
Immer wieder tauchen die titelgebenden Fasane auf, geben dem Roman etwas Mystisches, Geheimnisvolles, eine Ebene des Unergründlichen. Antje Rávik Strubel erzählt in ihrem neuen Roman „Der Einfluss der Fasane“ von der Journalistin Hella Renata Karl, die eines Morgens aus der Zeitung erfährt, dass sich der prominente Berliner Theaterintendant Kai Hochwerth das Leben genommen hat. Effektvoll vor der Oper in Sydney.

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„Aber das ist nicht das Ereignis“, stellt Strubel gleich im ersten Absatz klar. „Das Ereignis am Morgen des 7. Mai ist folgendes: Ein Mann tötet sich, und der Tod errichtet einen soliden Schatten. Der Schatten des Mannes ist größer als zu Lebzeiten.“
Kräfteverhältnisse verschieben sich
Strubels Roman ist einer über die Macht der Medien, über Shitstorms und Mechanismen, die schwer oder gar nicht zu stoppen sind. Dass Hella Karl, Feuilletonchefin einer großen Zeitung, erst am Morgen danach wie eine ganz gewöhnliche Leserin erfährt, was geschehen ist, ist ein erstes Zeichen dafür, dass sich hier Kräfteverhältnisse verschieben.
Denn Hella Karl kannte Hochwerth. Sie hat, so kristallisiert sich heraus, einen folgenschweren Artikel über ihn verfasst. Einen, in dem es um Macht am Theater ging. Seine Macht und die Ohnmacht der anderen, um Macht und Missbrauch derselben. Von einer Schauspielerin war da die Rede, die der Intendant angeblich zu einer Abtreibung nötigen wollte. Nun gerät die Journalistin selbst ins Auge eines Shitstorms, wird verantwortlich gemacht für den Suizid des Theaterstars.

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Wie bereits in ihrem 2021 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „Blaue Frau“ beschäftigt sich Strubel mit struktureller Macht und denen, die sie für ihre Interessen ausnutzen. Damals erzählte die Autorin von einer jungen Frau aus Tschechien, die traumatisiert durch eine Vergewaltigung durch Europa reist oder getrieben wird und schließlich in Finnland landet.
Den Leser auf Distanz halten
Auch wenn sich hie und da doch eine gewisse Manieriertheit und Verkünstelung in die Erzählung webte, spielte Strubel geschickt mit Zeit- und Realitätsebenen, verband sie zu einem schillernden und porösen Ganzen. Von Anfang an zieht „Blaue Frau“ einen direkt in die komplexen Sinneswahrnehmungen der Protagonistin, nimmt einen mit auf eine Reise durch ihr Bewusstsein und deren Entwicklung.

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In „Der Einfluss der Fasane“ dagegen hält Strubel ihre Leserschaft merkwürdig auf Distanz zu ihrer Protagonistin. Diese Hella Karl ist schwer greifbar. Sowohl in ihrer Rolle als investigative Kulturjournalistin als auch als Privatperson in ihrer Beziehung zu jenem „T.“, der nicht ihr Mann ist, aber auch mehr als ihr Freund. Der auf der einen Seite leidenschaftlich ist und Frühstück macht, auf der anderen Seite sich aber auch entzieht, keinen Namen hat und merkwürdig gesichtslos bleibt.
Seelisches Unterholz
Diese Hauptfigur ist schwer zu greifen. Strubel geizt ein wenig mit Empathie für ihre Protagonistin, macht es einem schwer, anzudocken. Auch was genau jener Einfluss der Fasane ist, bleibt in der Schwebe. Strubel belässt es bei vagen Andeutungen über ihr Paarungs- und Sozialverhalten. Die Vögel streunen durch Hella Karls Gedanken und ihr „seelisches Unterholz“. Immer wieder erscheinen sie Hella Karl, und irgendwie ist ungewiss, ob sie tatsächlich da sind oder lediglich ihrer Fantasie entspringen. Einen direkten Zusammenhang zur Handlung gibt es nicht.
Dass männliche Fasane gerne mehrere Hennen haben, sich aber um ihren Nachwuchs nicht kümmern, mag sie zum Sinnbild für einen Mann wie Hochwerth machen, der sich wohl auch nahm, wen er wollte, ohne sich um die Konsequenzen zu kümmern. Was genau in ihm vorging, was Fakt ist und was Fiktion, bleibt offen.
Ein plötzlich auftauchender Fasan beendet Hellas Recherchen abrupt. Vielleicht ein passendes Ende für einen Roman, der auch immer wieder danach fragt, wie und ob Sprache die Wirklichkeit abbilden kann. Aber auch ein wenig enttäuschend.
Antje Rávik Strubel: „Der Einfluss der Fasane“ (S. Fischer Verlag, 2025, 240 Seiten, 24 Euro)
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