Leben in Palästen: Hier macht man luxuriös Urlaub

Im „Palace in the Sky“ im glücklichsten Land der Welt tiefe Ruhe und Spiritualität erleben – ganz nachhaltig

Bekannt als „das glücklichste Land der Welt“, ist Bhutan mitten im Himalaja für viele ein absoluter Sehnsuchtsort – hoch oben über der Hauptstadt thront das „Six Senses Thimphu“ und weiht Reisende in die Philosophie des buddhistischen Königreichs ein: Wer die dunklen Kiefernwälder bis auf 2700 Meter Höhe erreicht hat, wird von Angestellten empfangen, die – wie es die bhutanische Tradition verlangt – Weihrauch gegen böse Geister schwenken und einen weißen Schal als Willkommensgruß überreichen. Vor der meterhohen Eingangstür stehen zwei weitere Mitarbeiter, öffnen sie feierlich und geben den Blick frei: Umgeben von Wolken erhebt sich das majestätische Panorama des Himalajas, dazu die Sicht über ganz Thimphu und eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Landes: die Buddha-Dordenma-Statue, mit 52 Metern eine der größten der Welt. Ein riesiges Außenbecken spiegelt die Wolken, daneben steht ein kunstvoll geschnitzter Gebetspavillon. Einem traditionell bhutanischen Palast nachempfunden, nennt sich das Six Senses Thimphu nicht umsonst selbst „Palace in the Sky“.

Die Luxushotelgruppe „Six Senses“ wirbt weltweit mit ihrem Fokus auf Wellness und Nachhaltigkeit. So verzichtet sie beispielsweise in all ihren Häusern konsequent auf Einwegplastik. In Bhutan, dem einzigen CO₂-negativen Land der Welt, zeigt sich das besonders deutlich: Alle der insgesamt fünf Häuser orientieren sich am „Gross National Happiness Index“ des Königreichs. Anstelle des Bruttoinlandsprodukts steht hier das Wohl der Menschen und der Umwelt im Mittelpunkt. Kultur und Tradition sollen trotz des Tourismus erhalten bleiben. Im Six Senses Thimphu spiegelt sich dieser Ansatz in jedem Detail wider: So trägt das Team traditionelle bhutanische Kleidung – Frauen die Kira, bestehend aus knöchellangem Kleid und Jäckchen, und Männer den Gho, eine Kombination aus Jacke und knielangem Rock. Lautlos bewegen sie sich durch die lichtdurchflutete Lobby, sind aber stets bereit, sich um jedes Anliegen zu kümmern. Diese Stille unterstreicht das Erhabene dieses Ortes. Bei einer Ganzkörpermassage im angrenzenden Spa erklingen etwa nicht nur die Töne einer Klangschale, sondern dazu gesellt sich auch eine sanfte Stimme mit bhutanischem Gesang.

2019 eröffnet, wurde das Six Senses Thimphu von den renommierten „Habita Architects“ aus Bangkok entworfen. Im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie wurden ausschließlich lokale Hölzer wie die Himalaja-Hemlocktanne verwendet. Das Design setzt auf das Wesentliche: ein Minimalismus, der aber in Kombination mit den Holztönen eine gewisse Wärme ausstrahlt. Die Dächer sind mit Steinen beschwert, wie es in den ländlichen Gegenden Bhutans üblich ist, weil es traditionell keine Nägel gab. Die insgesamt 25 Suiten und Villen verteilen sich großzügig über das Gelände und verfügen über großflächige Innenräume. Allein die „One Bedroom Villa“ misst über 130 Quadrat­meter. Schlichte Eleganz prägt das Interieur, vereinzelt zieren handgemalte Tiermotive wie Drachen die sonst weißen Wände – wie es auch in einem Landhaus in Bhutan typisch ist. Diese sollen den Bewohnern Glück bringen.

Bei den Mahlzeiten wird Wert darauf gelegt, den Gästen die traditionelle bhutanische Esskultur nahezubringen. Die Biozutaten dafür stammen aus dem eigenen Garten oder von kleinen Farmen aus der Region. Als Getränk wird Wasser gereicht, das mit Rosenquarz und Bergkristall „energetisiert“ wurde. Zum Dinner stehen bhutanische Gerichte zur Auswahl, die für ihre besondere Schärfe bekannt sind: Momo-Dumplings mit Ezay, der bhutanischen Chilipaste, etwa oder Thimphu Lungpa Zhego, getrocknetes Rindfleisch mit Kartoffeln und Chili. Auch das Frühstück ist landestypisch würzig. Es gibt beispielsweise Omelett mit Chili und Koriander sowie Chum Marp Thup, einen Porridge aus rotem Reis mit Szechuan-Pfeffer. Ob beim Frühstück oder Abendessen, stets fällt der Blick hinunter ins Tal und auf die goldene Buddha-Dordenma-Statue. Der gesamte Komplex ist so weitläufig, dass man nur wenigen anderen Reisenden begegnet, meist Paaren mittleren Alters. Man nickt sich wohlwollend zu, verhält sich aber sonst bewusst zurückhaltend. Dadurch wird die andächtige Stimmung noch verstärkt.

Der allgegenwärtige buddhistische Glaube durchdringt den Alltag der Bhutaner, und ein Aufenthalt im Six Senses Thimphu ist geprägt von kleinen, aber nicht weniger erhabenen Momenten: Bereits beim Betreten des Hauses sollte man kurz unter dem Gemälde des Medizinbuddhas innehalten. Auf dem Weg zum Frühstück kann es passieren, dass ein Angestellter vorbeikommt, um das tägliche Wasseropfer im Gebetspavillon darzubringen. Gäste können so nicht nur das Land und seine Kultur besser verstehen, sondern auch die tiefe Ruhe und Spiritualität spüren, die von diesem Viersternepalast ausgehen. Zum Abschied erhält man ein handgeknüpftes Armband in der Farbe des jeweiligen Sternzeichens – es soll Glück bringen. 

Übernachtungen im Six Senses Thimphu (Chang Gewog, Chunimeding, Babesa, Thimphu, Bhutan) gibt es in den 25 Villen und Suiten von umgerechnet etwa 1800 Euro an.