Mahnaz Mohammadi: „Ganz Iran ist ein Gefängnis“

Grau melierte Locken umrahmen das angespannte, blasse Gesicht der 51-jährige Aktivistin und Filmemacherin Mahnaz Mohammadi. Politische Wirklichkeit und künstlerische Arbeit bestimmen ihr Werk, wie in ihrem Drama „Sohn – Mutter“, der 2019 auf mehreren Festivals prämiert wurde. Im Panorama der Berlinale läuft nun ihr neuer Film „Roya“, der an einen Ort führt, der als Synonym für Willkür und Staatsgewalt in Iran gilt: das Evin-Gefängnis in Teheran. Die Protagonistin ist eingeschlossen in einem System, das Körper, Geist und Biographien gleichermaßen bricht. Eine Realität, die in Iran für viele zur Erfahrung geworden ist – und die nur selten ins Kino gelangt. Im Interview spricht Mohammadi, teils unter Tränen, über die Traumata der jüngsten Gewaltwelle in ihrer Heimat, von ihrer Zeit im Gefängnis, von Film als Zeugenschaft – und dokumentiert zugleich die unzerstörbare Würde einer Künstlerin, die sich nicht zum Schweigen bringen lässt.