
Er zählt zu den wichtigsten Herrschern des Mittelalters in Europa: Otto I. aus dem Fürstengeschlecht der Liudolfinger schlug mit seinem Heer 955 die Ungarn auf dem Lechfeld und ließ sich 962 in Rom zum ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches krönen. Geschichtsschreiber haben sich seit dem Mittelalter darin überboten, diesen Mann zu würdigen. Spätestens seit dem 12. Jahrhundert wird er als „Otto der Große“ bezeichnet. Seinen sterblichen Überresten – oder zumindest seinem Sarg – ist es dagegen eher schlecht ergangen. Wie die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt nun mitteilen, muss das Grabmal im Magdeburger Dom aufwendig saniert werden. Dafür muss auch das Grab des alten Kaisers geöffnet werden.
Wie Stiftung und Landesamt mitteilen, sind die Schäden am Grabmal bereits 2024 Fachleuten bei Routine-Untersuchungen aufgefallen. Otto der Große liegt in einem hölzernen Sarg, der sich wiederum in einem Sarkophag aus Kalkstein befindet. Dieser wurde bislang von einer 300 Kilogramm schweren Marmorplatte verschlossen. Die Fugen waren mit einer grauen, kittartigen Masse abgedichtet, luftdicht war der Sarkophag jedoch nicht. Durch Öffnungen im Stein sei sowohl Luft als auch Feuchtigkeit ins Innere gelangt, heißt es von den beiden Institutionen. So hätten sich Salzkristalle gebildet, der Stein sei also in seiner Stabilität bedroht.

Zuletzt instandgesetzt wurde diese Konstruktion im Jahr 1844. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Metallstützen angebracht, um das Gewicht der Marmorplatte abzufangen, denn die Wände des Sarkophags sind lediglich etwa vier Zentimeter, an manchen Stellen gar nur einen Zentimeter dick. Die Stützen hätten aber nur wenig gebracht, heißt es.
Die Arbeiten am Grab sollen bis Ende 2025 dauern
Die Reparaturen von 1844 seien sogar kontraproduktiv gewesen: So sind zur Festigung eingebrachte Eisenklammern mittlerweile korrodiert, ebenso wie Eisenkeile unter dem Sarkophag, die diesen stabilisieren sollten. Dadurch liegt das Grabmal nicht mehr gleichmäßig auf, und es haben sich Risse gebildet. Hinzu komme, dass das Grabmal im Dom stark schwankenden Temperaturen ausgesetzt gewesen sei, sagte Projektleiter Veit Dresely vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Mittwoch in Magdeburg. Auch diese gefährdeten den Grabinhalt.
Seit Januar ist das Grabmal im Dom eingehaust und nicht mehr öffentlich zu sehen. Anfang März wurde nun die Deckplatte vorsichtig abgehoben; damit keine Mikroben oder Pilzsporen das Grab befallen, darf die Einhausung seither nur noch von Fachleuten in Schutzanzügen betreten werden.

Jetzt stehe im Vordergrund, den Holzsarg zu sichern, heißt es aus Magdeburg. Dazu werde man auch die hölzerne Deckplatte öffnen und womöglich den Grabinhalt konservieren müssen, darunter auch Textilfragmente. Geplant seien umfangreiche Untersuchungen.
Die Gebeine Ottos des Großen sollen jedoch in Magdeburg bleiben. Die Geschichte des Kaisers ist eng mit der Stadt an der Elbe verbunden: So setzte Otto durch, dass Magdeburg im Jahr 968 zum Erzbistum erhoben wurde. Nach seinem Tod 973 wurde er dort an der Seite seiner bereits 946 verstorbenen Frau Editha begraben. Der heutige Magdeburger Dom wurde vom 13. Jahrhundert an errichtet. Seither liegt der Kaiser im Binnenchor der Kathedrale. Die Arbeiten an seinem Grab sollen bis Ende 2025 dauern.