Stand: 03.02.2026 22:03 Uhr
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Wird Brustkrebs früh erkannt, besteht eine gute Überlebenschance. Für das Mammografie-Screening wurde die Altersgrenze bis 75 Jahre ausgeweitet. Welche Methoden zur Früherkennung gibt es noch?
In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 70.000 Frauen und 700 Männer an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Die meisten erkrankten Frauen haben heute eine gute Überlebenschance. Das liegt an immer besseren Therapien – und an einer immer besseren Früherkennung.
Brustkrebs-Risiko steigt mit zunehmendem Alter
Generell steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, mit zunehmendem Alter. Sind bereits Blutsverwandte wie Mutter, Tochter oder Schwester erkrankt, verdoppelt sich das Brustkrebs-Risiko. Sind zwei Verwandte betroffen, vervierfacht sich das Risiko. Daher gibt es für Frauen mit erhöhtem Risiko für familiären Brustkrebs spezielle Zentren, die eine engmaschige Betreuung gewährleisten.
Mammografie ab wann? Altersgrenze bis 75 Jahre ausgeweitet
Seit 2005 gibt es das bundesweite Mammografie-Screening als zusätzliches Angebot zur jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Es richtete sich zunächst an Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Seit Juli 2024 haben auch gesetzlich versicherte Frauen bis 75 Jahre alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammografie, also eine Röntgenuntersuchung der Brust. Die berechtigten Frauen werden von ihrer Krankenkasse zu dem Screening eingeladen.
Geprüft wird derzeit noch eine Ausweitung des Programms auch auf jüngere Frauen ab 45. Die europäischen Brustkrebs-Leitlinien und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfehlen das Herabsetzen der Altersgrenze.
Studie: Mammografie senkt Risiko, an Brustkrebs zu sterben
Die Mehrzahl der Fachleute ist vom Nutzen der standardisierten Früherkennungsuntersuchung überzeugt. Eine große aktuelle Studie im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz zeigt, dass Teilnehmerinnen am deutschen Mammografie-Screening-Programm ein um 20 bis 30 Prozent geringeres Risiko haben, an Brustkrebs zu sterben. Für die Studie wurden Daten aus den Jahren 2009 bis 2018 zu Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren ausgewertet.
Der entscheidende Vorteil des Screenings ist, dass Tumoren früh entdeckt und von zwei spezialisierten Ärztinnen oder Ärzten unabhängig voneinander begutachtet werden. Im Gegensatz zu früher sind inzwischen 80 Prozent der Tumoren, die mit dem Screening gefunden werden, kleiner als zwei Zentimeter. Tumoren, die früh entdeckt werden, können zudem meist schonender und erfolgreicher behandelt werden.
Nur jede zweite eingeladene Frau geht zum Brustkrebs-Screening
Laut dem Mammo-Report von 2021 geht von den eingeladenen Frauen nur jede zweite zum Screening. Viele fürchten sich vor der Untersuchung, aber nur bei sechs von 1.000 Frauen wird ein Brustkrebs entdeckt. Auch die Strahlenbelastung durch die Untersuchung ist eher gering – in etwa vergleichbar mit einem Langstreckenflug.
Ein Nachteil ist eine mögliche Überdiagnose. Dabei geht es um Tumoren, die ohne Screening nicht entdeckt worden wären und die die betroffene Frau zu Lebzeiten nicht beeinträchtigt hätten. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum erhält etwa ein Prozent der Frauen, die 20 Jahre lang am Mammographie-Screening teilnehmen, eine solche Überdiagnose.
Wie läuft eine Mammografie ab?
Bei der Röntgenuntersuchung wird jede Brust einzeln zwischen zwei strahlendurchlässige Plexiglasscheiben möglichst flach zusammengedrückt. Manchmal wird das als schmerzhaft empfunden, es dauert aber nur ein paar Sekunden. Eine gründliche Untersuchung ist unabdingbar, damit auch kleine Tumoren gut und sicher erkannt werden können. Je besser die Brust zusammengedrückt wird, desto weniger Röntgendosis wird gebraucht, es gibt weniger Streustrahlung und ein schärferes Bild. Sollte die Brust gerade sehr empfindlich sein, ist es ratsam, den Screening-Termin ein wenig zu verschieben.
Ultraschall-Untersuchung bei jungen Frauen
Bei jungen Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe kann die Mammografie eher unklare Ergebnisse liefern. Die radiologische Dichte der weiblichen Brust (lateinisch: Mamma) beschreibt das Verhältnis von Milchdrüsen und Milchgängen zu Fettgewebe. Je höher der Drüsenanteil, desto dichter ist die Brust und desto undurchsichtiger ist sie im Röntgenverfahren. Auffälligkeiten können daher leichter übersehen werden. Besteht bei jüngeren Frauen Abklärungsbedarf, empfehlen manche Ärztinnen und Ärzte zusätzlich zur Mammografie auch eine Ultraschalluntersuchung der Brüste.
Studien bestätigen, dass durch eine zusätzlich durchgeführte Ultraschalluntersuchung bei Frauen mit dichtem Brustgewebe mehr bösartige Veränderungen nachgewiesen werden können. Unklar ist jedoch, ob die dadurch zusätzlich entdeckten Tumore tatsächlich zu einem Rückgang von Brustkrebserkrankungen und Todesfällen führen.
Die Ultraschalluntersuchung wird im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen nicht berücksichtigt. Die Kosten dafür werden nur bei Risikopatientinnen mit erblicher Vorbelastung oder bei unklaren Befunden mit dem Verdacht einer bösartigen Veränderung von den Krankenkassen übernommen. Viele Frauenärzte bieten den Ultraschall als IGeL-Leistung an. Er kostet etwa 60 Euro.
Regelmäßiges Abtasten wichtig
Neben der Tastuntersuchung beim Frauenarzt, die für alle Frauen ab dem 30. Lebensjahr einmal jährlich von ihrer Krankenkasse bezahlt wird, raten Frauenärzte zu regelmäßigen Selbstuntersuchungen der Brüste bereit ab dem 25. Lebensjahr. Das Abtasten der Brust ist eine einfache Möglichkeit, Veränderungen im Brustdrüsengewebe festzustellen.
Anleitung zum Selbstabtasten der Brust
Frauen, die noch ihre Regelblutung haben, sollten die Selbstuntersuchung immer zum gleichen Zeitpunkt des Zyklus durchführen, um bessere Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Dazu eignet sich insbesondere die Zeit zwischen dem dritten und siebten Tag nach dem Einsetzen der Menstruation, weil die Brust dann am weichsten ist.
Vor dem Abtasten kommt eine optische Prüfung. Dazu am besten mit freiem Oberkörper und in die Hüfte gestemmten Händen vor einen Spiegel stellen und kontrollieren:
- Haben sich die Brüste verändert – ist etwa eine Brust plötzlich größer als die andere?
- Zieht sich die Brustwarze oder die Brusthaut an einer Stelle ein?
- Haben sich Dellen oder Vorwölbungen gebildet?
- Tritt aus einer Brustwarze eine Flüssigkeit aus?
- Folgen beide Brüste gleichmäßig der Armbewegung, wenn ich die Arme nach oben strecke?
Danach folgt das Abtasten. Dabei sollte die rechte Brust mit der linken Hand und die linke Brust mit der rechten Hand untersucht werden.
- Im Stehen die Hand an den oberen äußeren Bereich der Brust bringen und mit drei Fingern und kreisenden Bewegungen zur Brustwarze hin nach Knötchen oder Verhärtungen abtasten.
- Auf diese Weise rundherum die gesamte Brust kontrollieren – bis hoch zum Schlüsselbein.
- Danach die Untersuchung auf dem Rücken liegend wiederholen. Der untere Bereich der Brust lässt sich so besser abtasten.
- Auch die Brustwarze leicht zusammendrücken, um zu sehen, ob Flüssigkeit austritt.
- Zum Schluss die Achselhöhlen auf vergrößerte Lymphknoten überprüfen. Dafür den Arm nach oben strecken.
Wer beim Selbstabtasten Unregelmäßigkeiten entdeckt, sollte das schnellstmöglich bei seinem Arzt oder seiner Ärztin abklären lassen. Eine Selbstkontrolle ersetzt nicht die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung bei der Gynäkologin oder dem Gynäkologen.
Risikofaktoren für Brustkrebs
Bei vielen Frauen entsteht Brustkrebs ohne erkennbaren Auslöser. Manche haben eine genetische Prädisposition und sollten deshalb schon zeitig die Möglichkeiten zur Früherkennung nutzen. Auch hormonelle Verhütungsmittel, keine oder kurze Stillzeiten und eine Hormonersatztherapie nach den Wechseljahren können laut Krebsinformationsdienst das Risiko für Brustkrebs erhöhen.
Es gibt auch einige bekannte Risikofaktoren für Krebs, die mit dem Lebensstil zusammenhängen und in der Regel beeinflussbar sind. Dazu gehören:
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Rauchen
- Alkohol
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