Medizin-Sensation: „Gibt keine Worte“ – Frau bringt Kind mit Gebärmutter einer toten Spenderin zur Welt

In Großbritannien wurde erstmals ein Kind mithilfe einer Gebärmuttertransplantation von einer verstorbenen Spenderin geboren. Für Mutter Grace Bell erfüllte sich trotz des seltenen Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndroms ein „Lebenstraum“.

Grace Bell war 16 Jahre alt, als Ärzte ihr mitteilten, sie könne kein eigenes Kind bekommen. Die Britin wurde ohne Gebärmutter geboren, hat keine Menstruation und besitzt keine funktionsfähigen Eierstöcke. Sie leidet unter dem seltenen Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKH). Mindestens eines von 5000 weiblichen Neugeborenen ist davon betroffen.

Um ein Baby zu bekommen, konnten Grace Bell und ihr Partner Steve Powell nur auf eine Gebärmuttertransplantation hoffen. Tatsächlich erhielt die Britin schließlich einen Anruf: Eine Gebärmutter sei von einer Verstorbenen gespendet worden, eine Transplantation sei möglich.

Gegenüber dem britischen „Guardian“ erinnert sich Bell an diesen Moment: „Es gibt keine Worte, um meiner Spenderin und ihrer Familie genug zu danken. Ihre Güte und Selbstlosigkeit gegenüber einer völlig Fremden haben es mir ermöglicht, meinen Lebenstraum, Mutter zu werden, zu verwirklichen.“

Bells Gebärmuttertransplantation dauerte zehn Stunden und fand im Juni 2024 im Churchill Hospital in Oxford statt. Einige Monate später erhielt das Paar eine IVF-Behandlung mit anschließendem Embryotransfer in der Lister Fertility Clinic in London.

Im Dezember vergangenen Jahres brachte Bell ihren Sohn Hugo zur Welt. Es handelt sich um die erste Geburt in Großbritannien, bei der eine Gebärmutter einer verstorbenen Spenderin verwendet wurde; in Europa wurden zuvor nur zwei Fälle gemeldet. Weltweit wurden etwa 30 Babys nach einer Gebärmutterspende nach dem Tod der Spenderin geboren. Mehr als zwei Drittel der Gebärmuttertransplantationen erfolgen mit lebenden Spenderinnen, ein Drittel mit verstorbenen Spenderinnen.

Sobald das britische Paar die Familienplanung abgeschlossen hat, werde das transplantierte Organ entfernt, berichtet der „Guardian“. Dadurch soll Bell die lebenslange Einnahme starker Medikamente erspart werden, die verhindern, dass das Immunsystem das transplantierte Organ angreift.

Auch in Deutschland werden Gebärmuttertransplantationen durchgeführt: Die Universitätsfrauenklinik Tübingen ist das einzige anerkannte Zentrum für diesen Eingriff. Dort wurden bislang sieben Patientinnen transplantiert. Fünf von ihnen haben inzwischen eigene Kinder bekommen, eine Frau wurde bereits zum zweiten Mal Mutter.

ly