Der Mond in der Traumfabrik
Das Gerücht, Neil Armstrong sei gar nicht auf dem Mond gewesen, sondern bloß auf einem Filmset, wo Stanley Kubrick eine Fake-Landung inszenierte, hält sich wahrscheinlich vorwiegend deswegen so hartnäckig, weil Träume langweiliger werden, sind sie erst mal wahr geworden. SZ-Filmkritikerin Susan Vahabzadeh beschreibt, wie sich das Verhältnis zwischen Film und Weltall seit der ersten Mondlandung entwickelt hat:
Als die Welt noch kleiner war, waren die Träume größer. Als der Mond 1969 in menschliche Reichweite rückte, war fürs Kino mit den Fantastereien über menschengleiche Männchen, die auf der Rückseite des Mondes wohnen, erst mal Schluss. Eine der Nebenwirkungen der ersten Mondlandung war eine Entzauberung des Alls: Ein neuer Realismus zog ein, und als zehn Jahre später Ridley Scotts „Alien“ ins Kino kam, sahen die Raumschiffe schon aus wie futuristische Gebrauchtwagen, bei denen der TÜV längst abgelaufen ist.
Umso schöner, wenn das Kino gelegentlich versucht, sich zurückzuversetzen in Zeiten, als die Menschheit der Zukunft mit unschuldigem Optimismus entgegensah. Damien Chazelle hat beispielsweise für seinen „First Man“ 2018 Ryan Gosling als Neil Armstrong ins All geschickt und so noch einmal sehr auf die Person bezogen das Heldentum von damals beschworen. Noch schöner: Greg Berlantis Film „To the Moon” ließ vor zwei Jahren diesen wundersamen Glauben an eine magische Zukunft wiederauferstehen. In
„To the Moon“ sind die Farben satter, die Nachthimmel klarer und die Hoffnungen größer, als man es sich in unserer krisengebeutelten Gegenwart zu erträumen wagt. Berlanti wirft aber natürlich einen wissenden Blick zurück: Lug und Trug und Steuergeldverschwendung schimmern am Horizont. Scarlett Johansson spielt Kelly Jones, Göttin der Madison Avenue, die am Nordpol Kühlschränke verscherbeln könnte. Weil die Begeisterung der Steuerzahler für die teuren Missionen sich in Grenzen hält, wird sie zwangsrekrutiert, um der Nasa ein neues Image zu verpassen. Und wo sie schon mal dabei ist, ihre Marketing-Muskeln spielen zu lassen, wird gleich die ganze Mondlandung in einem Hangar heimlich inszeniert – für den Fall, dass die echte fürs Fernsehen nicht hübsch genug gerät. Die ganze Geschichte ist frei erfunden, aber die Verschwörungstheorie, es sei überhaupt nie jemand auf dem Mond gewesen, kursiert seit 1969. Damals war der Hauptverdächtige für die Regie Stanley Kubrick. Was genau macht eigentlich Steven Spielberg gerade?
Wem das alles immer noch zu realistisch ist, dem sei ein Kurzfilm der Stop-Motion-Legende Nick Park von 1989 ans Herz gelegt: „A Grand Day Out“. Da stehen die Knetmännchen Wallace und Hund Gromit vor einem leeren Kühlschrank, bauen sich eine Rakete und fliegen auf den Mond für ein Picknick. Denn, das weiß ja jeder: Der Mond ist aus Käse.