
Dass mittlerweile das Plüschtier die Hasenpfote als Glücksbringer abgelöst hat, ist sehr zu begrüßen. Hasenpfoten hatten, vor allem wenn sie unzureichend präpariert waren, stets den unangenehmen Nebeneffekt, zu stinken. Ähnliches galt für Karpfenknochen, welche lange Zeit in Geldbörsen zum Schutz vor dem persönlichen Bankrott verwendet wurden.
Die vier Artemis-Raumfahrer, welche gerade unterwegs sind, den Mond zu umrunden, haben als Glücksbringer „Rise“ dabei, eine Gesichtskugel, entworfen vom achtjährigen kalifornischen Schüler Lucas Ye. Die Plüschfigur spielt auf das „Earthrise“-Foto des Apollo-8-Astronauten William Anders an: Die ins Licht tauchende, von Anders während einer Mondumkreisung fotografierte Erde galt 1968 vielen noch als Mahnung, das irdische Hickhack und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und sich lieber auf Dinge wie Frieden, Gerechtigkeit und Liebe zu konzentrieren. Denn, so sagte das Bild, was ist der Mensch schon mehr als eine lächerliche Ameise, warum soll er sich da bekriegen?

Leider muss man davon ausgehen, dass sich Anders’ ikonisches Foto dieser Tage weder an den Wänden des Weißen Hauses noch des Kreml findet. Eher scheinen hier wieder Karpfenknochen und Hasenpfoten eine wichtige Rolle einzunehmen.
Das Plüsch-Maskottchen, das die US-Astronauten auf ihrer Mission dabeihaben, wird in einer Nasa-Pressemeldung als „Schwerelosigkeitsindikator“ beschrieben. Dieser hebe „das menschliche Element hervor, das für unsere Erforschung des Universums so entscheidend ist“. Ein Satz, der in seiner Komplexität fast beunruhigt.
Jedenfalls: Hätte nicht der schwebende „Rise“ den angeschnallten Astronauten neun Minuten nach ihrem Start angezeigt, dass sie in der Schwerelosigkeit angekommen sind, so hätte es vielleicht das „Fliegende Eichhörnchen“ von Caroline Goyer-Desrosiers aus Kanada gemacht oder die finnische Weltraumqualle von Anzhelika Iudakova. Denn die hatten es auch in die Top 25 der Maskottchen-Entwürfe geschafft. 2600 Vorschläge aus 50 Ländern waren bei der Nasa eingegangen, in der Bestenliste landete auch das etwas martialische Doppelpüppchen „Kunst und der Riese“ der italienischen Designerin Giulia Bona, die in Berlin lebt.
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Aber die Astronauten wählten halt eben lieber „Rise“ anstatt Riese. Ein ähnliches Püppchen hatte angeblich schon 1961 Juri Gagarin Glück gebracht, auch Snoopy und die WDR-Maus waren bereits im All.
Und so kann man nur hoffen, dass die Artemis-Astronauten, sobald sie wieder gut gelandet sind, auf der Erde, von ihren Fans mit ähnlich vielen Plüschtieren beworfen werden wie der Eiskunstläufer Ilia Malinin nach seiner Weltmeister-Kür in Prag. Denn das können Glücksbringer ja auf jeden Fall leisten: Sie sind ein toller Indikator für uns alle! Wenn schon nicht für die herrlichen Wunder der Schwerelosigkeit, so zumindest für die manchmal gar nicht ungefährlichen Folgen von Schwerkraft, nicht nur in Eissporthallen.
