoiler: Bei Google ist es nicht so einfach. Es ist äussert mühsam, Daten von Google Drive auf eine Drittanbieter-Cloud zu migrieren!

Nachdem die Daten auf Infomaniak eingetroffen waren, konnte ich sie im Browser anschauen und von dort auch einzelne Dateien herunterladen. Was aber noch fehlte, war eine Einbindung in den Dateimanager auf meinem neuen Linuxsystem (dort heisst der Dateimanager Nautilus). Ich sagte also zur KI:

Ich suche nach einer Lösung, die mir unter einem Ordner „kdrive“ die Verzeichnisstruktur von kdrive auf Infomaniak zeigt, ohne alle Dateien physisch auf meinen Laptop zu laden. Zudem soll es einen Ordner auf Infomaniak geben, dessen Dateien physisch auf meinem Laptop repliziert sind. Wenn ich lokal eine neue Datei erstelle und sie in diesem Ordner speichere, soll sie automatisch ständig mit der kDrive synchronisiert werden.

In der Folge habe ich, assistiert durch die KI, etwas länger daran herum gebastelt. Schlussendlich hatte ich diesen Synchronisationsordner im Dateimanager so, dass alles, was ich mache, automatisch auf kDrive gespeichert wird. Aber das ganze kDrive-Verzeichnis brachte ich nicht ohne weiteres in Nautilus. Ich habe jetzt im Browser ein Lesezeichen, das mich einfach auf die Website bringt, wo sich meine Cloud-Ordner befinden. Dort kann ich alle meine Daten überblicken und nötigenfalls eine Datei zur Weiterbearbeitung herunterladen.

Damit wäre ich eigentlich von Microsoft befreit. Ich habe meine Microsoft-Konten auch definitiv gelöscht. Microsoft hat diese zur Kenntnis genommen und mich darüber informiert, dass die Löschung in zwei oder drei Monaten endgültig wird. Bis dahin hätte ich noch Zeit, doch noch auf den Account zuzugreifen. Und tatsächlich habe ich von diesem Angebot auch schon Gebrauch gemacht, als ich glaubte, dass bei der Migration nicht alle Dateien Infomaniak erreichten. Das ist überhaupt ein Projekt, das ich noch angehen muss: wie weiss ich, ob alle Daten vollständig übertragen wurden? Möglicherweise gibts dafür auch ein Tool, aber ich hatte bis jetzt noch  andere Arbeiten anstehend.

Google Drive

Z.B. migrierte ich auch meine Dropbox-Daten auf kDrive, was mit der klaren Schritt-für-Schritt-Anleitung von Infomaniak auch kein Problem war. Leider kann ich Dropbox nicht einfach löschen, solange ich Ordner mit anderen Personen teile und diese die Migration von Dropbox noch nicht vollzogen haben. Als nächstes versuchte ich dasselbe mit meinen Daten auf Google Drive. Infomaniak stellt auch dafür eine Anleitung bereit. Das scheint jedoch etwas komplizierter zu sein. Ich liess mich von der KI durch das Prozedere leiten und tippte brav jeden Befehl ab, den mir die KI diktierte. Gab es eine Fehlermeldung, habe ich sie einfach in das Promptfeld der KI kopiert. Hier wäre jetzt eben ein KI-Agent nützlich, der auf meinem Laptop herumwerkeln und die Befehle statt zu diktieren, gleich selber ausführen könnte. Ich habe über diese Möglichkeit mit der KI auch diskutiert. Dabei stellte sich heraus, dass es doch nicht ganz ohne meine Intervention gehen würde, denn bei Google musste ich im Verlauf des Prozederes eine sogenannte OAuthentifizierung durchführen. Dazu braucht es eine menschliche Intervention. Soviel zu KI-Agenten!

Im Moment nehme ich zur Kenntnis, dass ich wohl nur teilweise von Google wegkomme, solange ich ein Android-Handy habe. Zunächst migrierte ich meine Daten von Googles Drive nach kDrive, wie ich das schon mit den OneDrive-Daten bei Microsoft tat. Auch da stellt sich die Frage, ob alles rüber kam und wie ich es anstelle, dass ab jetzt keine neuen Dateien auf Googes Drive geschrieben werden. Und dann bleiben noch die 270 Gigabytes Fotos, die ich allein wegen der schieren Datenmenge nicht so leicht weg bringe.

Notizen

Zuerst nehme ich mir mal einzelne Google Dienste vor, angefangen bei den Notizen. Ich benutze die Notizen wirklich sehr intensiv. Eigentlich muss ich sagen, „wir“, denn meine Partnerin und ich benutzen einige Notizen gemeinsam, z.B. den Einkaufszettel. Manchmal schreibe ich noch etwas auf den Einkaufszettel, wenn sie schon im Supermarkt am Einkaufen ist und umgekehrt. Ich habe sogar Gemini dahingehend trainiert, dass er den Begriff „Einkaufszettel“ versteht, wenn ich in die Uhr sage: „Lies mir den Einkaufszettel vor!“. Das ist schon eine Art agentisches Verhalten, denn eine KI darf nicht so einfach auf Apps zugreifen.

Doch zurück zu den Notizen. Infomaniak bietet keine Notiz-App. Ich tat mich schwer, einen Ersatz zu finden. Nicht, weil es keinen gibt, sondern weil es vielmehr ein erdrückendes Angebot gibt. Ich hatte schon Erfahrungen mit Googles NotebookLM gemacht und das war verlockend, aber wohl mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Der Goldstandard unter den einfacheren Notizapps ist wohl Notion. Daneben gibt es Dutzende Alternativprodukte. Ich habe viele ausprobiert, blieb letztendlich aber bei Joplin hängen, weil Informaniak eine Schritt-für-Schritt Anleitung anbietet, wie man Joplin in ihren kDrive integrieren kann. Joplin ist das Produkt eines französischen Software-Entwicklers und wird durch eine grosse Community weiterenwickelt. Bei der Evaluation von Notiz-Apps muss man sich unweigerlich mit der Markdown Sprache befassen, denn die meisten Apps speichern die Notizen in diesem Format, um ein paar primitive Formatierungsmöglichkeiten zu haben, wie z.B. fette Überschriften oder einzelne Sonderzeichen. Damit gibt es einen Editor Modus und einen Lesemodus, aber das sind wir uns ja schon von LaTeX gewohnt. Es scheint, dass der Trend in Richtung dieser Markdown Sprache läuft, denn ich treffe immer mehr neuere Softwareprodukte an, die auf Markdown-Basis funktionieren. Z.B. arbeite ich aktuell an der Migration meines Blogs von WordPress nach Kirby, welches die Blogartikel ebenfalls in Markdown speichert.

Unterdessen habe ich alle meine Google Notizen nach Joplin migriert so, dass ich diesen Google Dienst abschliessen kann. Falls meine Partnerin für den Einkaufszettel weiterhin Googles Notizen verwenden will, werde ich dafür halt jeweils schnell dorthin switchen.

Verschiedene weitere Anwendungen

Als nächstes nahm ich mir Whatsapp von Meta vor. Eine Alternative wäre der US-Dienst Signal, aber auch der ist im Fokus “böser Mächte”, wie der gestrige Artikel zeigt: Russland knackt Signal- und WhatsApp-Konten

Neben der Tatsache, dass ich mich mit Whatsapp und Signal in die Abhängigkeit fremder Mächte begebe, gibt es auch hier die soziale Pfadabhängigkeit: ich habe viele Freunde, die nur über Whatsapp erreichbar sind und auf keinen Fall migrieren wollen. Aber ich habe zumindest mal alle diejenigen, die ich über die Schweizer App Threema erreichen kann, angeschrieben und sie gebeten, künftig doch bitte diesen Kanal zu benutzen, um mit mir zu kommunizieren. Es klappt nicht immer auf Anhieb.

Infomaniak hat auch Kalender und Kontakt Apps. Grundsätzlich wäre die Migration zumindest der Kontakte ein kleiner Schritt. Da muss ich mich noch schlau machen, ob Whatsapp auch mit einer anderen Kontakte App als die von Google funktioniert. Sollte eigentlich! Für den Kalender muss allerdings auch meine Partnerin mitziehen, denn die Synchronisation unserer paar Termine ist eigentlich fast der einzige Grund, einen Kalender zu führen.

Eine wichtige App ist Google Maps. Auch diese will ich ersetzen. Zuerst versuchte ich es mit Organic Map, aber sie hatte nicht alle Funktionalitäten, die ich benötige. Nun bin ich bei mapy.com gelandet, dem Produkt eines tschechischen Entwicklers. Sie macht mir einen so guten Eindruck, dass ich mir für eine jährliche Gebühr von 18 Franken ein Upgrade auf die Pro Version geleistet habe. Zwar sei Mapy “für Wandern und Spazieren” gemacht, was mir als Nichtautofahrer genügen würde. Aber trotzdem muss sich die App dann noch im Strassenverkehr bewähren,  wenn ich als Beifahrer in einem Auto sitze.

Aktuell steht die Migration meines Blogs an. Dieser basieren auf der Software WordPress des US-Unternehmens Automattic. Ich finde WordPress interessant und liebe es, aber es ist ein Overkill, wenn man nur einen textbasierten Blog führt. Es gibt auch da offene und “europäischere” Alternativen, wie z.B. Ghost oder das deutsche Kirby. Vor drei Tagen habe ich auf meinem Blog-Server eine Testinstallation von Kirby aufgespielt und mit meinem KI-Assistent begonnen, zunächst einmal alle meine bisher 280 Blog-Artikel, die ich seit 2008 geschrieben habe, in Kirby zu kopieren. Das war ziemlich schweisstreibend, denn das Skript, das mir die KI geschrieben hat, musste nicht nur Text kopieren, sondern auch Fussnoten, Bilder und ihre Legenden, Zitatkästchen, Titel und Subtitel, Listen und Aufzählungen, Tabellen, TeX-Sonderzeichen, etc. Zuerst fehlte immer noch etwas oder wurde verrissen. Dann feilten wir – die KI und ich – am Erscheinungsbild. Schriftgrösse, Fonts, Spaltenbreite, Abstände zwischen Absätzen, etc. Schliesslich wollte ich ein Suchfeld und ein Anmeldefeld. Ein etwas heikles Thema waren Kommentare. Im Moment gibt es die Möglichkeit, Kommentar zu hinterlassen, aber ich muss sie dann etwas manuell weiter verarbeiten. Die bisherigen Kommentare fallen wahrscheinlich der Migration zum Opfer. Ich weiss noch nicht, ob wir je das Ziel erreichen werden, den grossen Schalter umzulegen und den Kirby-Blog öffentlich zu machen und den WordPress-Blog stillzulegen.