Medikamente: Drohender Engpass bei speziellen Antibiotika

Das Bundesgesundheitsministerium reagiert auf einen drohenden Engpass beim Nachschub bestimmter Antibiotika. Es gab im Bundesanzeiger einen Versorgungsmangel bei Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin bekannt, die mit Spritzen verabreicht werden. Eine solche offizielle Feststellung erlaubt befristete Abweichungen von Zulassungsvorgaben, um ein leichteres Ausweichen auf importierte Produkte zu ermöglichen.

Hintergrund sind aktuelle Informationen, dass die noch vorhandenen Bestände in absehbarer Zeit vollständig aufgebraucht sein werden, wie eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage erläuterte. Mit der Bekanntmachung eines Versorgungsmangels könnten nun etwa Präparate aus dem Ausland eingesetzt werden, die keine deutschen Kennzeichnungen haben. Damit könne auch nach Abverkauf des Restbestands die Versorgung gewährleistet werden.

Kritische Versorgungslage auch bei anderen Antibiotika

Bei den betroffenen Arzneimitteln handelt es sich laut Ministerium um ein Antibiotikum, das etwa zur Langzeitbehandlung von Streptokokkeninfektionen angewendet wird, um rheumatische Herzentzündungen zu verhindern.

Eine kritischere Liefersituation gibt es bereits bei den Antibiotikawirkstoffen Cefuroxim, Clindamycin, Cotrimoxazol und Erythromycin. Das Ministerium hatte dazu ebenfalls einen Versorgungsmangel festgestellt. Solche Fälle sind generell selten. Seit 2015 kam dies nach amtlichen Angaben weniger als 20-mal vor.

Um Engpässen grundsätzlich zu begegnen, hatte das EU-Parlament in Strasbourg vergangene Woche erst über den sogenannten Critical Medicines Act abgestimmt. Damit soll es sich für Hersteller mehr lohnen, unverzichtbare Arzneimittel zu produzieren – möglichst in der EU. Außerdem wurde vorgeschlagen, aus Mitteln des EU-Haushalts eine EU-Arzneimittelreserve für kritische Medikamente anzulegen. Die Europäische Kommission und die Europäische Arzneimittel-Agentur stufen auf einer Liste kritischer Arzneimittel solche Präparate ein, die für die Gesundheitsversorgung als unverzichtbar gelten. Dazu zählen etwa Antibiotika, Insulin und Impfstoffe.